So lief es für Werders neuen Coach Markus Anfang bei seinen Ex-Klubs

Markus Anfang trägt im Stadion eine rote Jacke.
Markus Anfang hat in der 2. Liga bereits Holstein Kiel, den 1. FC Köln und Darmstadt 98 trainiert. Bild: Imago | Sven Simon

Attraktiver Fußball, aber sehr fordernd im Umgang mit den Verantwortlichen und zu verkrampft in seiner Heimat. So haben Experten Anfang in Kiel, Köln und Darmstadt erlebt.

Werder hat einen neuen Cheftrainer gefunden und will mit Markus Anfang den Wiederaufstieg in die Bundesliga schaffen. Die Bremer setzen dabei auf Erfahrung, denn Anfang kennt die 2. Liga bereits richtig gut. Mit Holstein Kiel, dem 1. FC Köln und zuletzt dem SV Darmstadt hat der 46-Jährige Coach bisher mit all seinen Ex-Klubs in dieser Liga gespielt. Wir blicken daher darauf, wie es für Anfang bei seinen bisherigen Stationen gelaufen ist und haben mit Reportern gesprochen, die ihn in den vergangenen Jahren begleitet haben.

1 Holstein Kiel – "attraktiver Fußball, aber fordernd für die Verantwortlichen"

Den Trainerjob bei den damals in der 3. Liga spielenden Kielern übernahm Anfang am 29. August 2016. Am Ende der Saison stieg er mit dem Klub souverän auf und sorgte anschließend auch in der 2. Liga für Furore. Dort landete der Aufsteiger am Ende der Saison völlig überraschend auf dem 3. Platz und scheiterte erst in der Relegation am VfL Wolfsburg. "Markus Anfang hat in Kiel sehr attraktiven Fußball spielen lassen", sagt "Kicker"-Redakteur Sebastian Wolff im Gespräch mit buten un binnen. Die Kieler stellten damals mit 71 Treffern die torgefährlichste Offensive der 2. Liga und mit Marvin Ducksch auch den Torschützenkönig.

Markus Anfang trägt einen Trainingsanzug von Holstein Kiel und applaudiert in Richtung Tribüne.
Mit Holstein Kiel wäre Markus Anfang vor drei Jahren beinahe in die Bundesliga aufgestiegen. Bild: Imago | Jan Huebner

Zugleich lobt Wolff, dass Anfang an der Förde auch ältere Spieler noch weiterentwickelt habe. Als Paradebeispiel hierfür nennt er Dominic Peitz. Der Sechser habe auch als Mittdreißiger seinerzeit unter Anfang noch einen echten Sprung gemacht. Zudem sei Anfang bei den Spielern sehr beliebt gewesen. Gegenüber den Verantwortlichen in Klub soll er allerdings sehr fordernd aufgetreten sein. Nach der Saison 2017/18 zog Anfang zum 1. FC Köln weiter.

2 1. FC Köln – "zu verkrampft" in seiner Geburtsstadt

Sportlich war Anfang auch in Köln erfolgreich, dennoch musste er nach dem 31. Spieltag gehen. Und dies, obwohl sein Team als Tabellenführer drei Spieltage vor dem Saisonende sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatte und die Kölner mit 76 Treffern zu diesem Zeitpunkt unter Anfang die beste Offensive der Liga stellten. Mit Simon Terrode kam erneut auch der Torschützenkönig aus einem Anfang-Team. Doch so wirklich hat es für diesen in seiner Geburtsstadt am Ende einfach nicht gepasst.

Markus Anfang trägt den Dress des 1.FC Köln und breitet mit fragendem Gesichtsausdruck die Arme aus.
Trotz Tabellenführung musste Markus Anfang als Cheftrainer beim 1. FC Köln nach dem 31. Spieltag gehen. Bild: Imago | Revierfoto

"Es war die idealste Vorstellung, die man haben konnte", blickt "Kicker"-Redakteur Frank Lußem zurück, "ein Kölner kommt nach Köln, um den Aufstieg zu schaffen." Doch am Rhein soll Anfang schlichtweg die Lockerheit gefehlt haben. Auch deshalb trennte der Klub sich trotz der guten Ausgangslage im Aufstiegsrennen kurz vor Schluss von ihm. "Es war eine Grundsatzentscheidung, weil Armin Veh (damals Sportchef beim 1. FC Köln, Anm. d. Red.) ihm nicht mehr zugetraut hat, diese Mannschaft zu führen. In einem ohnehin schwierigen Umfeld wirkte Markus Anfang zu verkrampft", sagt Lußem. Zugleich sei es für Anfang in Köln nicht einfach gewesen, weil er mit Rafael Czichos und Dominick Drexler aus Kiel zwei Spieler mitgebracht hatte, die rasch als Lieblinge des Trainers galten.

3 Darmstadt 98 – toller Lauf nach "Startschwierigkeiten"

Die Darmstädter übernahm Anfang vor der vergangenen Saison und landete mit dem Klub am Ende auf dem 7. Platz. Allerdings geriet sein Team zwischenzeitlich in der Hinrunde auch in die Abstiegsregion. Nach dem elften Spieltag lagen die Darmstädter nur auf Rang 14. "Markus Anfang hat eine klare Idee von Fußball und einen genauen Plan. Das hat in Darmstadt auch den Spielern gefallen, aber es gab einige Startschwierigkeiten", berichtet Sportreporter Nicolas Herold vom Hessischen Rundfunk. "Als die Darmstädter den Abstiegsrängen sehr nahe kamen, musste er ein wenig zurückschrauben. Dann kamen auch die Ergebnisse dazu. Zum Abschluss der Saison stimmten dann die Spielweise und die Ergebnisse."

Markus Anfang gestikuliert als Coach von Darmstadt 98 an der Trainerbank.
Nach Problemen zu Beginn der Saison landete Markus Anfang mit Darmstadt 98 am Ende auf dem 7. Tabellenplatz. Bild: Imago | Jan Huebner

Herold hebt bei Anfangs Arbeit die Entwicklung von Stürmer Serdar Dursun hervor, den er "extrem verbessert" habe. Dursun sorgte für 27 Treffer, wieder einmal holte einer von Anfangs Spielern die Torjägerkanone. Mit 63 Toren erzielte sein Team am Ende der Saison zudem die viertmeisten der Liga. Aus Hessen kommt Anfang jetzt zu Werder. "Ihm war bewusst, dass die Möglichkeiten in Darmstadt begrenzt sind. In Bremen erhält er jetzt einen anderen Spielraum", sagt Herold zum Wechsel an die Weser.

Anfang soll Werder als neuer Coach zurück in die Bundesliga führen

Video vom 1. Juni 2021
Markus Anfang läuft als Trainer von Darmstadt über den Platz.
Bild: Imago | Jan Huebner
Bild: Imago | Jan Huebner

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 1. Juni 2021, 18:06 Uhr