Diese 5 Problemfälle im Kader muss Werder im Sommer dringend lösen

Knifflige Situation für die Bremer: Für neue Spieler müssen sie erstmal alte verkaufen. Einen Goldesel haben sie im Angriff, bei einem Rückkehrer zahlen sie wohl drauf.

Selke senkt den Kopf.
Davie Selkes Rückkehr an die Weser war bisher ein großes Missverständnis. Steigt Werder in der kommenden Saison nicht ab, muss der Klub den Stürmer fest verpflichten. Bild: Imago | gumzmedia nordphoto Pool

Hinter Werder liegt eine katastrophale Saison. Und dies, obwohl die Bremer mit großen Zielen gestartet waren. Der Klub wollte zurück in den Europapokal, am Ende entkam er nur knapp der 2. Liga. Klar ist daher, dass es im Werder-Kader im Sommer zu Veränderungen kommen wird. Das bestätigte auch Sportchef Frank Baumann am Freitag auf der Pressekonferenz. Damit die Bremer einkaufen können, müssen sie vorher aber Spieler verkaufen. Zumal nach dem Klassenerhalt die Kaufverpflichtungen für Ömer Toprak (Borussia Dortmund) und Leonardo Bittencourt (TSG Hoffenheim) gegriffen haben. Beide kosten Werder zusammen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Zu Verkaufskandidaten an der Weser könnten daher auch noch Stammspieler wie Ludwig Augustinsson oder Davy Klaassen werden. Dringender müssen die Bremer aber andere Personalien lösen. Bei manchen Spielern lockt der große Reibach. Bei anderen muss der Klub versuchen, seinen Verlust zu begrenzen.

1 Der Ersatz ist schon da – die letzte Chance auf eine Ablöse für Pavlenka?

Jiri Pavlenka schaut enttäuscht Richtung Himmel nach einem Spiel.
Werder-Torwart Jiri Pavlenka unterliefen in der Hinrunde einige Fehler. Bild: Imago | gumzmedia/nordphoto/POOL

Hinter Jiri Pavlenka liegt eine allenfalls durchwachsene Saison. Der Bremer Torwart leistete sich in der Hinrunde einige Patzer und blieb bis zum Jahreswechsel nicht ein einziges Mal ohne Gegentor. Im Jahr 2020 hat er sich aber wieder gesteigert. Sportlich stünde der Tscheche den Bremern auch in der kommenden Saison gut zu Gesicht. Dennoch sprechen einige Punkte für einen Wechsel. Werder macht zwar keine Angaben über die Vertragslaufzeiten der Spieler, doch dem Vernehmen nach läuft Pavlenkas Vertrag an der Weser im Sommer 2021 aus. Werder könnte für den Nationaltorwart in diesem Sommer also wohl letztmalig eine adäquate Ablöse kassieren. Das Portal "transfermarkt.de" beziffert Pavlenkas Marktwert aktuell auf 6,5 Millionen Euro.

Vor der vergangenen Saison soll es Interesse aus England gegeben haben. Abzuwarten bleibt, ob dieses nach Pavlenkas Schwächeperiode in der Saison und während der für die Etats der Klubs belastenden Corona-Krise noch einmal aufflammt. Durch einen Pavlenka-Verkauf dürfte Werders Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt aber wohl steigen, denn mit Stefanos Kapino hat der Klub bereits eine weitere potenzielle Nummer eins im Kader. Ein neuer Torwart für teures Geld müsste also nicht zwingend kommen.

2 "Goldesel" Rashica will Werder verlassen

Milot Rashica schießt den Ball aufs Heidenheimer Tor.
Milot Rashica will Werder verlassen. Das hat sein Berater Altin Lala den Bremern mitgeteilt. Bild: Imago | Pressefoto Rudel/Robin Rudel/Pool/gumzmedia/nordphoto

Die Wechselgerüchte um Milot Rashica hielten sich über die gesamte Saison. "Es gibt definitiv Bewegung. Wir sind mit einem Klub im Austausch und müssen definitiv davon ausgehen, dass Milot im nächsten Jahr nicht mehr bei uns spielen wird," sagte Baumann am Freitag. Rashicas Berater Altin Lala habe ihm zudem bereits mitgeteilt, dass der Spieler den nächsten Schritt gehen wolle. Der Marktwert des Kosovaren ist nach einer schwachen Rückrunde zuletzt aber abgerauscht. Im Dezember betrug dieser noch 35 Millionen Euro, jetzt liegt er nur noch bei 22 Millionen Euro. Die gehandelte Ausstiegsklausel von 35 Millionen Euro wird in Corona-Zeiten daher wohl kein Klub ziehen. Die von Baumann erwähnten Gespräche dürfte es aktuell mit RB Leipzig geben. Interesse am flinken Angreifer soll ebenfalls der AC Mailand bekunden, sofern dort bald der Deutsche Ralf Rangnick als Trainer und Sportdirektor einsteigt.

