Chillen auf Malle? Deshalb trainiert Werder aktuell auf Sparflamme

Nach einer Hinrunde voller Verletzungen rückt Werder die Regeneration in den Vordergrund. Ein Sport-Professor kritisiert allerdings den Bremer Trainingsplan.

Werder-Trainer fahren auf dem Rad oder unterhalten sich auf dem Trainingsgelände von Real Mallorca
Während des Trainingslagers auf Mallorca wird bei Werder vor allem auf die Regeneration Wert gelegt. Am Mittwoch hatten die Spieler deshalb sogar komplett frei. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Während in Bremen die Regentropfen gegen die Fenster plätschern, bereitet sich Werder auf Mallorca für den Kampf um den Klassenerhalt in der Rückrunde vor. Aktuell fällt das Programm bei den Bremern allerdings spärlich aus. Am Montag bestritt Werder das Testspiel gegen den italienischen Drittligisten AC Monza (2:2), ehe am Dienstag die Regeneration auf dem Plan stand. Am Mittwoch haben die Spieler des Tabellensiebzehnten komplett frei und trainieren gar nicht. Ein Trainingslager auf Sparflamme, bei dem in der spanischen Sonne ordentlich gechillt werden kann?

Nein, vielmehr ist aus Sicht der Bremer das reduzierte Trainingspensum eine Lehre aus der Hinrunde. "Die Verletzungen waren ein sehr, sehr beherrschendes Thema bei uns", sagt Frank Baumann. Der Sportchef gesteht dabei auch Fehler ein.

Das (die Verletzungen, Anm. d. Red.) war ein Punkt, bei dem wir uns hinterfragt haben, woran es gelegen haben könnte: Haben wir vielleicht auch zu viel gewollt? Es ist so, dass wir uns im Profigeschäft am Limit bewegen und immer besser werden wollen. Aber wenn du zu viel machst, kann es auch kontraproduktiv sein.

Frank Baumann in einer Medienrunde während des Trainingslagers auf Mallorca

Baumann rückt die Regeneration in den Fokus

Ömer Toprak sitzt beim Spiel in Hoffenheim verletzt am Bode.
Neuzugang Ömer Toprak war einer der größten Pechvögel bei Werder in der Hinrunde. Beim Spiel in Hoffenheim musste er verletzt ausgewechselt werden. Bild: Imago | HMB-Media

Die Bremer rücken deshalb die Regeneration in den Blickpunkt. Diese sei, so Baumann, in der Hinrunde zu kurz gekommen. Zwar müsse dies nicht zwangsläufig zu einer Verletzung führen, in dem einen oder anderen Fall sei es aber so gewesen. Als "Schwachstelle" macht Baumann die interne Kommunikation bei Werder aus. Der Austausch zwischen Athletik-Abteilung, Ärzten und Physiotherapeuten sei "nicht optimal" gewesen. Aber auch die Spieler nimmt er in die Pflicht.

Es waren alle nicht so im Austausch, wie es sein sollte. Das fängt bei den Spielern an, die eine ehrliche Rückmeldung geben müssen. Gerade in der Vorbereitung wollen sich aber alle Spieler positionieren. Da will sich keiner eingestehen, dass er nochmal ein paar Tage raus muss, weil es natürlich um Plätze geht.

Frank Baumann in einer Medienrunde während es Trainingslagers auf Mallorca

Schmaler Grat für Kohfeldt

Einer, der das getan habe, sei Max Kruse gewesen. Der Ex-Kapitän habe in Bremen auch mal das Gespräch mit den Athletiktrainern oder Florian Kohfeldt gesucht, wenn ein Tick weniger gemacht werden musste oder die Mannschaft einen halben Tag mehr Regeneration gebraucht habe, erklärt Baumann.

Mittlerweile sei die Kommunikation intern aber verbessert worden. So werde nicht mehr allein über die verletzten Spieler, sondern auch über die gesunden Spieler gesprochen. Und vor allem wird die Regeneration in den Vordergrund gerückt. Am Mittwoch dürfen die Spieler daher einfach mal ihre Freizeit genießen. Für die Arbeit von Florian Kohfeldt ist dies allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits braucht der der Cheftrainer in der Rückrunde natürlich seine Leistungsträger im gesunden Zustand, um den Klassenerhalt klarzumachen. Andererseits liegt auf dem Trainingsplatz nach der schlechtesten Bundesliga-Hinrunde der Klubgeschichte viel Arbeit an. Kohfeldt muss der Mannschaft nicht nur den Feinschliff verpassen, sondern wieder das kleine Fußball-ABC vermitteln.

Sport-Professor hat seine Zweifel

Prof. Dr. Info Froböse sitzt auf einer Holzbank und schaut in Kamara.
Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln übt Kritik an der Bremer Planung in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Bild: Sebastian Bahr

Frei von Kritik ist Werders Trainingsplan dabei nicht. Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln zweifelt im Gespräch mit buten un binnen an der Sinnhaftigkeit der Bremer Planungen. Die Regeneration in den Vordergrund zu stellen, sei dabei absolut sinnvoll. "Regeneration ist oftmals wichtiger als das Training", so Froböse. Für rund eine Woche in ein Trainingslager zu fliegen, sei aber nicht zielführend, "denn Reisen ist keine Regeneration". Auch der freie Tag am Mittwoch bringe wenig. Denn nach dem Spiel am Montag würden die Muskeln mindestens 72 Stunden zur Regeneration benötigen. Ohnehin seien in einem knapp einwöchigen Trainingslager keine wirklichen Trainingseffekte zu erwarten. Positiv könnte sich der Trip nach Mallorca allerdings auf das Teambuilding auswirken.

Ömer Toprak: Werders Pechvogel ist wieder da

Ömer Toprak reißt das Bein beim Testspiel hoch, um den Ball noch zu erreichen.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Januar 2019, 18:06 Uhr