5 Erkenntnisse aus Werders bitterer Klatsche in Dresden

Nach acht Spieltagen sind die Bremer in der 2. Liga nur biederes Mittelmaß. Ohne Ömer Toprak fehlt ein Abwehrchef und Marvin Ducksch allein wird es nicht richten können.

Das hatte sich Werder ganz anders vorgestellt. Nach der Pleite gegen den HSV schien Dynamo Dresden für die Bremer der perfekte Gegner zu sein. Schließlich hatte Werder zuvor bereits mit Hansa Rostock und dem FC Ingolstadt 04 die anderen beiden Aufsteiger deutlich mit 3:0 geschlagen. Am Ende ging es jedoch mächtig schief. Das Team von Markus Anfang verlor mit 0:3 und die Leistung hat den Finger tief in so manche Wunde gelegt. Aus der bösen Pleite lassen sich also auch einige Erkenntnisse gewinnen.

1 Die 2. Liga ist eine Mammutaufgabe

Nach dem Abstieg wurde die 2. Liga von vielen Fans schon fast glorifiziert. Und es klang so, als wäre es ja schon fast cool, dass Werder jetzt mal ein Jahr in einer anderen Liga spielen wird. Endlich mal wieder viele Spiele gewinnen und dann im Mai 2022 den Aufstieg feiern dürfen. Auch nach dem Ende der Transferperiode war die Zuversicht groß, die direkte Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen.

Nach acht Spieltagen, fast einem Viertel der Saison, muss jedoch konstatiert werden, dass Werder bisher nur biederes Mittelmaß und definitiv kein Topteam in der 2. Liga ist. Das zeigte auch die Partie in Dresden. Ein Topteam hätte nach der Derby-Pleite gegen den HSV (0:2) gegen einen Aufsteiger den Weg zurück in die Erfolgsspur gefunden. Werder hingegen ließ sich die Butter vom Brot nehmen und verlor verdient. Einfache Siege gibt es für die Bremer auch in der 2. Liga nicht.

2 Ducksch allein wird nicht reichen

Marvin Ducksch galt in Bremen schon als kleiner Heilsbringer nach seinem perfekten Start an der Weser. Bei seinem Debüt gegen Hansa Rostock (3:0) traf er gleich doppelt, auch beim 3:0 gegen den FC Ingolstadt war er erfolgreich. Beim Derby gegen den HSV gelang ihm zudem ein toller Freistoßtreffer, der nur aufgrund der mangelnden Regelkenntnis von Mitchell Weiser nicht zählte.

Gegen die Dresdner erwischte aber auch Ducksch erstmals einen schlechten Tag im grün-weißen Trikot. Ducksch ist für die Verhältnisse der 2. Liga sicherlich ein sehr guter Stürmer, doch allein wird es auch der 27-Jährige nicht richten können.

3 Das ewige Problem im defensiven Mittelfeld

Die mangelnde Qualität im defensiven Mittelfeld der Bremer ist mittlerweile schon fast ein Running Gag. Seit dem Abgang von Thomas Delaney im Sommer 2018 fehlt den Bremern ein Abräumer mit Qualität. Daran hat sich auch in diesem Sommer nichts geändert. Stattdessen ist jetzt auch noch Maximilian Eggestein weg, der mit der Position auf der Sechs aber ohnehin stets eher gefremdelt hat. Der Norweger Frerik Aursnes gab Werder zudem einen Korb und ist lieber zu Feyenoord Rotterdam gegangen. Nach dem Ausfall von Christian Groß bekam nun Ilia Gruev seine Chance. Nutzen konnte der 21-Jährige sie aber nicht. Markus Anfang nahm Gruev nach dem Spiel richtigerweise in Schutz. Doch auch er wird gesehen haben, dass die Statik im Bremer Spiel so einfach nicht passt.

4 Ohne Toprak fehlt ein Abwehrchef

Gegen die Dresdner trug Milos Veljkovic die Kapitänsbinde, doch ersetzen kann er den eigentlichen Anführer Ömer Toprak nicht. Bereits gegen den Hamburger SV sollte er als Chef die Abwehr organisieren, doch gelungen ist ihm dies nicht. Dabei wäre dies gerade für Lars Lukas Mai, seinen Partner in der Innenverteidigung, wichtig gewesen. In Dresden setzte Anfang nun anstatt auf Mai auf Marco Friedl. Besser lief es mit dem österreichischen Nationalspieler, der sich vor wenigen Wochen noch wegstreiken wollte, aber auch nicht. Toprak kann keiner von beiden ersetzen. Umso bitterer für Werder, dass Toprak wohl noch eine Weile fehlen wird.

5 Assalé ist noch ein Fremdkörper

Roger Assalé haben die Bremer ausgeliehen, damit der Ivorer als Außenbahnspieler das Tor des Gegners in Gefahr bringt. Gegen Dresden war der 27-Jährige aber eher ein Risiko für die eigene Abwehr. Beim Stand von 0:1 kam er in der 62. Minute ins Spiel, um für die Wende zu sorgen. Vier Minuten später ließ er jedoch Antonis Aidonis einfach ziehen anstatt diesen energisch unter Druck zu setzen. Aidonis bedankte sich, zog in den Strafraum und leitete somit das 2:0 für Dynamo ein. Vor dem dritten Treffer der Dresdner verteidigte er zudem amateurhaft gegen den Torschützen Morris Schröter. Angekommen ist Assalé an der Weser bisher nicht.

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 26. September 2021, 19:30 Uhr