Hohn und Spott für Werder-Debakel: "Kann den Frust der Fans verstehen"

Mehrer Werder-Spieler verlassen geknickt und enttäuscht das Spielfeld.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Die unterirdische Leistung der Bremer gegen Paderborn sorgte für viel Wut bei den Werder-Anhängern. Vor allem die Art und Weise, wie die Gegentreffer fielen, war erschreckend.

Lang ist es her, dass im Weser-Stadion ein "Oh, wie ist das schön!"-Gesang erklang. Beim Werder-Heimspiel gegen den SC Paderborn am Sonntagnachmittag war es wieder soweit: Eine Viertelstunde vor Schluss begannen Teile der Werder-Fans den Gute-Laune-Song anzustimmen. Und immer mehr Zuschauer machten mit. Jedoch war das Spiel aus grün-weißer Sicht zu dem Zeitpunkt schon gelaufen, denn die Bremer lagen mit 1:4 zurück. Nachdem sie zuvor ihren Unmut über die desolate Darbietung ihres Teams überwiegend mit Pfiffen geäußert hatten, bedienten sich die Werder-Anhänger nun also einer Form, die den Spielern ordentlich aufs Gemüt drücken dürfte: nämlich mit Hohn und Spott.

Natürlich kann ich den Frust der Fans verstehen, das ist nicht Werder Bremen, wie wir gespielt haben. Wir haben in der ersten Halbzeit ein unterirdisches Spiel geliefert. Jeder hat Fehler gemacht, ob vorne im Spielaufbau oder in Kontersituationen.

Werder-Verteidiger Marco Friedl im Gespräch mit der ARD

Werder lädt Paderborn zum Toreschießen ein

Mehrerer Werder-Fans wenden sich Arm in Arm vom Spielfeld ab.
Zum Weggucken: Manche Werder-Fans ertrugen das Spiel der Bremer gegen Paderborn nur noch mit abgewandtem Blick. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen Drittligist VfL Osnabrück hätte Werder eigentlich allen Grund zur Wiedergutmachung gehabt. Doch was die Bremer vor allem in der ersten Hälfte zeigten, war fast schon erschreckend: Während in der Offensive – abgesehen von einem Toprak-Kopfball kurz nach Anpfiff – kaum etwas zusammenlief, reichte schon ein langer Ball, um die grün-weiße Defensive zum Wackeln zu bringen. Mehr noch: Die Bremer luden den Gast aus Ostwestfalen fast schon zum Toreschießen ein. "Paderborn hat mit wahnsinnig wenig Aufwand sehr viele Torchancen kreiert", sagte Werder-Trainer Markus Anfang.

Wenn wir so verteidigen, sowohl vorne beim Anlaufen als auch hinten in der letzten Reihe, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir nur hinterherrennen.

Werder-Trainer Markus Anfang im Gespräch mit der ARD

Nach nur 36 Minuten lag Werder bereits mit 0:3 zurück – somit war die Partie noch vor Ende der ersten Halbzeit so gut wie entschieden. Wohlgemerkt gegen einen Gegner, der an den ersten beiden Zweitliga-Spieltagen jeweils nur Unentschieden gespielt hatte und so wie Werder ebenfalls bereits aus dem DFB-Pokal ausgeschieden war. Dass die grün-weißen Anhänger, die nach langer Zeit des Wartens endlich wieder das Weser-Stadion füllen dürfen, bereits frühzeitig bedient waren, kann auch Anfang nachvollziehen. "Die Fans haben absolut das Recht zu pfeifen, wenn das Spiel so läuft wie in der ersten Halbzeit", so der Werder-Coach.

Nur kurz war die Hoffnung über den Werder-Anschluss

Werder-Spieler Niklas Schmidt feiert seinen Treffer gegen Paderborn.
Sorgte für den Anschlusstreffer zum 1:3: Werder-Mittelfeldmann Niklas Schmidt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach Wiederanpfiff machte sich auf den Rängen auf einmal Hoffnung breit, als Werder durch Niklas Schmidt verkürzte. Doch die Euphorie währte nur kurz: Der Gegentreffer zum 1:4 machte allen Anwesenden klar, dass heute nichts mehr zusammenlaufen sollte für die Bremer. Immerhin war Anfang mit den nach dem Seitenwechsel gezeigten Ansätzen zufrieden. "In der zweiten Halbzeit hat man gemerkt, dass wir es versucht haben, es umzudrehen. Zumindest haben wir eine ordentliche Reaktion gezeigt", so der Werder-Trainer.

Hängen bleibt jedoch nicht das kurze Aufbäumen nach der Pause, sondern der Offenbarungseid im ersten Spielabschnitt. Dafür eine Erklärung zu finden, fiel den Beteiligten sichtlich schwer. Dass die vielen Abgänge, die der Verein zuletzt verzeichnete, schuld daran seien, liegt zwar nahe. Als Ausrede wollte Maximilian Eggestein die Wechsel aber nicht gelten lassen: "Alle, die auf dem Platz stehen, müssen es einfach besser machen", so der Werder-Spieler. Und das möglichst zeitnah, schon allein, damit die Gute-Laune-Gesänge aus den richtigen Gründen wieder durchs Weser-Stadion hallen.

Werder-Trainer Markus Anfang: "Müssen uns an die eigene Nase fassen"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 15. August 2021, 19:30 Uhr