Werder und Davie Selke – ein riesengroßes und teures Missverständnis

Der Stürmer kommt bei den Bremern einfach nicht in Tritt. Nach der Saison könnte er Carlos Alberto als größten Transferflop der Vereinsgeschichte ablösen.

Florian Kohfeldt trägt einen Mund-Nasen-Schutz und spricht nach dem Leipzig-Spiel auf dem Rase mit Davie Selke, der in Richtung Boden blickt.
Davie Selke konnte gegen RB Leipzig einmal mehr nicht auf sich aufmerksam machen. Im Falle des Klassenerhalts müssen die Bremer den Ersatzspieler fest verpflichten. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Nach dem 1:4 gegen RB Leipzig versuchte Davie Selke die positiven Dinge hervorzuheben. Der Mannschaft müsse er für die zweite Halbzeit "ein Kompliment aussprechen", sagte der Werder-Stürmer am ARD-Mikrofon. "Nach einem 0:3 nochmal so rauszukommen, ist nicht selbstverständlich." Zuvor sei in der ersten Halbzeit allerdings Werders Plan "nicht so aufgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben".

Davie Selke läuft Marcel Halstenberg an, der in diesem Moment einen Pass spielt.
Gegen Leipzig stand Davie Selke erstmals seit Ende Januar wieder in der Bremer Startelf. Für weitere Einsätze empfahl er sich nicht. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Ganz und gar nicht aufgegangen ist in den vergangenen 13 Monaten auch der Bremer Plan mit Davie Selke. Der Transfer des Stürmers ist bisher ein riesengroßes Missverständnis. Und äußerst teuer könnte es darüber hinaus auch werden. Schafft Werder den Klassenerhalt, muss der Klub im Sommer kolportierte zwölf Millionen Euro an Hertha BSC für den bisher ausgeliehenen Selke zahlen. Geld, das die Bremer nicht haben. Deshalb werden sie nach der Saison Stammspieler verkaufen müssen, um die Kohle für Ersatzspieler Selke auf den Tisch legen zu können.

Selke ließ Kampl vor dem 0:1 zu leicht ziehen

Erstmals seit dem 4:1-Sieg bei Hertha BSC Ende Januar stand Selke am Samstag wieder in der Bremer Startelf. Vor allem, weil Niclas Füllkrug aktuell aufgrund eines Zehenbruchs ausfällt.

Überzeugen konnte Selke dabei abermals nicht. Vor dem 0:1 lief der 26-Jährige Leipzigs Kevin Kampl nicht energisch genug an. Mit einem lockeren Antritt ließ Kampl Selke einfach stehen und initiierte den Angriff, der die Bremer Niederlage einleitete. Für eigene Torgefahr konnte er hingegen nicht sorgen. "Davie ist ein Spielertyp, der Tore schießen muss, damit er positiv bewertet wird", sagte Florian Kohfeldt zuletzt nach dem 0:1 in Stuttgart. Doch dies gelingt Selke nicht. Mit nur drei Saisontreffern bleibt er hinter den Erwartungen zurück.

Auf seine Worte ließ er keine Taten folgen

Dabei hatte Selke sich vor der Saison viel vorgenommen. "Ich will es allen zeigen – den Medien, den Bremern, Florian Kohfeldt, Frank Baumann und natürlich mir selbst", sagte Selke im August im Interview mit dem Portal "Deichstube".

Carlos Alberto sitzt bei einem Auswärtsspiel im Jahr 2007 auf der Bremer Ersatzbank.
Carlos Alberto gilt bisher als größter Fehleinkauf der Vereinsgeschichte. Bild: Imago | Ulmer

Taten konnte er seinen Worten nicht folgen lassen. Vielmehr ist er dabei, Carlos Alberto als größten Fehleinkauf der Bremer Vereinsgeschichte ablösen. Eskapaden wie einst der Brasilianer, der für rund acht Millionen kam und sich an der Weser in Rekordzeit den Spitznamen "Chaos Alberto" erarbeitet hatte, leistet Selke sich dabei keineswegs. Die Professionalität kann ihm nicht abgesprochen werden. Zu krass ist allerdings das Missverhältnis zwischen seinen sportlichen Darbietungen und der Ablösesumme, die die in Corona-Zeiten gebeutelten Bremer im Falle des Verbleibs in der Bundesliga für ihn aufbringen müssten.

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 11. April 2021, 19:30 Uhr