Tolle Triumphe & bittere Pleiten – 11 große Werder-Spiele unter Schaaf

Als Bremer Coach hat Thomas Schaaf in 14 Jahren großartige Erfolge gefeiert und einige harte Niederlagen einstecken müssen. Ein Rückblick vor dem Abstiegsfinale.

Thomas Schaaf trägt 1999 ein gelbes Polo-Shirt und jubelt.
Thomas Schaaf war bereits von Mai 1999 bis Mai 2013 Coach von Werder Bremen. Bild: Imago | Camera 4

Wenn Werder am Samstag (15:30 Uhr) im Abstiegsfinale gegen Borussia Mönchengladbach spielt, liegen die Hoffnungen auf Klublegende Thomas Schaaf. Der 60-Jährige hat die Bremer bereits von Mai 1999 bis Mai 2013 trainiert und in 14 Jahren als Werder-Coach fast alles erlebt. Manchmal gelangen den Bremern kleine Sensationen, manchmal erlebten sie herbe Enttäuschungen. Wir wagen einen kleinen Rückblick.

1 Rost sorgt für den Coup gegen die Bayern

Die Bayern waren im Finale des DFB-Pokals 1999 der große Favorit. Schließlich standen diese zwei Wochen zuvor noch im Finale der Champions League gegen Manchester United, das in letzter Minute mit 1:2 verloren ging. Völlig überraschend konnte auch Werder gegen die Münchner auftrumpfen und sich den Pokal schnappen.

Die Werder-Spieler Dieter Eilts, Bernhard Trares,  Marco Bode, Torsten Frings, Jens Todt und Raphel Wicky und Juri Maximov laufen jubelnd nach dem im Elfmeterschießen von der Mittellinie in Richtung Frank Rost.
Ekstase bei Werder: Nachdem Frank Rost den entscheidenden Elfmeter von Lothar Matthäus hielt, kannte der Jubel bei den Bremern keine Grenzen mehr. Bild: Imago | Kicker / Eissner / Liedel

Schon nach vier Minuten brachte Juri Maximov die Bremer in Führung, die Sturmtank Carsten Jancker für die Bayern ausglich (45.). In der zweiten Halbzeit und der Verlängerung gelang keinem Team mehr ein Treffer, sodass es ins Elfmeterschießen ging. In diesem scheiterte Jens Todt an Nationaltorwart Oliver Kahn, aber auch Stefan Effenberg traf nicht, sondern knallte den Ball über das Tor. Anschließend verwandelte Keeper Frank Rost sicher gegen Kahn, ehe er direkt im Anschluss den Elfmeter von Lothar Matthäus hielt – und Schaaf nach nur fünf Wochen seinen ersten Titel als Werder-Coach holte.

2 Weser-Wunder gegen Lyon

Werder-Spieler bejubeln den 4:0-Sieg gegen Olympique Lyon.
Durch ein 4:0 im Rückspiel gegen Olympique Lyopn schaffte Werder es im Dezember 1999 doch noch in die nächste Runde des Uefa-Cups. Bild: DPA | Ingo Wagner

Im Uefa-Cup war Werder in der Saison 1999/00 in der 3. Runde bereits nach dem Hinspiel so gut wie ausgeschieden, denn die Schaaf-Elf hatte das Hinspiel bei Olympique Lyon sang- und klanglos mit 0:3 verloren. Beim Rückspiel gelang dann aber mal wieder ein Wunder von der Weser. Durch Treffer von Marco Bode (16.), Andreas Herzog (39., Elfmeter), Frank Baumann (54.) und Claudio Pizarro (77.) drehte Werder den Vergleich mit den Franzosen noch auf seine Seite. Am Ende flogen die Bremer erst im Viertelfinale gegen den FC Arsenal aus London aus dem Wettbewerb (2:4, 0:2).

