Interview

Klaus Allofs: "Werder gehört weiterhin zu den Aufstiegsfavoriten"

Klaus Allofs vor dem Düsseldorf-Spiel über Werders "Extremsituation"

Video vom 26. Juli 2021
Klaus Allofs steht im Düsseldorfer Stadion und lächelt.
Klaus Allofs ist seit September 2020 Mitglied des Vorstands von Fortuna Düsseldorf. Bild: Imago | Laci Perenyi
Bild: Imago | Laci Perenyi

Klaus Allofs ist eine Bremer Legende und mit Fortuna Düsseldorf am Samstag Werders Gegner. Vor dem Spiel haben wir mit ihm über die Situation beider Klubs gesprochen.

Mit Werder Bremen hat Klaus Allofs zahlreiche Erfolge gefeiert. Als Spieler gewann er mit dem Klub den Europapokal, die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Später knüpfte er als Manager nahtlos an diese Erfolge an. Gemeinsam mit Thomas Schaaf war er 2004 der Architekt des Doubles. 2009 folgte zudem der Sieg des DFB-Pokals. Seit September 2020 ist er nun Mitglied des Vorstands bei Fortuna Düsseldorf. Vor dem Spiel am Samstag (20:30 Uhr) zwischen der Fortuna und Werder haben wir mit ihm über die jeweilige Lage an Rhein und Weser gesprochen.

