Kohfeldt setzt vor Werders Showdown auf Erfahrung

Im "letzten Finale" sollen es Werders Routiniers richten, sagt der Coach. Auch auf ein mögliches Elfmeterschießen hat sich Kohfeldt vorbereitet.

Florian Kohfeldt schaut konzentriert.
Werder-Coach Florian Kohfeldt steht vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere. Am Montagabend (20:30 Uhr) treten die Bremer im Rückspiel der Relegation beim 1. FC Heidenheim an. Bild: Imago | gumzmedia/nordphoto/POOL

Nach Werders 0:0 im Hinspiel der Relegation am Donnerstag gegen den 1.FC Heidenheim kam bei vielen Fans der Bremer Enttäuschung auf. Und auch Florian Kohfeldt geriet am Tag danach ins Grübeln. Das erzählte er am Sonntag während der Online-Pressekonferenz. Was wäre, fragte sich Kohfeldt, wenn er einen anderen Lebensweg gehabt hätte? Wenn er mit 37 Jahren nun in der Alten Herren von Jahn Delmenhorst spielen und vielleicht als Lehrer arbeiten würde? Und ihn dann jemand anrufen und fragen würde, ob er für Werder, also für "seinen" Verein, das Bremer Abstiegsendspiel am Montag (20:30 Uhr) in Heidenheim betreuen möchte? Dann, so Kohfeldt, hätte er sich zu Hause nicht einmal mehr verabschiedet, sondern wäre direkt unterwegs gewesen.

Was der Bremer Coach mit dieser Anekdote sagen will: Seine Bereitschaft, für Werder alles zu geben, ist weiterhin ungebrochen. Und das trotz des immensen Drucks am Ende einer für ihn "sehr belastenden" Saison. Sehr belastend wird vor allem aber noch einmal der Montag sein. Denn für Werder geht es dann um alles. Das weiß auch Kohfeldt.

Wir steuern auf das letzte Finale von vielen in diesem Jahr zu. Und wir wissen alle: Es gibt kein danach! Es gibt keine Hintertür mehr, nach diesem Spiel ist die Saison vorbei.

Florian Kohfeldt gibt nach dem Bayern-Spiel vor der Werbewand dem Fernsehen ein Interview.
Florian Kohfeldt am Sonntag auf der Online-Pressekonferenz

Werder hat im Hinspiel ein Teilziel erreicht

Und wenn es am Montag schief geht, wäre es eine historische Saison für die Bremer. Erstmals seit 40 Jahren würde Werder wieder aus der Bundesliga absteigen. Doch daran mag Kohfeldt nicht denken. Auch wenn das 0:0 keineswegs Werders Wunschergebnis war, kann er der Ausgangssituation durchaus etwas Positives abgewinnen. Immerhin hätten die Bremer ein Teilziel erreicht, weil sie zu Hause unbedingt ohne Gegentor bleiben wollten.

Am Donnerstagabend waren wir alle sehr, sehr enttäuscht über unsere Leistung. Dann kam neben diesem kurzen Gefühl "Okay, das war hart!" nach und nach ins Gedächtnis, dass ein 0:0 nicht das war, was wir wollten, keine Frage, aber wir ein Teilziel erreicht haben, weil wir zu Hause unbedingt ohne Gegentor bleiben wollten. Somit ist die Ausgangslage nicht überragend, aber sie lässt uns genügend Möglichkeiten, das insgesamt zu überstehen.

Florian Kohfeldt gibt nach dem Bayern-Spiel vor der Werbewand dem Fernsehen ein Interview.
Florian Kohfeldt am Sonntag auf der Online-Pressekonferenz

Kohfeldt setzt auf Werders Erfahrung

Davy Klaassen grätscht Kölns Marco Höger den Ball vom Fuß.
Werder-Coach Florian Kohfeldt setzt beim Showdown gegen Heidenheim vor allem auf seine erfahrenen Spieler wie Davy Klaassen. Bild: Imago | gumzmedia/nordphoto/POOL

Und tatsächlich ist es so, dass das Ergebnis deutlich besser ist, als es von vielen gemacht wurde. Die Heidenheimer müssen gewinnen. Werder würde nach einem eigenen Treffer aufgrund der Auswärtstorregel auch ein Unentschieden reichen. Doch wie geht das Werder-Team die Herausforderung am besten an? "Die Mischung aus kühlem Kopf und vielen Emotionen wird neben dem Fußballerischen sehr wichtig werden", sagte Kohfeldt. Kurzum: Die Bremer dürfen auf dem Feld nicht die Nerven verlieren, es aber auch nicht zu lasch angehen. Dabei setzt der Bremer Coach vor allem auf seine erfahrenen Spieler im Kader wie Claudio Pizarro, den gesperrten Niklas Moisander oder Davy Klaassen. Diese hätten nicht nur viel Spielerfahrung, sondern auch solche Situation schon mitgemacht.

Dennoch besteht natürlich auch die Gefahr, dass die Angst vor dem Abstieg die Spieler lähmt – und bei Werder am Ende gar nichts mehr geht. Die Lust auf das Gewinnen, so Kohfeldt, müsse größer sein als die Angst vor dem Verlieren. Im Falle eines Herzschlagfinales könnte die Entscheidung über Abstieg oder Klassenerhalt gar im Elfmeterschießen fallen. Dieses Szenario will der Coach gegenüber der Mannschaft im Vorfeld aber nicht thematisieren. Falls es dazu komme, sei das Trainerteam aber vorbereitet.

Heidenheim schnuppert an der Sensation gegen Werder

Video vom 6. Juli 2020
Ein großer Hund liegt auf einer Decke und trägt einen roten FC-Heidenheim-Schal und eine passende Baseball-Kappe.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 5. Juli 2020, 19:30 Uhr