Ex-Bremer Jerome Polenz: "Werder muss immer wieder Nadelstiche setzen"

Die Bremer sollten gegen Gladbach auf Tore nach ruhenden Bällen setzen. Zudem vermutet der Taktikexperte, dass "Retter-Trainer" Schaaf wieder auf seine Werder-Raute vertraut.

Video vom 21. Mai 2021
Sportschau-taktiker JErome Polenz im Gespräch. Er ist über Video zugeschaltet und blickt in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen
Herr Polenz, Werder hat für das Abstiegsendspiel die Vereinslegende Thomas Schaaf zurückgeholt. Was glauben Sie: Kehrt mit Schaaf auch die berühmt-berüchtigte Werder-Raute zu den Bremern zurück?
Ich kann es mir sehr gut vorstellen. Thomas Schaaf war damit immer sehr erfolgreich und auch unter Florian Kohfeldt hat Werder ja ab und an mit Raute gespielt. Viele Spieler kennen daher die Abläufe. Weil Schaaf nicht viel Zeit hat, muss er aber bei den Sachen bleiben, die die Jungs schon kennen, und höchstens an den Feinschliff gehen.
Was sind die Vor-, was die Nachteile einer Raute?
Man muss gucken, was der Gegner macht. Gladbach wird wahrscheinlich im 4-2-3-1 auflaufen. In der Raute hast du dann im Zentrum eine Überzahl, auf der Außenseite eine Unterzahl. Werder hat also, wenn sie nicht gut verschieben, nur einen Spieler auf jeder Seite. Zugleich birgt es auch eine riesige Gefahr, in einem Spiel, in dem es um alles geht, etwas im Spielstil zu ändern.
Ex-Werderaner Jerome Polenz dribbelt für Brisbane Roar an der Seitenlinie.
Bei seiner letzten Station als Spieler war Jerome Polenz für Brisbane Roar im Einsatz. Bild: Imago | Action Plus
Inwiefern?
In einem Alles oder Nichts-Spiel geht es eher darum, eine Performance hinzulegen, die Punkte bringt. Da kann man nicht so sehr Experimente wagen. Innerhalb einer Woche neue Abläufe zu trainieren, ist eine Mammutaufgabe. Du darfst in diesem Spiel keinen schönen Tod sterben, Werder muss immer wieder Nadelstiche setzen.
Wie soll Werder das gelingen? 
Der Schlüssel ist die defensive Stabilität. Lass Gladbach kommen, lass sie angreifen und geh dann auf Konter und auf Standardsituationen. Damit hast du die größte Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg. Fast jedes dritte Tor in der Bundesliga fällt nach einer Standardsituation.  
Warum ist das so?
Der Vorteil ist, dass du genau weißt, was gleich passiert, der Gegner aber nicht. Du agierst, der Gegner reagiert. Da hätte ich auf jeden Fall angesetzt. Wenn ich Thomas Schaaf wäre, hätte ich extrem viele Standards trainiert.
Zu Ihrer aktiven Zeit war Schaaf einer Ihrer Trainer. Was hat ihn früher ausgezeichnet und was kann ein Trainerwechsel zu solch einem späten Zeitpunkt noch bringen?
Thomas Schaaf liebt den Offensivfußball. Wir haben unter ihm extrem viel im offensiven Bereich trainiert, was wirklich viel Spaß gemacht hat. Vor allem in seiner Bremer Zeit war er extrem erfolgreich. Die Frage ist, ob das möglich ist mit dem Team, das jetzt da ist. Es geht nicht nur um die spielerische Qualität, sondern auch darum, was die Saison mit einem gemacht hat. Du musst auch den Kopf der Jungs freikriegen. Ein neuer Trainer kann einen neuen Impuls reinbringen, neue Abläufe und neue Ideen. Gerade für die Spieler, die vorher hinten dran waren, kann ein Trainerwechsel einen positiven Effekt haben.

(Das Interview führte Ariane Wirth. Aufgezeichnet von Helge Hommers.)

Christian Schulz hört auf – und glaubt an Werders Klassenerhalt

Video vom 19. Mai 2021
Christian Schulz trägt ein Trikot von Hannover 96 und lächelt in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Ariane Wirth Moderatorin
  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 21. Mai 2021, 18:06 Uhr