Teamcheck: Werder geht als Außenseiter in das Rennen um den Aufstieg

Das Werder-Team pusht sich vor einem Spiel.
Werder mischt im Kampf um den Aufstieg wieder mit. Der Rückstand auf den 3. Platz beträgt nur noch einen Punkt. Bild: Imago | Team 2

Mit dem neuen Coach Ole Werner ist die Euphorie nach Bremen zurückgekehrt. Dies allein wird für Werders direkte Rückkehr in die Bundesliga aber nicht reichen.

So lief die Hinrunde:

Bei Werder hat Markus Anfangs Impfpass-Affäre alles in den Schatten gestellt. Mittlerweile hat der Ex-Coach der Bremer gestanden, einen gefälschten Impfpass genutzt zu haben.

Als Anfang im Sommer nach Bremen kam, übernahm er beim Absteiger eine komplizierte Aufgabe. Rund 30 Millionen Euro mussten durch Abgänge eingenommen werden, ein kompletter Kaderumbau stand an. Lange wusste der Coach nicht, mit welchen Spielern er planen kann. In den ersten Partien standen noch Joshua Sargent, Yuya Osako und Maximilian Eggestein in der Startelf, die wenig später verkauft wurden.

Die Werder-Stürmer Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch bejubeln Arm in Arm ausgelassen den Treffer.
Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch stürmen mittlerweile gemeinsam. Seitdem läuft es bei Werder deutlich besser. Bild: Imago | Nordphoto

Lange fehlte den Bremern in der Hinrunde Konstanz. Hansa Rostock, den FC Ingolstadt 04 und den 1. FC Heidenheim schlug Werder souverän mit 3:0. Gegen den SC Paderborn 07 (1:4), Dynamo Dresden (0:3) und Darmstadt 98 (0:3) setzte es hingegen bittere Niederlagen. Werder schien sich vom Aufstiegsrennen schon zu verabschieden, ehe Anfang Anpassungen vornahm. Fortan spielte das Team mit einer Dreierkette und im Sturm durften Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug gemeinsam auflaufen. Durch Anfangs Ende brach in Bremen aber das Chaos aus. Mit ihm, Danijel Zenkovic, Christian Brand und Ole Werner hatten in vier Spielen vier unterschiedliche Trainer das Sagen. Mit dem neuen Coach Werner kehrte aber auch die Euphorie zurück. Seine ersten drei Spiele mit Werder hat dieser allesamt gewonnen. Der Rückstand auf Rang drei beträgt nun nur noch einen Punkt.

Wer kommt, wer geht:

Bis jetzt hat sich bei den Bremern im Winter nichts getan. Sportchef Frank Baumann schließt nicht aus, dass sich dies noch ändert, geht derzeit allerdings nicht davon aus. Helfen würde Werder noch ein Neuzugang für das defensive Mittelfeld. Hier scheiterte im Sommer die Verpflichtung von Fredrik Aursnes. Der norwegische Nationalspieler nahm lieber das Angebot von Feyenoord Rotterdam an. Durch die Rückkehr der Geisterspiele ist der finanzielle Spielraum begrenzt. Möglicherweise kann hier ein Leihgeschäft noch für Abhilfe sorgen.

Marco Friedl wollte sich Ende August wegstreiken, musste aber bleiben. Derzeit schaut es nicht danach aus, als würde er den Klub im Januar noch verlassen. Im Sommer tätigten die Bremer zwei Leihgeschäfte, die bisher nicht gezündet haben. Weder Rechtsverteidiger Mitchell Weiser (von Bayer Leverkusen) noch Roger Assalé (Dijon FCO) konnten die Erwartungen erfüllen.

Roger Assalé und Mitchell Weiser im Zweikampf im Training.
Zwei ohne Perspektive: Die Leihspieler Roger Assalé und Mitchell Weiser enttäuschen bisher bei Werder. Bild: Imago | Nordphoto

Weiser sitzt wie in Leverkusen auch an der Weser meist nur auf der Bank. Gleich zweimal musste er die Quarantäne antreten, weil er als Kontaktperson von an Corona erkrankten Spielern galt und dem Anschein nach nicht geimpft ist. Ende Dezember wurde er dann selbst positiv auf das Coronavirus getestet. Auch Assalé hilft bisher nicht weiter. In der neuen Formation ist seine Idealposition als Außenstürmer zudem nicht mehr vorhanden. Sowohl Weiser als auch Assalé werden aber wohl bis zum Saisonende bleiben.