3 Pleite gegen Gladbach kostet den Uefa-Cup

Am Samstag (15:30 Uhr) geht es für Werder gegen Borussia Mönchengladbach um alles. Entscheidende Spiele gegen die Gladbacher am letzten Spieltag kennt Schaaf dabei bereits. Auch am 34. Spieltag der Saison 2002/03 trafen die Bremer auf die Fohlen-Elf. Damals lag Werder auf dem 5. Platz und wäre mit einem Sieg gegen die Gladbacher sicher für den Uefa-Cup qualifiziert gewesen. Diese mussten derweil noch um den Klassenerhalt bangen und brauchten ebenfalls Punkte.

Gladbachs Spieler van Lent, Forssell und Strasser feiern 2003 mit einem überdimensional großen Bier den Klassenerhalt.
Durch den Sieg gegen Werder machten die Gladbacher um Arie van Lent, Mikael Forssell und Jeff Strasser 2003 den Klassenerhalt klar. Gelingt den Bremern am Samstag die Revanche? Bild: DPA | Rolf Vennenbernd

Nachdem es zur Halbzeit noch 0:0 stand, entledigten die Borussen sich im zweiten Durchgang aller Abstiegssorgen. Peer Kluge (61.) und Morten Skoubo mit einem Doppelschlag (73., 76.) schossen für die Gladbacher ein beruhigendes 3:0 heraus. Durch ein Eigentor von Bernd Korzynietz kam Werder nochmal ran (84.), dann setzte Mikael Forssell den Schlusspunkt zum 1:4 aus Bremer Sicht (90.+1). Da Hertha BSC parallel mit 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann, rutschte Werder noch auf den 6. Platz ab und verpasste die direkte Qualifikation für den Uefa-Cup. Feiern durften nach dem Spiel also nur die Gladbacher.

4 Bittere Blamage in Pasching

Ailton schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Ailton konnte es nicht glauben: Im August 2004 flog Werder gegen den FC Pasching aus dem UI-Cup. Der Traum vom Uefa-Cup war damit geplatzt. Bild: DPA | Ingo Wagner

Nach der Pleite gegen Gladbach konnten die Bremer im Sommer 2003 auch im UI-Cup ihre Chance auf eine Qualifikation für den Uefa-Cup nicht nutzen. Stattdessen machte sich Werder beim 0:4 im Hinspiel beim FC Pasching zum Gespött der gesamten Fußball-Nation. Schon zur Halbzeit lag die Schaaf-Elf in der österreichischen Provinz durch Treffer von Michael Horvath (36.) und Edi Glieder (40., 43.) mit 0:3 zurück. Michael Baur sorgte in der 88. Minute für den Endstand. Die derbe Niederlage aus dem Hinspiel konnte Werder durch das ebenfalls enttäuschende 1:1 im Rückspiel nicht mehr ausmerzen.

5 Die große Schmach für die Bayern

Kein anderes Spiel wird so sehr mit der großen Trainer-Ära von Schaaf bei Werder in Verbindung gebracht wie der 3:1-Sieg am 32. Spieltag der Saison 2003/04 beim FC Bayern. Die Münchner wollten die Bremer im Meisterschaftsrennen im direkten Duell noch einmal attackieren. Vor allem Manager Uli Hoeneß schickte in den Tagen vor dem Spiel noch einmal Kampfansagen in Richtung Weser.

Werder-Spieler bejubeln die Meisterschaft 2004 auf dem Platz.
Beim 3:1 in München führte Werder die Bayern zeitweise vor und gewann ausgerechnet im Stadion des größten Kontrahenten die Deutsche Meisterschaft. Bild: Imago | Team 2

Im Olympiastadion sorgte Werder aber schnell für klare Verhältnisse. Ivan Klasnic erzielte für die Bremer in der 19. Minute nach einem Fehler von Kahn das 1:0. Johan Micoud legte mit einem herrlichen Heber nach (26.) und Ailton sorgte mit einem Schlenzer (35.) zum 3:0 bereits vor der Halbzeit für die Entscheidung. Dass Roy Makaay noch einmal für die Münchner verkürzte (56.), störte am Ende niemanden mehr bei bei Werder. Nach dem Coup in München gewannen die Bremer wenig später auch noch den DFB-Pokal durch einen 3:2-Erfolg im Finale gegen Alemannia Aachen. Das Double ist bis heute der größte Erfolg in der Klubgeschichte.

