Interview

Markus Anfang: "Es geht um Werder, nicht um persönliche Schicksale"

Werder-Trainer Anfang: Sein erstes Liveinterview im Sportblitz

Video vom 20. Juli 2021
Werder-Trainer Markus Anfang bei seinem ersten Sportblitz-Liveinterview
Werder-Trainer Markus Anfang bei seinem ersten Sportblitz-Liveinterview Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Am Samstag beginnt für die Bremer die neue Saison. Werder-Coach Markus Anfang spricht im Sportblitz über Bundesliga-Ambitionen, hohe Erwartungen und wechselwillige Spieler.

Herr Anfang, Sie wollen in die Bundesliga – haben Sie sich dafür mit Werder Bremen den richtigen Verein ausgesucht?
Ja, ich hoffe schon (lacht). Ich glaube, dass wir gute Voraussetzungen haben. Auch wenn wir jetzt erst einmal den Wiederaufbau betreiben müssen, bevor wir dann über den Wiederaufstieg sprechen. Ich glaube aber schon, dass wenn man 41 Jahre in der Bundesliga vertreten war, man auch wieder dahin zurück möchte.
Wie lange können Sie persönlich denn noch warten? Mit Köln und Kiel hat es ja nur knapp nicht gereicht.
Natürlich hat man den Drang, erfolgreich zu sein und so schnell wie möglich in die Bundesliga zu kommen. Aber es muss halt auch ein guter Rahmen sein. Wir müssen eine Basis legen. Es bringt jetzt nichts, auf schnell, schnell zu machen.
Was sagen Sie zur These, dass Werder den direkten Wiederaufstieg nicht schaffen wird?
Das ist möglich, weil die Liga sehr schwierig ist in diesem Jahr – das kann also passieren. Wenn wir dann aber den Wiederaufbau geschafft und eine gute Basis gelegt haben, um im darauf folgenden Jahr den Aufstieg anzupeilen, dann sind wir gut unterwegs.
Arbeiten Sie also eher an einem Zwei-Jahres-Plan?
Nein, dem kurzfristigen Erfolg verschließen wir uns auf keinen Fall. Wir können aber nicht sagen, dass wir direkt aufsteigen müssen, ohne zu wissen, mit welchem Personal wir das machen. Es muss ein gesunder Aufbau sein.
Sportchef Frank Baumann hat direkt nach dem Abstieg gesagt, dass Werder sich so aufstellen muss, dass der Klub in der Lage ist, direkt wieder aufzusteigen. Weckt das nicht sehr große Erwartungen an diese Saison?
Nein, ich glaube auch, dass das vollkommen legitim ist, so etwas im Vorfeld zu sagen. Dass man versucht, so schnell wie möglich eine Mannschaft aufzubauen, mit der man dann auch um den Aufstieg spielen kann. Aber dafür brauchen wir eben die Basis. Ich glaube aber, dass sich der Markt aktuell nicht viel bewegt. Und wir sind davon abhängig, was wir am Ende des Tages auf dem Markt machen können, wie wir Spieler verkaufen und neue dazu holen können.
Werder-Trainer Markus Anfang steht brüllend auf dem Trainingsplatz.
Kann auch mal laut werden, wenn ihm etwas nicht passt: Werder-Trainer Markus Anfang. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Das führt uns direkt zur nächsten These: Spieler auf dem Absprung, sind keine Spieler für die Startelf.
Das sehe ich anders. Jeder Spieler, der bis dato geblieben ist, hängt sich in jedem Training rein. Und wir haben im Trainerteam die Pflicht, diejenigen aufzustellen, die aktuell die beste Leistung im Training gebracht haben und mit denen wir erfolgreich sein können. Das ist unsere Aufgabe. Da geht es um Werder Bremen, nicht um persönliche Schicksale.
Es sind aber Spieler dabei, die mutmaßlich den Verein verlassen werden, beispielsweise Josh Sargent oder Ludwig Augustinsson. Sind die nicht vielleicht mit dem Kopf schon bei einem anderen Klub?
Nein, das habe ich bei keinem der Spieler gefühlt. Alle sind zu 100 Prozent bei der Sache. Sie wissen ja auch, dass sie sich hier präsentieren können. Und das können sie am Ende nur mit guten Leistungen. Aber jeder hat seine eigene Karriere, und wir müssen das auch akzeptieren. Wenn ein Spieler für sich einen Karriereweg hat und lieber woanders in der ersten Liga spielen möchte, dann müssen wir das akzeptieren. Das ist etwas ganz normales.
Ein anderer Spieler ist Teil unserer dritten These: Johannes Eggestein hat bei Werder keine Zukunft. Warum gelingt es nicht, eines der größten Werder-Talente dauerhaft einzusetzen?
Auch das würde ich nicht so unterschreiben. Jeder Spieler hat die Möglichkeit, sich zu empfehlen. Es ist aber auch wichtig, dass wir ehrlich zu den Spielern sind. Denn am Ende geht es darum, dass ein Fußballer auf dem Platz stehen möchte, dass er Spielzeit bekommt. Unsere Aufgabe ist es auch, den Spielern ein Feedback zu geben, wie die Situation aussieht und einzuschätzen, wie viel Spielzeit er bekommen kann.  
Das Startprogramm für Werder ist nicht ganz ohne. Was wäre für Sie ein guter Saisonstart?
Wenn wir gute Spiele machen. Und wenn es dann noch dafür reicht, dass wir gute Ergebnisse erzielen, dann ist das umso besser. Aber Ergebnisse planen ist schwierig. Einen guten Fußball planen, geht schon.

(Das Gespräch führte Jan-Dirk Bruns. Aufgezeichnet von Robert Otto-Moog.)

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Autor

  • Jan-Dirk Bruns Redakteur und Moderator und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. Juli 2021, 18:06 Uhr