Interview

Radio-Legende Koch: "Bremen ist Favorit, aber der Club ist nicht ohne"

Mehrerer Spieler von Werder und Nürnberg kämpfen um den Ball.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Als "Stimme Frankens" brachte es Günther Koch zu großer Bekanntheit. Vor dem Duell mit Werder spricht der Nürnberg-Experte über Stärken, Schwächen und Chancen seiner "Clubberer".

Im Sportjournalismus ist Günther Koch eine Legende. Der 81-Jährige war für fast vier Jahrzehnte als Hörfunk-Reporter im Einsatz und kommentierte vor allem Spiele des 1. FC Nürnberg. Als "Stimme Frankens" brachte er es so zu bundesweiter Bekanntheit. Legendär ist sein Live-Aufsager nach dem Abstieg des "Club" im Jahr 1999: "Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund." Vor dem Aufeinandertreffen zwischen seinem Herzensverein und Werder (Sonntag, 13:30 Uhr) haben wir mit Koch über Stärken und Schwächen, aber auch die Chancen seiner Nürnberger gesprochen.

Herr Koch, Nürnberg zählte vor der Saison nicht zu den Aufstiegskandidaten. Jetzt ist das Team oben mit dabei. Wie überrascht sind Sie?
Gar nicht, denn in der Mannschaft steckt viel Potenzial. Zwar stapeln alle ein bisschen tief, aber wir haben ein paar junge Leute, die können verdammt gut Fußball spielen, wie der Lukas Schleimer zum Beispiel. Zudem haben wir mit Robert Klauß einen guten Trainer, ein fleißiger und sehr tüchtiger junger Mann. Und zu sagen: "Wir sind letzte Saison beinahe abgestiegen, nun machen wir langsam", war die taktisch und psychologisch richtige Herangehensweise.
Ex-Sportjournalist und Nürnberg-Experte Günther Koch lächelt in die Kamera.
Sein Herz schlägt für den "Club": Hörfunk-Reporter Günther Koch. Bild: Imago | Zink
Was sind die Stärken der Mannschaft? 
Die Geschlossenheit, die Unberechenbarkeit und das Tempospiel. Wir haben viele junge Leute drin, die spielen einen einfallsreichen Pressingfußball und schalten schnell um. Außerdem weißt du gar nicht, wer bei uns das Tor schießt. Es trifft immer mal ein anderer, weil wir keinen richtigen Goalgetter haben. Wenn du das mit Füllkrug und Ducksch von Werder vergleichst, kann das eine Schwäche sein. Aber vielleicht ist gerade die Unberechenbarkeit auch eine Stärke.
Wie groß sind die Chancen, dass Nürnberg aus Bremen etwas Zählbares mitnimmt?
Bremen ist Favorit, aber der Club ist nicht ohne. Ich würde mich wundern, wenn das für Werder ein "Easy Going" wird. Für den Club ist zumindest ein Unentschieden drin – auch wenn uns das eigentlich gar nichts nützt. Dagegen spricht, dass Asger Sörensen (gelbgesperrter Innenverteidiger, Anm. d. Red.) fehlt, das ist schon sehr blöd. Bei hohen, schrägen Flanken kriege ich daher ein bisschen Bauchschmerzen.

Vielleicht ist gerade die Unberechenbarkeit auch eine Stärke.

Hörfunk-Reporter Günther Koch
Und was glauben Sie: Wer steigt in die Bundesliga auf?
Direkt aufsteigen wird Bremen. Beim zweiten Aufsteiger bin ich mir nicht so sicher, verweise aber auf den Hamburger SV – denn der HSV hat überhaupt keine sogenannten schwierigen Gegner mehr. In die Relegation kommt aber der Club, der am letzten Spieltag Schalke schlägt.

(Das Interview führte Mathias Arians. Aufgezeichnet von Helge Hommers.)

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Bild: Imago | Zink

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Autor

  • Mathias Arians Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, das Wochenende, 16. April 2022, 14:38 Uhr