Interview

Werders Sportchef Baumann: "Wir wollen etwas wiedergutmachen"

Video vom 17. Juni 2021
Frank Baumann sitzt auf der Tribüne des Weser-Stadions und lächelt in die Kamera.
Werders Sportchef Frank Baumann hat mit der Kaderplanung bei Werder derzeit alle Hände voll zu tun. Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Am Samstag geht bei Werder die Vorbereitung auf die 2. Liga los. Im Sportblitz-Interview spricht Sportchef Frank Baumann über die Kaderplanung und die Ziele der Bremer.

So langsam geht es bei Werder wieder los. Am Mittwoch stand der erste PCR-Test vor dem Trainingsauftakt am Samstag an, am Donnerstag folgte die Leistungsdiagnostik. Das Personal ist dabei bisher zum Großteil noch das Altbekannte. Einen größeren Verkaufswert konnten die Bremer noch für keinen Spieler erlösen, als externer Neuzugang steht bisher nur Anthony Jung fest. Bei der Kaderplanung liegt also noch viel Arbeit vor Sportchef Frank Baumann, der sich am Donnerstagnachmittag dennoch Zeit für ein Interview mit dem Sportblitz nahm.

Herr Baumann, in zwei Tagen startet das Training bei Werder bereits wieder. Sind Sie bei der Kaderplanung im Zeitplan?
Wir würden uns natürlich wünschen, dass wir den Kader schon deutlich weiter gestaltet hätten. Wir haben aber eine besondere Situation durch den Abstieg und die Pandemie. Es war daher klar, dass es etwas dauern wird. Und sehr wahrscheinlich wird es so sein, dass wir erst nach den ersten Pflichtspielen den finalen Kader für die Saison zusammenhaben.
Mit Anthony Jung gibt es bisher einen Neuzugang. Kommen bis zum Samstag noch einige dazu?
Ja, der ein oder andere Spieler aus der U23 wird eine größere Rolle im Trainingskader spielen. Wir trauen einigen zu, in der kommenden Saison zu Einsätzen zu kommen.
Markus Anfang hatte sich bei seiner Vorstellung gewünscht, dass die Achse vom Torwart bis zum Sturm schnell fix ist. Wie weit sind Sie da?
Das wird ein Stück weit davon abhängen, welche Achsenteile uns noch verlassen werden. Wir haben schon die Hoffnung, dass der eine oder andere die Herausforderung 2. Liga mit Werder angehen wird, um schnellstmöglich wieder nach oben zu kommen. Aber da müssen wir auch abwarten, wie sich die Situation auf dem Transfermarkt entwickelt.
Frank Baumann sitzt mit Pascale Ciesla währen des Interviews auf der Tribüne des Weser-Stadions.
Werders Sportchef Frank Baumann traf sich am Donnerstag mit Sportblitz-Reporterin Pascale Ciesla zum Interview im Weser-Stadion. Bild: Radio Bremen
Nichtsdestotrotz müssen aufgrund des finanziellen Engpasses auch Spieler verkauft werden. Welche haben Sie da im Blick?
Ich erzähle kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass Milot Rashica und Ludwig Augustinsson hier Kandidaten sind. Für alle gilt aber, dass das Angebot am Ende stimmen muss. Über die beiden hinaus kann es sein, dass der ein oder andere Spieler uns verlassen wird. Das ist nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Situation wichtig, denn nach den letzten zwei Jahren glaube ich, dass es einer Grunderneuerung des Kaders bedarf. Das ist eine Chance, um eine schlagkräftige Mannschaft für die Zukunft aufzubauen.
Können Sie auf dem Transfermarkt erst zuschlagen, sobald Sie andere Spieler verkauft haben?
Nein, in einem gewissen Rahmen können wir auch jetzt schon tätig werden. Es würde uns aber helfen, wenn wir auf der Abgabeseite möglichst zeitnah einen größeren Transfer realisieren können.
Viele Spieler aus der vergangenen Saison sind noch da. Wer hat schon klar betont, dass er mit in die 2. Liga geht?
Einige Spieler haben schon gesagt, dass sie bei Werder bleiben und es ein Stück weit wiedergutmachen wollen. Ich werde aber keine einzelnen Namen nennen, weil die jeweiligen Spieler dies selbst öffentlich kommunizieren sollten.
Maximilian Eggestein und Johannes Eggestein laufen am Weser-Stadion entlang.
Wie Bruder Maximilian (links) unterzog sich auch Johannes Eggestein am Mittwoch dem ersten PCR-Test vor dem Trainingsauftakt. Ob er bei Werder bleibt, ist noch offen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Johannes Eggestein hat während seiner Ausleihe in Linz überzeugt. Wäre er eine Bereicherung für die 2. Liga?
In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass Johannes auch in der Bundesliga eine Bereicherung sein kann. Trotzdem war es wichtig, dass er einen Tapetenwechsel hatte und sich in einem anderen Umfeld Selbstvertrauen holen konnte. Wir können uns vorstellen, dass er ein Teil der Mannschaft ist. Allerdings müssen wir auch bewerten, welches System wir spielen und ob es in diesem eine passende Position für Johannes – aber auch für andere Spieler – gibt. Durch den Trainerwechsel kann es dort Veränderungen geben, sodass wir vielleicht nicht mehr so zentrumslastig wie unter Florian Kohfeldt spielen werden, sondern über offensive Außenstürmer.
Hat Markus Anfang Ihnen eine Wunschliste auf mit auf den Weg gegeben?
Wir haben über viele Spieler gesprochen. Über Ideen, die wir in den letzten Monaten und Jahren gesammelt haben, als auch über die Ideen von Markus. Wir sind da im ständigen und sehr guten Austausch.
Wollen auch Sie mit der Kaderzusammenstellung jetzt etwas wiedergutmachen?
Wir sind natürlich sehr enttäuscht gewesen, dass wir den Klassenerhalt nicht erreicht haben. Insofern sind wir alle ein Stück weit in der Verantwortung. Wir wollen etwas wiedergutmachen und die 2. Liga als Chance begreifen, weil wir einige Veränderungen vornehmen und eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft aufbauen können. Daran arbeiten wir sehr intensiv.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass trotz aller Widrigkeiten schon ab Samstag erfolgreich auf den Saisonstart hingearbeitet werden kann?
Ich bin optimistisch, weil uns allen bewusst ist, dass eine Situation eintreffen kann, in der es etwas holprig ist und wir uns noch nicht komplett einspielen können. Das Bewusstsein hierfür ist bei allen Beteiligten vorhanden

(Das Interview führte Pascale Ciesla. Aufgeschrieben von Karsten Lübben.)

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Pascale Ciesla Redakteurin und und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. Juni 2021, 18:06 Uhr