Der Trainer:

Ole Werner gestikuliert im Training.
Ole Werner hat bei Werder einen perfekten Start hingelegt. Bild: Imago | Nordphoto

Mit Verpflichtung von Ole Werner Anfang Dezember ist die Stimmung gekippt. Lange trug Werder den Rucksack des Abstiegs mit sich herum, doch jetzt herrscht wieder eine positive Denkweise. Als klassischer Norddeutscher passt Werner an die Weser. Erste Vergleiche mit Thomas Schaaf wurden bereits angestellt. Dass die Bremer bei jedem neuen Trainer rasch von einer neuen Ära träumen, ist aber auch eine Gefahr. Das viel zu lange Festhalten an Florian Kohfeldt ist hierfür der beste Beweis.

Die Aufgabe bei Werder ist Werner clever angegangen. Er hat nicht alles auf den Kopf gestellt, sondern baut auf den unter Anfang einstudierten Spielstil auf und hat nur leichte Anpassungen vorgenommen. Werner ist zwar erst 33 Jahre alt, besitzt aber schon Erfahrungen im Kampf um den Aufstieg in der 2. Liga. Mit Holstein Kiel scheiterte er in der vergangenen Saison erst in der Relegation am 1. FC Köln.

Erwartungen an die Saison:

Anfang sprach bei Werder stets vom "Wiederaufbau", das Wort "Wiederaufstieg" vermied er bewusst. Dennoch gehören die Bremer dank ihres großen Namens natürlich zu den Aufstiegskandidaten. Das Taumeln zu Saisonbeginn hat die Fans frustriert, mittlerweile mischt Werder aber wieder im Rennen mit. Werners toller Start hat für neue Begeisterung gesorgt, doch die drei Siege zum Jahresende sollten den Blick auf die Realität nicht trüben. Im Kampf um den Aufstieg sind die Bremer aktuell eher ein Außenseiter.

Ömer Toprak jubelt mit gehobenen Armen.
Ömer Toprak sorgt für Stabilität in der Defensive. Allerdings ist der Abwehrchef häufig verletzt. Bild: Imago | Joachim Sielski

Mit den Partien gegen Erzgebirge Aue, Jahn Regensburg und Hannover 96 hat Werner ein machbares Auftaktprogramm erwischt. Diese Leistungen müssen die Bremer in den Duellen mit den Topteams FC St. Pauli, Darmstadt 98, Hamburger SV und Schalke 04 erst bestätigen. Ein Problem, ist, dass Werder eine zuverlässige Achse auf dem Platz fehlt. Torwart Jiri Pavlenka hat mittlerweile seinen Stammplatz zurückerobert, ist aber noch weit von der Form seiner besten Tage entfernt. Abwehrchef Ömer Toprak und die Stürmer Füllkrug und Ducksch hieven das Team auf ein höheres Niveau, doch Toprak und Füllkrug fielen in der Vergangenheit eben auch häufig verletzt aus. Passiert dies in der Rückrunde erneut, könnte Werder dies wohl nicht kompensieren. Im Mittelfeld mangelt es seit Jahren an einem Stabilisator, der auch Qualitäten im Spielaufbau besitzt.

Auch unter Werner wird es an der Weser in den kommenden Wochen und Monaten Rückschläge geben. Verkraftet Werder diese gut, könnte die direkte Rückkehr in die Bundesliga klappen. Mit St. Pauli und Darmstadt liegen derzeit allerdings zwei Teams vorne, auf denen ein geringerer Druck lastet als auf den Bremern. Auch der HSV, Schalke, Nürnberg und Heidenheim sind harte Konkurrenten um die begehrten Plätze.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 15. Januar 2022, 18:30 Uhr