6 Wieses Patzer sorgt für das Aus in Turin

Mit Spielern wie Torwart Gianluigi Buffon, Mittelfeldstratege Patrick Vieira und Stürmer Zlatan Ibrahimovic besaß Juventus Turin auch im Frühjahr 2006 eines der besten Teams Europas. Dennoch warf Werder die Italiener im Achtelfinale der Champions League fast aus dem Wettbewerb.

Emerson schießt den Ball aufs Bremer Tor. Tim Wiese versucht noch zu parieren.
Tim Wiese ließ den Ball fallen und Emerson staubte ab. Sehr unglücklich schied Werder 2006 aus der Champions League aus. Bild: Imago | ActionPictures

Nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel durch Treffer von Christian Schulz, Tim Borowski und Micoud führten die Bremer auch im Rückspiel in Turin durch ein Tor von Micoud aus der 13. Minute mit 1:0. David Trezeguet glich für die Italiener zum 1:1 aus, anschließend unterlief dem an diesem Abend zuvor überragend haltenden Keeper Tim Wiese ein böser Patzer. Eine Flanke fing er in der 88. Minute sicher ab, doch beim Versuch, sich abzurollen, ließ Wiese den Ball fallen – und der Brasilianer Emerson traf zum Sieg für Juventus. Ganz bitter flog Werder aufgrund der Auswärtstorregel aus der Champions League.

7 Sieg im Nordderby macht die Champions League klar

Vor dem letzten Spieltag der Saison 2005/06 lag der Hamburger SV auf dem 2. Platz und Werder auf dem 3. Platz. Die Hamburger wären als Zweiter direkt für die Champions League qualifiziert gewesen, während die Bremer als Dritter noch eine Qualifikationsrunde hätten bestreiten müssen. Am 34. Spieltag trafen die beiden Nordrivalen in Hamburg aufeinander.

Ivan Klasnic bejubelt sein Tor gegen den HSV im Mai 2006.
Am letzten Spieltag der Saison 2005/06 schlugen die Bremer um Ivan Klasnic den HSV und zogen direkt in die Champions League ein. Bild: Imago | Sven Simon

Klasnic brachte die Schaaf-Elf damals in der 27. Minute mit 1:0 in Führung. Sergej Barbarez glich für den HSV in der 60. Minute per Kopf aus. Im Anschluss hätte ausgerechnet Ailton, damals im HSV-Trikot, die Hamburger nur fünf Minuten später in Führung bringen müssen. Die Bremer Klublegende vergab die Chance allerdings kläglich. Stattdessen traf Miroslav Klose in der 72. Minute zum 2:1-Siegtreffer und schoss die Bremer direkt in die Champions League.

8 Das verlorene Finale von Istanbul

Nachdem Werder sich 2009 in den großen Nordderby-Wochen nicht nur im DFB-Pokal, sondern auch im Halbfinale des Uefa-Cups gegen den HSV durchgesetzt hatte, trafen die Bremer im Finale in Istanbul auf Schachtar Donezk.

Sebastian Prödl und Tim Wiese schauen enttäuscht nach dem verlorenen Finale gegen Donezk 2009.
Enttäuschte Gesichter bei Sebastian Prödl und Tim Wiese: Das Finale im Uefa-Cup verloren die Bremer 2009. Bild: Imago | HJS

Luiz Adriano traf in der 25. Minute zum 1:0 für die Ukrainer, doch deren Torwart Andriy Pyatov machte Werder ein Geschenk und ließ einen eher harmlosen Freistoß von Naldo zum Ausgleich durchrutschen (35.). Das Spiel ging in die Verlängerung und Werder langsam die Puste aus. Der Brasilianer Jadson schoss in der 97. Minute das 2:1 für die Donezker, weil Wiese sich bei seinem eher unplatzierten Schuss einen Fehler leistete. Am Ende wurde es nichts mit dem zweiten Europapokalsieg der Klubgeschichte.

