Geldstrafe, Berufsverbot, Vorstrafe: Was droht Ex-Werder-Coach Anfang?

Ex-Werder-Trainer Markus Anfang gibt einem TV-Sender ein Interview.
Im Dezember legte Markus Anfang bei der Bremer Staatsanwaltschaft schriftlich ein Geständnis ab. Bild: Imago | Comsport

Das Impfpass-Verfahren der Bremer Staatsanwaltschaft gegen Markus Anfang befindet sich auf der Zielgeraden. Wir erklären, was nun auf den Ex-Werder-Trainer zukommt.

Das Verfahren im Impfpass-Skandal um Ex-Werder-Trainer Markus Anfang nähert sich dem Ende. Obwohl die Ermittlungen der Bremer Staatsanwaltschaft noch andauern, sei schon "zeitnah" mit einem Abschluss des Falles zu rechnen, wie Sprecher Frank Passade auf Nachfrage von buten un binnen bestätigte. Wir erklären, was zuletzt in dem Verfahren geschehen ist, wie die Staatsanwaltschaft weiter vorgeht und was auf Anfang zukommen könnte.

Anfang legte im Dezember ein Geständnis ab

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Anfang der Staatsanwaltschaft über seinen Anwalt bereits im Dezember ein Geständnis übermittelt hatte. Schriftlich gab der 47-Jährige zu, dass sein Impfausweis gefälscht gewesen sei. Anfang räumte somit den gegen ihn erhobenen Tatvorwurf des "Verwendens eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses" ein. Für ein solches Vergehen sieht das Strafgesetzbuch eine Geld- oder Freiheitsstrafe in Höhe von bis zu einem Jahr vor. Anfang machte zudem auch Angaben zur Herkunft des Ausweises. Ob er das Dokument selbst fälschte oder es fälschen ließ, ist jedoch nicht bekannt.

Wie buten un binnen am Donnerstag meldete, wird allerdings noch wegen einer weiteren, ungleich schwereren Straftat gegen Anfang ermittelt. Denn der zweite Vorwurf bezieht sich auf das "Verwenden einer gefälschten Urkunde". Hintergrund ist, dass sich der 47-Jährige im November mithilfe seines gefälschten Impfpasses bei einer Karnevalsfeier in Köln Zutritt verschafft haben soll. Für diese Straftat ist laut Strafgesetzbuch eine Geld- oder Freiheitsstrafe in Höhe von bis zu fünf Jahren vorgesehen. Auch in diesem Fall ist die Bremer Staatsanwaltschaft zuständig, da sie bereits mit dem Hauptvorwurf betraut war.

Zwei Taten, eine Gesamtentscheidung

Werders ehemaliger Trainer Markus Anfang steht, die Hände in den Jackentaschen, auf einem Fußballplatz.
Markus Anfang war von Juni bis November 2021 als Werder-Trainer im Einsatz. Bild: Imago | Zink

Beide Straftaten werden von der Staatsanwaltschaft innerhalb eines Verfahrens behandelt. Das bedeutet, dass es trotz zweier Vorwürfe nur ein Urteil geben wird. Aktuell wägt die Staatsanwaltschaft noch ab, mit welchen "Sanktionen" sie Anfang "begegnen" wolle, wie Sprecher Passade sagt. Bei Fällen, in denen sich der Beschuldigte geständig zeigt, ist es üblich, dass ein Strafbefehl gestellt wird. Ein Vorgehen, das laut Passade mit "hoher Wahrscheinlichkeit" auch bei Anfang angewendet wird.

Demnach könnte das Verfahren anstatt mit einer Gerichtsverhandlung auf schriftlichem Wege beendet werden. Sollte die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden richterlichen Strafbefehl stellen, legt sie in dem Dokument eine Geldstrafe fest, die Anfang in Form von Tagessätzen zahlen müsste. Die Höhe der Gesamtstrafe misst sich laut Passade an den "wirtschaftlichen Möglichkeiten", über die der Beschuldigte verfügt. Für gewöhnlich gilt: Ein Tagessatz beträgt rund 3,33 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens.

Anzahl der Tagessätze entscheidet über Vorbestrafung

Relevant ist aber auch die Anzahl der Tagessätze, die die Staatsanwaltschaft vorschlägt. Denn: Je größer die Schuld eingeschätzt wird, desto mehr Tagessätze werden verhängt. Und an deren Anzahl bemisst sich, ob der Angeklagte vorbestraft wird: Sollte die Staatsanwaltschaft mehr als 90 Tagessätze veranschlagen, gilt der Beschuldigte künftig als vorbestraft. Im Falle von Anfang könnte sich immerhin strafmildernd auswirken, dass er Angaben zur Herkunft des gefälschten Ausweises gemacht hat.

Doch selbst wenn das Verfahren der Bremer Staatsanwaltschaft schon bald zu einem Ende kommt, drohen Anfang weitere juristische Konsequenzen. Schließlich läuft gegen den 47-Jährigen beim Deutschen Fußball-Bund ein weiteres Verfahren. Demnach könnte Anfang mit der Fälschung seines Impfausweises auch gegen die Hygienevorschriften der Deutschen Fußball Liga verstoßen haben. Neben einer weiteren Geldstrafe droht Anfang infolge dieses Verfahrens auch ein temporäres Funktionsverbot. Für einen Fußball-Trainer eine nicht unerhebliche Einschränkung.

Impfpass-Skandal: Ex-Werder-Trainer Anfang legt Geständnis ab

Bild: Imago | Jan Huebner

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. Januar 2021, 18:06 Uhr