Diese 5 Baustellen muss Werder-Retter Schaaf in den Griff bekommen

Mit neuem Coach und alten Sorgen bereiten sich die Bremer auf ihr Abstiegs-Finale vor. Trotz geringer Vorbereitungszeit gibt es viel zu tun für Werder-Retter Thomas Schaaf.

Werder-Coach Thomas Schaaf nutzt einen Flipchart.
Werder bereitet sich im niedersächsischen Barsinghausen auf den letzten Bundesliga-Spieltag vor. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Rettung, Relegation oder Abstieg? Für Werder hält das Saisonfinale gegen Gladbach (Samstag, 15:30 Uhr) ein Spannungs-Szenario parat, auf das Verein, Mannschaft und Fans wohl gerne verzichtet hätten. Um den zweiten Abstieg der Klubgeschichte noch zu verhindern, haben die Bremer auf dem Trainer-Posten die Notbremse gezogen: Florian Kohfeldt ist von Bord, neu am Ruder steht Werder-Legende Thomas Schaaf, der die Bremer Kogge weiter im Erstliga-Gewässer halten soll. Doch die Vorbereitungszeit ist kurz und die Herausforderungen zahlreich. Wir blicken auf fünf Baustellen, die Schaaf kurzfristig in den Griff bekommen muss.

1 Das Sieger-Gen fehlt

Seit zehn Spielen wartet Werder auf einen Sieg. Schlimmer noch: Acht der Partien gingen verloren, einzig beim 0:0 gegen Leverkusen gelang ein Punktgewinn. Der letzte Dreier liegt hingegen schon drei Monate zurück: Damals gewannen die Bremer überraschend mit 2:1 gegen Eintracht Frankfurt. Dass gegen Gladbach die Negativ-Serie ein Ende findet, erscheint unwahrscheinlich. Sie sollte es aber: Im Worst Case könnte selbst ein Unentschieden gegen die "Fohlenelf" den direkten Abstieg bedeuten. Wichtig also, dass Rettungs-Trainer Schaaf den Spielern wieder das Sieger-Gen einpflanzt. Womit sich der 60-Jährige ja recht gut auskennt: Wenn ein Grün-Weißer weiß, wie man Erfolge erringt, dann er.

2 Neues Selbstvertrauen muss her

Werder-Trainer Thomas Schaaf gibt seinen Spielern Instruktionen.
Hat alle Hände voll zu tun: Werder-Interimstrrainer Thomas Schaaf. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Angesichts der Negativ-Spirale, in der sich Werder befindet, fehlt den Spielern logischerweise das Selbstvertrauen. Hinzu kommt, dass Spieler wie Felix Agu oder Romano Schmid, die noch vor nicht allzu ferner Zeit für Aufsehen gesorgt hatten, zuletzt außen vor waren. Ein Trainerwechsel kann jedoch der Impuls sein, der schon abgeschriebenen Akteuren neues Leben in die Beine bringt. Klar, Schaaf kennt die Spieler, weshalb keiner wieder bei Null anfängt. Aber: Wer sich im Training reinwirft und hervortut, hinterlässt bei Schaaf vermutlich mehr Eindruck, als es unter Kohfeldt der Fall gewesen wäre. Wovon wiederum das Team profitiert.

3 Die Standard-Anfälligkeit

Schon letzte Saison waren die vielen Gegentore nach Standardsituationen ein Hauptgrund für das Horrorjahr der Bremer. In der aktuellen Saison schien es jedoch lange, als hätte Werder das passende Gegenmittel gefunden. Inzwischen aber sind die Grün-Weißen wieder in schöner Regelmäßigkeit anfällig bei ruhenden Bällen. So auch zuletzt beim 0:2 in Augsburg, als Werder im Anschluss an eine Ecke in Rückstand geriet. Auch weil die Gladbacher zu den offensivstärksten Standarteams der Liga zählen, muss Schaaf dringend einen Weg finden, den Kasten bei ruhenden Bällen sauber zu halten.

4 Das Kreativ-Problem

Werder-Stürmer Joshua Sargent schießt im Training aufs Tor.
Wartet schon seit längerem auf einen Treffer: Werder-Stürmer Joshua Sargent. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kaum eine Mannschaft ist so schlecht im Herausspielen eigener Torchancen wie Werder. Unter Kohfeldt galt in den vergangenen Partien daher oft das Prinzip "Kick and Rush": Langer Ball aus der eigenen Hälfte so weit es geht nach vorne auf Davie Selke, der verlängert mit dem Kopf und einer seiner Sturmkollegen startet durch. Zum Torabschluss führte die Taktik aus dem Fußball-Mittelater aber nur selten. Dabei verfügen die Bremer mit Schmid, Leonardo Bittencourt und Milot Rashica sowie Yuya Osako über mehrere Akteure, die als Kreativspieler gelten. Auf dem Platz stand aber in den vergangenen Wochen meist nur einer von ihnen. Gut möglich, dass sich daran unter Schaaf, der in seiner Zeit als Werder-Coach für attraktiven Offensiv-Fußball stand, etwas ändert.

5 Die Abschlüsse sitzen nicht

Werder fehlt ein klassischer Knipser. Einer, der vor allem dazu da ist, die Bälle über die Linie zu drücken. Bei den Grün-Weißen verteilen sich daher die erzielten Tore auf viele Schultern. Kein Wunder, dass mit Kevin Möhwald ein Mittelfeldmann die meisten Treffer erzielt hat. Denn mit fünf Torerfolgen ist er genauso erfolgreich wie die zuletzt glücklosen Niclas Füllkrug und Joshua Sargent. Gerade der US-Amerikaner braucht zu viele Möglichkeiten, um zum Erfolg zu kommen. Sargent erspielt sich zwar Chancen, aber vor dem Tor trifft er zu oft die falsche Entscheidung oder agiert glücklos. Ähnlich wie Selke. Für Füllkrug gilt das wiederum nicht – allerdings nur, weil er kaum noch zum Abschluss kommt. Dass Schaaf im ersten Training die Sturmabteilung aus geringer Entfernung den Werder-Keepern die Bälle um die Ohren feuern ließ, ergibt also durchaus Sinn. Denn: Jeder Torerfolg soll helfen. Selbst im Training. Selbst aus kurzer Distanz.

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Video vom 17. Mai 2021
Thomas Schaaf gibt Kommandos im Training.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. Mai 2021, 18:06 Uhr