7 knifflige Kontrakte: Droht Werder im Sommer ein kleiner Ausverkauf?

Gleich bei sieben Bremer Spielern läuft 2022 der Vertrag aus. Für Werder bedeutet dies im Sommer: verkaufen oder verlängern. Das sind die Perspektiven der Profis.

Werder-Spieler laufen gemeinsam zum Trainingsplatz.
Bei Werder stehen im Sommer einige schwierige Entscheidungen an. Mehrere Leistungsträger mit hohem Marktwert haben dann nur noch für ein Jahr einen Vertrag in Bremen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werder ist finanziell klamm, das ist längst bekannt. Für die Bremer Profis bedeutet das, dass der Klub ihnen momentan keine gut dotierten Vertragsangebote unterbreiten kann. Zu ungewiss ist, wie sich die Situation in der Corona-Pandemie entwickelt. Von "zu vielen Fragezeichen" sprach der Sportliche Leiter Clemens Fritz am Mittwoch in einer Medienrunde.

Die Bremer stehen dabei allerdings unter Zugwang. Gleich bei sieben Spielern laufen im Sommer 2022 die Verträge aus. Und Werder kann es sich nicht leisten, Stammspieler abzugeben, ohne eine Ablösesumme zu erhalten. Daher müssen diese Profis im Sommer entweder verkauft werden oder noch einmal an der Weser verlängern. Wir blicken vom Tor bis in den Sturm auf die betroffenen Spieler mit anderthalb Jahren Restvertrag.

1 Jiri Pavlenka

Jiri Pavlenka hat in der vergangenen Saison ein Tief durchlebt, doch längst ist auf ihn wieder Verlass. Der tschechische Nationaltorwart wird im Sommer allerdings 29 Jahre alt sein und den womöglich letzten großen Vertrag seiner Karriere unterschreiben. Fragen zu seiner Zukunft wich Pavlenka am Donnerstag in einer Medienrunde aus. "Keine Ahnung, was im Sommer kommt", sagte er. Sein Berater wird bis dahin aber sicherlich den Markt sondieren.

Jiri Pavlenka hat den Ball während des Spiels in der Hand.
Jiri Pavlenka sagte am Donnerstag, dass er noch "keine Ahnung" habe, wie es für ihn im Sommer weitergeht. Bild: Imago | Joachim Sielski

Einen Pavlenka-Abgang könnten die Bremer dabei vermutlich sogar aus Bordmitteln kompensieren. Stefanos Kapino hat seine Qualität im Werder-Trikot schon bewiesen. Aktuell sammelt der Grieche beim Zweitligisten SV Sandhausen weitere Spielpraxis, ehe er im Sommer zurückkommt. Auch Michael Zetterer will bei Werder die Nummer eins werden und steht bei Coach Florian Kohfeldt hoch im Kurs. Pavlenkas Marktwert liegt laut "transfermarkt.de" bei 6,5 Millionen Euro. Daher wäre es für Werder durchaus lukrativ, mit ihm noch ein Geschäft zu machen.

2 Milos Veljkovic

Milos Veljkovic ist bei Werder in dieser Saison zumindest statistisch Erfolgsgarant. In elf von bisher 21 Spielen stand er in der Bundesliga in der Bremer Startelf. Und nur einmal – beim 0:1 in Mönchengladbach – gingen die Bremer als Verlierer vom Platz.

"Ich gehe fast davon aus, dass ich bei Werder bleibe", sagte Veljkovic Mitte Januar. Das Bekenntnis galt allerdings nur für die Wechsel-Periode im Winter. Im Sommer könnten die Karten neu gemischt werden. Den ganz großen Wechseldruck hat der 25-Jährige (Marktwert: fünf Millionen Euro) aber noch nicht.

3 Ludwig Augustinsson

Bei Werder spielt Ludwig Augustinsson die wohl beste Saison, seitdem er 2017 an die Weser gewechselt ist. Vier Tore hat der Linksverteidiger in der Bundesliga bereits vorbereitet, zwei weitere dazu im DFB-Pokal. Wie Pavlenka am Donnerstag sagte auch Augustinsson in der vergangenen Woche in einer Medienrunde, dass er noch nicht wisse, wie es im Sommer für ihn weitergeht. Der Schwede kann ja auch noch bei der Europameisterschaft Werbung in eigener Sache machen.

