Das rät ein Absteiger von 1980 den Werder-Profis für die Rückrunde

Karl-Heinz Geils war dabei, als die Bremer zum einzigen Mal aus der 1. Liga abgestiegen sind. Die Werder-Spieler erinnern den heutigen Fahrlehrer an seine Fahrschüler.

Karl-Heinz Geils grätscht im Trikot von Werder.
Wie hier beim Auswärtsspiel in Frankfurt (2:3) kämpfte Karl-Heinz Geils (rechts) mit Werder in der Saison 1979/80 gegen den Abstieg. Am Ende erreichten die Bremer ihr Ziel nicht. Bild: Imago | Kicker/Eissner

Wenn Werder am Samstag (15:30 Uhr) auf Fortuna Düsseldorf trifft, beginnt für die Bremer das erste von 17 Endspielen um den Verbleib in der Bundesliga. Keine Frage: Auf den Schultern der Werder-Profis lastet dabei auch eine gehörige Portion Druck. "Die wissen selbst, um was es geht. Wenn du von oben nochmal Druck bekommst und der Trainer und die Presse Druck machen, ist es natürlich schwer. Dann kann man sich nicht frei entfalten", sagt Karl-Heinz Geils im Gespräch mit Radio Bremen. "Man denkt jeden Tag daran und will nichts falsch machen."

Geils weiß, wovon er spricht. In der Saison 1979/80 kämpfte der einstige Abwehrspieler bei Werder mit heutigen Klublegenden wie Dieter Burdenski, Jonny Otten und dem erst 19-jährigen Thomas Schaaf selbst gegen den Abstieg – und scheiterte am Ende. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Vereinsgeschichte mussten die Bremer den Gang in die 2. Liga antreten.

Werder war die Schießbude der Liga

Werder-Spieler bejubeln in der Saison 79/90 einen Sieg gegen Eintracht Braunschweig
Ein kurzer Glücksmoment: Das Spiel gegen Eintracht Braunschweig gewannen die Bremer um Jonny Otten, Jürgen Röber, Karl-Heinz Geils und Hans-Jürgen Offermans (v. links) mit 3:2. Bild: Imago | Rust

Schwierige Zeiten waren es damals für Werder. In der Abstiegssaison verloren die Bremer 0:7 in München und das Nordderby beim HSV glatt mit 0:5. Am Ende waren sie die Schießbude der Liga, kassierten 92 Gegentore. Auch in den Jahren zuvor ging es immer gegen den Abstieg. Dass es den Klub von der Weser dann aber wirklich mal erwischt, damit hatte kaum jemand gerechnet. "Angedeutet hatte sich das nicht", blickt Geils zurück. Die heutige Bremer Mannschaft hatte vor dieser Saison ganz andere Ambitionen, wollte nach Europa. Laut Geils ein Problem in dieser Situation. "Jetzt ist es schwer, den Schalter umzulegen", glaubt der 64-Jährige, der heutzutage eine Fahrschule in Ritterhude betreibt. Der Druck auf die Werder-Profis erinnert ihn an seine Fahrschüler.

Wenn ich mit meinen Fahrschülern an der Ampel stehe und ich beim Anfahren sage: "Fahr los, du hast grün! Fahr los!", dann werden sie nervös und würgen den Wagen ab. Und wenn ein Stürmer unter Druck auf das Tor zuläuft und weiß, dass er ihn reinmachen muss, verkrampft er und macht ihn nicht locker rein.

Karl-Heinz Geils, der 1980 mit Werder aus der Bundesliga abstieg

Geils glaubt an Trainer Kohfeldt

Eben jene Lockerheit wird laut Geils, der nach dem Abstieg mit Werder immerhin noch 405 Bundesliga-Spiele für Arminia Bielefeld, den 1. FC Köln und Hannover 96 bestritt, in der Rückrunde aber wichtig sein. "Die Spieler müssen jetzt zusammenhalten und dürfen sich nicht zerfleischen", fordert er. Zugleich müssten die Führungsspieler bei Werder vorangehen. Brächten diese ihre Leistung nicht, würde es für Werder richtig schwer werden.

Man muss einfach mal die Ärmel hochkrempeln und dazwischengehen. Anders geht es nicht, es ist ja kein Zuckerschlecken.

Karl-Heinz Geils, der 1980 mit Werder aus der Bundesliga abstieg

Von der Idee eines Trainerwechsels hält Geils dabei wenig. Vor 40 Jahren hatte der damalige Werder-Manager Rudi Assauer nach dem verpatzten Start in die Rückrunde Wolfgang Weber entlassen und Fritz Langner zurückgeholt. Aktuell sollten seiner Meinung nach die Verantwortlichen bei Werder aber an Florian Kohfeldt festhalten. Das Austauschen des Trainers sei schließlich kein Allheilmittel, zumal die Mannschaft doch anscheinend mit dem Trainer zufrieden sei. Nur wenn es irgendwann überhaupt nicht mehr ginge, sollte zum "letzten Strohhalm" gegriffen werden. Das viel bessere Mittel sei es aber, am Samstag einfach in Düsseldorf zu gewinnen.

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Autoren

  • Henry Vogt
  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 15. Januar 2020, 14:15 Uhr