Werder II will in die 3. Liga – doch die eigene Anlage bereitet Sorge

Trotz maroder Sportanlagen will Werder II in die 3. Liga aufsteigen

Bild: DPA | nordphoto/Rauch

Die Bremer haben für ihr Regionalliga-Team die Lizenz für die 3. Liga beantragt. Allerdings ist das Nachwuchs-Leistungszentrum auch für den Verein selbst nicht drittligatauglich.

In Werders Nachwuchs-Leistungszentrum werden die Fußball-Stars von morgen gemacht. Allein in den letzten drei Jahren haben 24 Spieler aus der grün-weißen Ausbildungsstätte den Sprung in eine der ersten drei deutschen Ligen geschafft. Auch in der eigenen Profimannschaft der Bremer laufen unter anderem mit Jean Manuel Mbom, Ilia Gruev und Nick Woltemade mehrere Eigengewächse auf.

Doch die Bremer haben ein Problem: Die eigene Kaderschmiede ist nicht mehr zeitgemäß. "Allein wenn man sich unsere Umkleidekabinen anguckt, dann sind die eines Leistungszentrums überhaupt nicht mehr würdig", sagte Thomas Wolter, Ex-Werder-Spieler und sportlicher Leiter des Leistungszentrums im Sportblitz.

Ich bin jetzt seit fast 40 Jahren im Verein, seitdem hat sich dort nicht viel getan. Da muss der Verein unbedingt ran, sonst machen wir uns auf Dauer lächerlich.

Thomas Wolter, Ex-Werder-Spieler und sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums im Sportblitz

Was hat oberste Priorität?

Thomas Wolter, Ex-Werder-Spieler und Leiter des Nachwuchszentrums, im Interview
E-Werder-Spieler Thomas Wolter ist seit neun Jahren der sportliche Leiter des Leistungszentrums. Bild: Radio Bremen

Vieles auf der Sportanlage rund um Platz 11, auf dem unter anderem die Werder-Reserve ihre Heimspiele austrägt, ist kaputt oder marode: Die Waschbecken sind alt, die Wände rissig, die Kabinen winzig. "Es gibt hier so viele Dinge, die wir angehen müssen", sagt Wolter. "Es gibt auch genug Leute, die sich zusammensetzen und planen, aber da ist die Frage: Was hat oberste Priorität?"

Angesichts der finanziellen Folgen des Abstiegs der Profi-Mannschaft und der Corona-Pandemie sieht sich Werder mehr denn je als Ausbildungsverein. Dementsprechend haben die Bremer in dieser Saison eine Drittliga-Lizenz beantragt – anders als noch im Vorjahr. Heißt also: Sollte die grün-weiße Reservemannschaft, die momentan ganz oben in der Meisterrunde der Regionalliga-Nord mitmischt, den Aufstieg schaffen, spielt Werders U23 in der kommenden Saison in der 3. Liga. Schließlich will der Klub des damit verbundenen Kostenaufwands seinen Spielern eine Perspektive geben. "Du musst als Verein auch glaubwürdig bleiben", betont Wolter.

Wenn wir das zweite Jahr hintereinander gesagt hätten, dass wir darauf von vornherein verzichten, dann wären wir in unser Talentförderung irgendwann auch unglaubwürdig geworden.

Thomas Wolter, Ex-Werder-Spieler und sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums im Sportblitz
Konrad Fünfstück, Trainer der Werder-Reserve, im Interview.
Hofft auf den Drittliga-Aufstieg mit der Werder-Reserve: Trainer Konrad Fünfstück. Bild: Radio Bremen

Keine Frage, ein Drittliga-Aufstieg würde die Attraktivität für auswärtige Talente weiter erhöhen. Doch von den dafür notwendigen Bedingungen ist man rund um Platz 11 noch weit entfernt. Denn dafür bräuchte es eigene Interview- und Kamerazonen, dazu mehr Sitzplätze. Kurzum: Um die Lizenz-Auflagen zu erfüllen, müsste Werder tief in die eigene Tasche greifen – doch ohne Investments geht es nun mal nicht.

"Wir müssen mit viel Empathie, mit viel Überzeugung und mit strukturierter Arbeit den Spielern ihre Möglichkeiten bei uns aufzeigen", sagte U23-Trainer Konrad Fünfstück. "Dass dabei eine bessere Infrastruktur helfen würde, ist ohne Zweifel."

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 16. März 2022, 18:06 Uhr