Ludwig Augustinsson rennt über den Platz. Vor ihm fliegt der Ball.
Ludwig Augustinsson ist einer der besten Spieler in der aktuellen Werder-Saison. Bild: Imago | Joachim Sielski

Die Lage ist für Augustinsson sehr komfortabel. Außenverteidiger, die in der Defensive für Stabilität und in der Offensive für Torgefahr sorgen, sind begehrt. Mit dann 27 Jahren könnte im Sommer der nächste Schritt für ihn anstehen. Bei einem Marktwert von zehn Millionen Euro dürfte dies auch für Werder interessant sein. Mit Felix Agu steht schließlich auch schon ein Kronprinz im eigenen Kader parat. Dieser könnte allerdings auch auf der rechten Seite benötigt werden, wo es Theodor Gebre Selassie nach neun Jahren in Bremen zurück in seine tschechische Heimat ziehen könnte.

4 Kevin Möhwald

Kevin Möhwald ist bei Werder das Mentalitätsmonster im zentralen Mittelfeld. Nach seiner langen Verletzungspause hat er sich einen Stammplatz erkämpft. Der Marktwert des 27-Jährigen beträgt aktuell allerdings nur 2,5 Millionen Euro. Für die Bremer ist er zu wichtig, um ihn für eine Summe in diesem Bereich abzugeben.

Bis jetzt gibt es auch keine Anzeichen, dass der ehrgeizige Möhwald eine Veränderung anstrebt. Bei Werder hat er sich mittlerweile einen gewissen Status erarbeitet. Ein Wechsel im Sommer erscheint daher unwahrscheinlich.

5 Yuya Osako

Werder und Yuya Osako – das war nie eine echte Liebesbeziehung. Die Bremer Fans haben den Japaner auf dem Kieker. Und auch bei Kohfeldt ist er kein Stammspieler mehr. Im Januar strich er ihn für das Spiel bei Bayer Leverkusen sogar aus dem Kader.

Yuya Osako läuft nachdneklich über die Tribüne des Weser-Stadions.
Yuya Osako hat in Bremen nicht sein Glück gefunden. Bild: Imago | Team 2

Das große Geschäft ist mit Osako nicht mehr zu machen. Im Sommer ist er 31 Jahre alt, sein Marktwert liegt zudem nur bei 1,5 Millionen Euro. Bereits im Winter gab es Gerüchte, dass japanische Klubs den 46-maligen Nationalspieler zurück in die Heimat holen wollen. Nach der Saison wäre dies für alle Beteiligten wohl eine überlegenswerte Variante.

6 Milot Rashica

Milot Rashica wäre am liebsten längst nicht mehr bei Werder. Im vergangenen Sommer zerschlug sich sein Wechsel nach Leverkusen in der letzten Minute und auch im Winter fand Werder keinen Abnehmer. Werder-Fans in den Sozialen Medien gönnten sich daher auch den ein oder anderen Spaß auf seine Kosten.

Ein Wechsel kam bisher allerdings auch nicht zustande, weil die Bremer ihre Forderungen nicht so recht zurückschrauben wollten. Dazu werden sie im Sommer allerdings gezwungen sein. Ein Verkauf ist nötig, um überhaupt noch Geld für den dann 25-Jährigen zu sehen. Werder wird daher hoffen, dass der Kosovare in den kommenden drei Monaten seine Form wiederfindet und von Verletzungen verschont bleibt. Und somit seinen Marktwert zumindest ein bisschen wieder nach oben schraubt. Von einst 35 Millionen Euro ist dieser mittlerweile auf zwölf Millionen Euro abgestürzt.

7 Josh Sargent

Für Florian Kohfeldt ist Josh Sargent eine Art Lieblingsschüler. Keinen anderen Spielen lobt der Bremer Coach so häufig wie den US-Amerikaner. Der Blick auf die Tore und Vorlagen rechtfertigt dies nicht unbedingt. Als Stammspieler im Sturm hat er in dieser Saison lediglich zwei Tore erzielt und zwei weitere vorbereitet.

Josh Sargent und Florian Kohfeldt geben sich auf dem Trainingsplatz die Faust.
Josh Sargent besitzt bei Werder das totale Vertrauen von Coach Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Doch Kohfeldt achtet vielmehr darauf, wie Sargent auf dem Platz für das Team rackert. Dieser ist sicherlich talentiert, aber kein "Wunderkind". Am Samstag feiert er seinen 21. Geburtstag. Das ist immer noch sehr jung. Im modernen Fußball allerdings nicht mehr extrem jung. Sargents Marktwert liegt aktuell bei neun Millionen Euro. Holt ein Klub ihn, zahlt er vor allem für das Potenzial, das ihm für die Zukunft zugeschrieben wird. So viel Vertrauen wie in Bremen unter Kohfeldt würde Sargent aber wohl bei keinem ambitionierten Klub erhalten. Ist er gut beraten, dürfte seine Zukunft also weiterhin an der Weser liegen.

So verlief der Deadline-Day bei Werder

Video vom 1. Februar 2021
Milot Rashica auf dem Weg zum Weser-Stadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 18. Februar 2021, 23:30 Uhr