Dass Rashica Bremen in diesem Sommer verlässt, steht so gut wie fest. Die Frage ist aktuell, welche Konditionen Werder im Verhandlungspoker durchsetzen kann. Die Bremer müssen Rashicas Verkauf vergolden, um auf dem Transfermarkt handlungsfähig zu sein. Schließlich muss der Klub für Toprak und Bittencourt bereits gutes Geld zahlen.

3 Hat Eggestein unter Kohfeldt noch eine Zukunft?

Johannes Eggestein läuft in Werder-Kleidung über das Trainingsgelände.
Johannes Eggestein kam bei den Bremern zuletzt nicht mehr zum Zug. Coach Florian Kohfeldt nominierte ihn den letzten elf Spielen nicht einmal mehr für den Kader. Bild: Imago | Nordphoto

Johannes Eggestein war an der Weser in der vergangenen Saison einer der ganz großen Verlierer. Das Talent wollte den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen, spielte am Ende unter Florian Kohfeldt aber überhaupt keine Rolle mehr. In den letzten elf Spielen der Saison stand er nicht einmal mehr im Kader. Dabei schien es so, als hätte Eggestein in der Saison 2018/19 seinen Durchbruch geschafft. In der Bundesliga kam er für Werder 23 Mal zum Einsatz und erzielte dabei vier Tore.

Allzu gern setzte Kohfeldt den gelernten Mittelstürmer dabei auf der Außenbahn ein. Dieser schien zudem zunächst einer der Lieblingsschüler des Trainers zu sein. Jetzt ist fraglich, ob und wie Kohfeldt mit dem amtierenden Kapitän der U21-Nationalmannschaft noch plant. Klar ist, dass es für den 22-Jährigen so nicht weitergehen kann. Falls sich seine Perspektive an der Weser nicht bessert, muss er woanders einen neuen Anlauf nehmen. Aufgrund seines Marktwerts von 2,5 Millionen Euro könnten die Bremer an ihm durchaus noch etwas verdienen.

4 Verlustminimierung durch Vertragsauflösung bei Harnik?

Martin Harnik schaut im HSV-Trikot in die Kamera.
Martin Harnik erzielte in der abgelaufenen Saison für den HSV nur drei Tore in der 2. Liga. Bild: Imago | Jan Huebner

Lange spielte der Hamburger SV in der 2. Liga um den Aufstieg mit. Da der HSV diesen am Ende aber verpasste, müssen die Bremer nicht nur auf zwei heiße Nordderbys, sondern auch auf zwei Millionen Euro verzichten. Diese hätten die Hamburger im Falle des Aufstiegs nämlich für den zuvor ausgeliehenen Martin Harnik an die Weser überweisen müssen. Doch jetzt kehrt der Österreicher nach Bremen zurück und steht mit vollen Bezügen wieder bei Werder in Lohn und Brot. Sein Vertrag läuft noch für ein Jahr. Unter Florian Kohfeldt dürfte der 33-Jährige aber keine Zukunft mehr besitzen. Werder dürfte also versuchen, einen Abnehmer für den Stürmer, dessen Marktwert noch eine Million Euro beträgt, zu finden. Kein leichtes Unterfangen, denn in Hamburg legte Harnik keine gute Saison hin, erzielte nur drei Tore. Zuletzt zeigte der Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck Interesse an ihm. Harnik hielt davon nicht viel.

Das hat mich ein bisschen genervt. Wenn man weiß, dass ich noch ein Jahr Vertrag bei Werder habe, dann ist das doch nicht realistisch. Wie soll das funktionieren? Ich bin froh, dass ich noch auf dem Niveau wie jetzt spielen kann und darf. Ich fühle mich auch noch gut.

