Werders Poker um Anfang – das sind die unterschiedlichen Perspektiven

Frank Baumann, Markus Anfang und  Carsten Wehlmann vor grünem Hintergrund (Montage)
Markus Anfang (Mitte) soll neuer Werder-Coach werden. Frank Baumann (links) hofft, mit den Darmstädtern um deren Sportchef Carsten Wehlmann eine Einigung zu erzielen. Bild: Imago | Ulmer/Jan Huebner

Nach Informationen von buten un binnen dauern die Verhandlungen zwischen den Bremern und Darmstadt 98 an. Wir blicken auf die unterschiedlichen Perspektiven im Poker um Trainer Markus Anfang.

Werder ist auf der Suche nach einem Cheftrainer und Markus Anfang der derzeitige Wunschkandidat der Bremer. Wie der "Kicker" am späten Montagabend berichtete, soll der Deal zwischen Werder und dem SV Darmstadt 98, Anfangs aktuellem Klub, allerdings geplatzt sein. Am Dienstag ruderte das Fachmagazin jedoch vorerst zurück und korrigierte sich darauf, dass der Wechsel "vorerst" geplatzt sei.

Auch nach Informationen von buten un binnen ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ein Deal ist weiterhin möglich, die Klubs verhandeln nach wie vor. Wir werfen daher einen Blick auf die unterschiedlichen Perspektiven im Poker um Anfang.

Markus Anfang

Der aktuelle Cheftrainer der Darmstädter hat sich bereits mit Werder geeinigt und würde zukünftig gerne an der Weser arbeiten. Trotz der aktuellen Schieflage sind die Bremer weiterhin eine interessante Adresse. Der Klub ist dafür bekannt, seinen Trainern viel Vertrauen zu schenken und diese nicht direkt in der ersten Krise zu entlassen. Gerade dies könnte Anfang schätzen, nachdem er beim 1. FC Köln einst gar trotz der souveränen Tabellenführung in der 2. Liga aufgrund "eines negativen Trends" entlassen wurde. Auf Dauer wäre der Wechsel nach Bremen dank Werders Strahlkraft zudem vermutlich lukrativer als der Verbleib in Darmstadt.

Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass Anfang bei den Darmstädtern Terz machen wird. Bei seinen bisherigen Stationen hat er sich bisher stets integer verhalten. Sollte der Deal zwischen Werder und seinem derzeitigen Klub platzen, würde er also wohl ganz normal in Darmstadt weiterarbeiten und seinen Vertrag bis 2022 respektieren.

Werder Bremen

Aus Sicht von Werder passt Anfang nahezu perfekt in das Anforderungsprofil. Dieser ist bereits ein arrivierter Trainer und besitzt mehrjährige Erfahrung in der 2. Liga. Anfang steht zudem für offensiven Fußball und weckt damit die Fantasie, bald wieder für Begeisterung im Weser-Stadion sorgen zu können. Mit seinen bisherigen Teams stellte er stets eine der besten Offensivreihen der 2. Liga. Anfang gilt als Bessermacher, der die Bremer zurück in die Bundesliga führen könnte.

Für Werder ist es komfortabel, dass bereits eine Einigung mit Anfang besteht. Jetzt muss nur noch ein Deal mit den Darmstädtern her. In diesem Poker kann es Werder in die Karten spielen, dass es bei den Anhängern der Lilien sicherlich nicht gut ankommt, dass ihr Coach lieber zu einem anderen Klub gewechselt wäre. Außerdem besitzt Anfang in Darmstadt auch nur noch einen Vertrag bis 2022.

Die klammen Bremer setzen daher in den Verhandlungen also wohl erst einmal niedrig an, um sich den Coach zu einem schmalen Kurs zu sichern. Laut "Kicker" soll Werder für Anfang lediglich 200.000 Euro geboten haben, die dann auch noch in Raten gezahlt werden sollten. Das ist auch für Zweitligaverhältnisse ein sehr spärliches Angebot. Zum Vergleich: Als der 1. FC Köln vor drei Jahren Anfang von Holstein Kiel verpflichtet hat, überwiesen die Kölner rund 800.000 Euro an die Förde.

SV Darmstadt 98

Bei den Darmstädern steht im Sommer ein kleiner Umbruch ein, da Leistungsträger den Klub verlassen werden. Toptorjäger Serdar Dursun (27 Saisontore) geht ablösefrei und wechselt wohl zu Union Berlin. Den defensiven Mittelfeldspieler Victor Palsson zieht es zu Schalke 04. Klar also, dass die Darmstädter gerne Kontinuität auf der Trainerbank besäßen und nach der erfolgreichen vergangenen Saison gerne mit Anfang weitermachen würden.

Zudem soll Werders Verhalten im Poker um Anfang laut "Kicker" für Unmut bei den Hessen gesorgt haben. Das Gebot von 200.000 Euro aus Bremen haben die Verantwortlichen angeblich als "Frechheit" aufgefasst. Das Faustpfand der Darmstädter ist, dass Werders Sportchef Frank Baumann unter Zugzwang steht und endlich mal für ein Erfolgserlebnis sorgen muss. Das weiß auch deren Sportchef Carsten Wehlmann. Schließlich muss auch Werder schnellstmöglich die Kaderplanung aufnehmen und diese mit dem neuen Coach abstimmen. Falls die Darmstädter Anfang gehen lassen, fordern sie hierfür also eine saftige finanzielle Entschädigung.

Werders Trainersuche: Ex-Bremer Ismael soll Kandidat sein

Video vom 30. Mai 2021
Trainer Valerien Ismael mit ernster Miene an der Seitenlinie.
Bild: Imago | Shutterstock
Bild: Imago | Shutterstock

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 1. Juni 2021, 18:06 Uhr