9 Özil schießt Werder zum Pokalsieg

Das Werder-Team bejubelt den DFB-Pokal-Sieg 2009. Claudio Pizarro hält den Titel gen Himmel.
Dank eines Treffers von Mesut Özil im Finale gewann Werder 2009 den DFB-Pokal. Bild: Imago | MIS

Zehn Tage nach der bitteren Pleite in Istanbul klappte es für Werder doch noch mit einem Pokalsieg. Im Finale des DFB-Pokals trafen die Bremer im Berliner Olympiastadion auf Bayer Leverkusen und gewannen mit 1:0. Mesut Özil traf nach feiner Vorlage von Diego in der 58. Minute für Werder zum Sieg. Für die Bremer war es der bereits sechste Erfolg im DFB-Pokal. Gleich fünfmal war Schaaf als Spieler oder Coach dabei. Zugleich ist der DFB-Pokal-Sieg von 2009 der bisher letzte Titel in der Bremer Klubgeschichte.

10 4:4 - Spektakel gegen Valencia, aber trotzdem das Aus

Im Achtelfinale der Europa League holte Werder im März 2010 beim FC Valencia ein 1:1. Eine gute Ausgangslage eigentlich, doch im Rückspiel sollte es nicht reichen. Bereits nach 15 Minuten lag die Schaaf-Elf im Weser-Stadion nach Treffern von David Villa und Juan Mata mit 0:2 zurück. Hugo Almeida verkürzte in der 26. Minute nach einer Vorlage von Pizarro auf 1:2. Villa stellte aber noch vor der Halbzeit den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her (45.).

Tim Wiese steigt über die Bande, Markus Rosenberg folgt ihm. Beide schauen bedröppelt. Im Hintergrund scheint das Flutlicht des Weser-Stadions.
Das 4:4 gegen Valencia war große Unterhaltung für die Zuschauer. Markus Rosenberg und Tim Wiese hatten nach dem Spiel aber am Ausscheiden zu knabbern. Bild: Imago | Sven Simon

Anschließend lieferten beide Teams den Fans ein Fußball-Spektakel. Durch einen Elfmeter von Torsten Frings (57.) und einen Treffer von Marko Marin (62.) glich Werder zum 3:3 aus, ehe Villa in der 66. Minute zum dritten Mal zuschlug. Pizarro glich in der 84. Minute noch per Kopf zum 4:4 aus, für das Weiterkommen reichte es jedoch nicht mehr. Aufgrund der Auswärtstorregel schieden die Bremer aus dem Wettbewerb aus.

11 Retter Rosenberg und Pizarro trotzen der Hitze von Genua

In der Qualifikationsrunde zur Champions League traf Werder im August 2010 auf Sampdoria Genua und gewann das Hinspiel im Weser-Stadion souverän mit 3:1. Die Italiener gaben sich danach aber noch lange nicht geschlagen und drückten im Rückspiel bei heißen Temperaturen in Ligurien ab der ersten Sekunde aufs Tempo.

Bargfrede, Rosenberg, Pizarro und Fritz bejubeln Werders Erfolg in Genua.
In der Qualifikation zur Champions League setzten sich die Bremer um Philipp Bargfrede, Markus Rosenberg, Claudio Pizarro und Clemens Fritz 2010 knapp gegen Sampdoria Genua durch. Bild: Imago | Gribaudi/ImagePhoto

Durch zwei Treffer von Giampaolo Pazzini führten die Genuesen bereits nach 14 Minuten mit 2:0. Das hätte ihnen bereits zum Weiterkommen gereicht. Antonio Cassano erhöhte in der 85. Minute auf 3:0, doch Joker Markus Rosenberg rettete Werder in der Nachspielzeit mit einem Schuss aus 20 Metern in die Verlängerung (90.+3). In dieser knallte erst Marin den Ball aus der Distanz ans Lattenkreuz (93.), dann traf Pizarro in der 100. Minute – und führte die Bremer zum bisher letzten Mal in die Champions League.

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Mai 2021, 23:30 Uhr