Martin Harnik in der "Bild"-Zeitung

Klar dürfte sein, dass Harnik bei keinem anderen Klub in Deutschland mehr so einen guten Vertrag erhält wie bei Werder im Sommer 2018. Die Bremer müssen daher versuchen, den Verlust zu minimieren. Eine Vertragsauflösung erscheint da als wahrscheinlichstes Szenario. Werder könnte somit einen Teil des Gehalts sparen und Harnik einen neuen Kontrakt bei einem Klub, der stärker auf ihn baut, unterzeichnen.

5 Wie plant Kohfeldt mit Selke? Kreativität könnte gefragt sein...

Als Werder Ende Januar Davie Selke aus Berlin zurück an die Weser holte, hielten dies viele zunächst für einen guten Deal. In den Spielen zuvor gegen Fortuna Düsseldorf (1:0) und die TSG Hoffenheim (0:3) hatte sich schließlich einmal mehr deutlich gezeigt, dass den Bremern im Angriffszentrum ein klassischer Stoßstürmer fehlt. Schnell entpuppte der Selke-Transfer sich aber als Missverständnis. In der Bundesliga erzielte der Stürmer kein Tor, nur im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund (3:2) traf er einmal. Bei den Bremern landete Selke wie zuvor in Berlin rasch wieder auf der Bank. Auch im dramatischen Schlussspurt der Saison spielte er kaum eine Rolle. Das Problem bei Selke: Das Geschäft mit den Berlinern beinhaltet eine saftige Kaufverpflichtung. Noch ist Selke lediglich ausgeliehen. Doch hält Werder auch in der kommenden Saison die Liga, muss der Klub ihn für kolportierte zwölf Millionen Euro kaufen. Damit wäre der 25-Jährige nach Davy Klaassen (13,5 Millionen Euro) der zweitteuerste Einkauf der Vereinsgeschichte.

Davie Selke sitzt in einer Werder-Jacke auf der Ersatzbank im Berliner Olympiastadion.
Von der einen Ersatzbank auf die andere: Davie Selke hat sein Glück bei Werder bisher noch nicht gefunden. Bild: Imago | foto2press

Bei Werder könnte daher in diesem Sommer Kreativität gefragt sein. Niclas Füllkrug ist nach seinem Kreuzbandriss zurück und die klare Nummer eins im Sturm. Für Selke bliebe also wohl nur die Reservistenrolle. Es sei denn, zu den Neuerungen an der Weser gehört auch, dass Kohfeldt gelegentlich mit zwei klassischen Mittelstürmern spielen lässt. Möglicherweise könnte Selke nach dem Trainerwechsel auch eine Zukunft in Berlin haben. Wie der "kicker" zuletzt berichtete, wollte Hertha-Coach Bruno Labbadia einst Selke zum VfL Wolfsburg holen. Den Vertrag mit ihrem 35-jährigen Mittelstürmer Vedad Ibisevic haben die Berliner außerdem nicht verlängert. Eine Kaderposition wird also frei. Selke einfach zurück zur Hertha zu schicken und der Kaufverpflichtung somit zu entgehen wäre natürlich die ideale Lösung für Werder. Wahrscheinlicher erscheint aber, dass die Berliner allzu gerne im nächsten Jahr das Geld der Hanseaten nehmen und sich bereits in diesem Jahr qualitativ ein Regal höher bedienen. Als Kandidaten an der Spree handelt die "Berliner Zeitung" unter anderem Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg und Luka Jovic von Real Madrid.

Abzuwarten bleibt daher, wie Kohfeldt letztlich mit Selke plant. Bleibt dieser ein Mann für die Ersatzbank, muss Werder versuchen, den Verlust zu begrenzen. Im Winter sollen auch Klubs aus der Premier League Interesse am U21-Europameister von 2017 gezeigt haben. Falls Werder durch weitere Verkäufe genug einnimmt, könnte die Kaufverpflichtung möglicherweise auch früher bedient werden, um den Spieler anschließend nach England weiterzuverkaufen – und das Kapitel an der Weser somit frühzeitig zu schließen, ehe ein Totalverlust droht.

Brodelnde Gerüchteküche: Tragen diese Spieler bald das Werder-Trikot?

Video vom 9. Juli 2020
Ex-Werder Profi Valerien Ismael links, Peter Michorl vom Linzer ASK rechts.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Juli 2020, 18:06 Uhr