Herr Allofs, Sie haben viele Jahre in Bremen gelebt. Wie geht es Ihnen jetzt in Düsseldorf?
Sehr gut, Düsseldorf ist ja auch meine Heimat. Meine zweite Heimat Bremen habe ich vor einiger Zeit verlassen, aber in Düsseldorf ist es auch ganz schön (lacht).
Am Samstag spielen Sie mit der Fortuna gegen Werder. Wird es ein Vorteil für Sie sein, dass bei vielen Bremer Spielern aktuell gar nicht klar ist, wie lange sie überhaupt noch an der Weser bleiben?
Wir müssen uns damit beschäftigen, wer jetzt am Samstag in der Werder-Mannschaft steht. Da ist genügend Qualität und vor allem Erfahrung aus der Bundesliga dabei. Wir wissen daher, dass das ein ganz schweres Spiel für uns wird. Auch wenn Werder zum Auftakt nun nur unentschieden gespielt hat, gehört der Klub weiterhin zu den Favoriten auf den Aufstieg.
Und am Samstag gegen Ihre Düsseldorfer sind die Bremer auch der Favorit?
Werder ist vom Torwart bis Niclas Füllkrug in der Spitze weiterhin eine Mannschaft mit Spielern, die das Format für die Bundesliga haben. Wir haben einen guten Auftakt (Anm. d. Red.: 2:0 beim SV Sandhausen) hingelegt, das gibt Selbstvertrauen. Ich glaube, dass es ein offenes Spiel wird.
Düsseldorfer Spieler bejubeln ein Tor gegen Sandhausen.
Jubel bei der Fortuna: Zum Auftakt gab es einen souveränen 2:0-Sieg in Sandhausen. Bild: Imago | Foto2press
Sportchef Frank Baumann hat angekündigt, dass er in diesem Sommer noch mit 15 bis 20 Transfers rechnet. Ist das Ihrer Auffassung nach normal oder schon eine Extremsituation?
Ich glaube schon, dass es eine Extremsituation ist. Ein Abstieg in die 2. Liga ist ein gewaltiger Einschnitt. Bei der wirtschaftlichen Lage ist man noch dazu verpflichtet, Spieler abzugeben. Aber der Markt ist durch den späteren Start der Bundesliga so, dass sich viele Dinge nach hinten verschoben haben. Viele Entscheidungen werden sicherlich erst zum Ende der Transferperiode getroffen. Das bedeutet, dass wir in der 2. Liga dann schon einige Spieltage hinter uns haben. Glücklich ist keiner damit.
Wie weit sind Sie in Düsseldorf bereits mit der Kaderplanung?
Es ist gar nicht schadenfreudig gemeint, aber ich glaube, da sind wir ein bisschen weiter als Werder. Aber das liegt in der Natur der Sache. Wenn du absteigst und gewisse finanzielle Zwänge hast, dann ist ein größerer Umbruch nicht zu vermeiden. Das hatten wir hier bei der Fortuna im letzten Jahr. Bei uns wird es sich jetzt aber auf ein oder zwei Personalien beschränken.
Die Menschen in Bremen verlieren so langsam die Geduld und auf Frank Baumann lastet eine Menge Druck. Sie kennen ihn ja aus gemeinsamen Zeiten bei Werder. Was macht dieser Druck mit ihm?
Die Anzahl der Transfers ist gar nicht das große Problem. Aber man lebt natürlich immer auch mit der Vergangenheit des Klubs. Das ist immer eine Messlatte, die hingelegt wird. Und vielleicht wird nicht berücksichtigt, dass die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Finanziell war Werder früher nicht auf einer Stufe mit Bayern München, aber sportlich konnte man doch Paroli bieten. Jetzt ist Werder in einer anderen Situation. Klar, da gerät man schon unter Druck. Jetzt weiß man, dass fast alle Transfers sitzen müssen. Das ist nicht ganz so einfach, manchmal braucht man auch Geduld. Diese Geduld war in Bremen immer eine große Eigenschaft, aber auch das wird weniger. Das ist aber auch nachzuvollziehen.
Frank Baumann steht auf dem Trainingsplatz, lehnt sich an ein kleines Tor und telefoniert. im Vordergrund liegt ein Ball.
Sportchef Frank Baumann steht in Bremen unter Druck. Auch zwei Monate nach dem Abstieg steckt die Kaderplanung noch in den Kinderschuhen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Hat Ihr Herz geblutet, als Werder im Mai abgestiegen ist?
Natürlich. Wenn ich von Bremen als meiner zweiten Heimat spreche, dann ist das nicht nur die Stadt, sondern insbesondere Werder Bremen. Wenn man als Spieler und Verantwortlicher dort so lange tätig war, ist es so, dass ich, sobald ich das Fortuna-Ergebnis kenne, immer direkt wissen will, wie Werder gespielt hat. Der Abstieg hat schon wehgetan, weil man sich nicht vorgestellt hat, dass es am Ende dann auch mal Werder Bremen treffen kann. Ich wünsche mir, dass der Klub vielleicht aufsteigt. Das kann ja auch auf dem Platz hinter uns sein (lacht).
Hatten Sie Kontakt zu Thomas Schaaf, der am letzten Spieltag noch die Rettung schaffen sollte?
Wir haben hin und her geschrieben und ich habe ihm natürlich Glück gewünscht. Aber man muss ehrlich sagen: Das war eine sehr schwierige Aufgabe. Schade, dass das nicht funktioniert hat. Das wäre natürlich eine tolle Story gewesen.
Der 38-jährige Thomas Schaaf posiert mit Werder-Sportdirektor Klaus Allofs am 15.7.1999 (Archivbild)
Klaus Allofs und Thomas Schaaf haben bei Werder einst zusammen große Erfolge gefeiert. Bild: DPA | Ingo Wagner
Mit Thomas Schaaf haben Sie in Bremen große Erfolge gefeiert. Was sind jetzt Ihre Ziele mit der Fortuna?
Ich glaube, es gibt zwei Ebenen. Zum einen möchten wir natürlich sportlich erfolgreich sein. Mittelfristig wollen wir zurück in die Bundesliga, das ist notwendig. Das gilt für Werder Bremen ja genauso. Auf der anderen Seite ist das aber ein Schritt, den du dir bei eingeschränkten Mitteln nicht einfach vornehmen und dann umsetzen kannst. Dazu gehört auch, dass man Ruhe und Kontinuität in den Verein bringt. Das sind Attribute, die wichtig sind, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Da möchte ich meine Erfahrung nutzen, diese Dinge auch bei der Fortuna zu implantieren.
Sind Sie auch in Transfers involviert?
Ja, das wäre auch eine Einschränkung, die fehl am Platze wäre. Wir machen das in einem Team mit Uwe Klein (Sportdirektor, Anm. d. Red.) und unserer Scouting-Abteilung. Das ist sehr intensiv, weil wir sehr vorsichtig mit unserem Geld umgehen müssen. Die Entscheidungsfindung findet daher in einem großen Kreis statt. Und da bin ich natürlich mittendrin.
Wie Werder haben Sie vor der Saison mit Christian Preußer einen neuen Trainer verpflichtet. Welchen Eindruck vermittelt er bisher?
Er kommt mit neuen Ideen und hat eine andere Herangehensweise. Die sind in den ersten Wochen hier in Düsseldorf sehr gut angekommen. Mit seiner Art hat er einen sehr guten Start gehabt. Das ist nach einigen Wochen nur eine Zwischenbilanz, aber er passt zur Stadt und er passt zum Team.
Christian Preußer hält am Spielfeldrand die Hände über den Kopf und gestikuliert.
Christian Preußer ist seit dieser Saison Trainer von Fortuna Düsseldorf. Zuvor hat der die U23 des SC Freiburg trainiert. Bild: Imago | Foto2press
Ihr Coach möchte oben mitspielen in dieser Saison. Ist das ein realistisches Saisonziel für die Fortuna?
Mit der Zielformulierung ist es ja immer so eine Sache. Im letzten Jahr haben wir uns eine blutige Nase geholt, weil wir gesagt haben: "Ja, wir wollen aufsteigen." Das haben wir allerdings auch relativiert. Wir sind weiterhin ambitioniert. Mittelfristig wollen und müssen wir wieder in die Bundesliga. Aber wir sind auch Realisten und wissen, dass mit Werder und Schalke wieder zwei potenzielle Aufsteiger dazugekommen sind. Das Ziel des Trainers ist aber schon das, was wir verfolgen werden.

(Das Interview führte Dino Bernabeo. Aufgeschrieben von Karsten Lübben.)

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Autor

  • Dino Bernabeo Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Juli 2021, 18:06 Uhr