Füllkrug ist Werders emotionaler Leader im Abstiegskampf

Rechtzeitig zum Saison-Finale ist der Stürmer wieder fit und zeigt, was Werder gefehlt hat. Trotzdem ist noch nicht sicher, dass er gegen Heidenheim in der Startelf steht.

Niclas Füllkurg bejubetlt sein Tor mit einem Handkuss.
Niclas Füllkrug erzielte gegen Köln das zwischenzeitliche 3:0. Coach Florian Kohfeldt schließt aber nicht aus, dass der Stürmer gegen Heidenheim zunächst auf der Bank sitzt. Bild: Imago | Marvin Ibo Güngör/GES/Pool/via gumzmedia/nordphoto

Zwischen Florian Kohfeldt und Niclas Füllkrug besteht ein inniges Verhältnis. Beide kennen sich immerhin, seit Kohfeldt den Stürmer einst in der Bremer U14 trainierte. Vor dem Spiel gegen Köln am Samstag aber wollte der Trainer trotz des guten Drahtes zu Füllkrug seinem Stürmer aber offenbar nicht so recht vertrauen. Nach seinem langen Ausfall wegen eines Kreuzbandrisses hatte der 27-Jährige gegen Paderborn und Mainz erste Kurzeinsätze erhalten und bei diesen auf Anhieb für Alarm im gegnerischen Strafraum gesorgt. Trotzdem hatte Kohfeldt vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Köln Bedenken, Füllkrug von Anfang an aufs Feld zu schicken. Der hatte seinem Trainer zwar vorher versichert, dass er fit sei. Trotzdem ging Kohfeldt auf Nummer sicher und holte sich weitere Meinungen ein.

Ich habe ein paar Leute aus seinem privaten Umfeld angerufen und gefragt, ob er denen das Gleiche erzählt wie mir. Nämlich, dass es ihm so gut geht und er so fit ist. Ich kenne ihn gut. Er würde mir auch bei Schmerzen sagen: 'Ja, Trainer, alles in Ordnung. Komm, lass mich spielen.' Deshalb habe ich mich lieber nochmal breiter informiert.

Werder-Coach Florian Kohfeldt

Füllkrug hatte mit der Startelf gerechnet

Am Ende erzählten ihm seine Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung aber nichts anderes als der Spieler selbst. Kohfeldt schickte Füllkrug von Beginn an aufs Feld – und das sollte sich auszahlen. Der 27-Jährige ist ein Strafraumstürmer vom alten Schlag. Einer, der nicht viele Chancen braucht, um ein Tor zu erzielen. Seine Kaltschnäuzigkeit ist eine Fähigkeit, die die Bremer in dieser Saison vermisst haben.

Füllkrugs Gier nach Toren zeigte sich auch vor dem 3:0, das er selbst erzielte. Während Milot Rashica und Yuya Osako lieber beim Schiedsrichter ein Handspiel des Kölners Toni Leistner reklamierten, konzentrierte Füllkrug sich weiterhin auf das Spiel und seine Hauptaufgabe. Nach der Flanke von Marco Friedl zeigte er sich gedankenschneller als sein Gegenspieler Rafael Czichos und drückte den Ball ins Kölner Tor.

Füllkrug besitzt ein starkes Selbstvertrauen

Niclas Füllkrug feuert von der Tribüne seine Mitspieler an.
Nach seiner Auswechslung feuerte Niclas Füllkrug gegen Köln seine Mitspieler leidenschaftlich von der Tribüne aus an. Bild: Imago | Marvin Ibo Güngör/GES/Pool/via gumzmedia/nordphoto

Eben jene Wucht und Kompromisslosigkeit im Strafraum hatte den Bremern lange gefehlt. Vollen Einsatz zeigte Füllkrug auch beim 5:0 durch Yuya Osako. Und dies, obwohl er nicht einmal mehr auf dem Platz stand. Enthusiastisch ballte Füllkrug beim Treffer des Japaners auf der Tribüne die Fäuste und jubelte lautstark. Er ist nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz seit seinem Comeback der emotionale Leader. Einer, der stets mit breiter Brust vorangeht und nicht an sich zweifelt. Dementsprechend war er auch nicht überrascht, als er von seiner Nominierung für die Startelf gegen Köln erfuhr.

Ich bin ja relativ selbstbewusst. Ich habe schon nach dem letzten Spiel gespürt, dass es so sein könnte. Es war natürlich relativ früh nach so einer Verletzung. Aber ich glaube, dass es der Mannschaft und mir gut getan hat. Ich habe immer eine gewisse Torgefahr.

Niclas Füllkrug nach dem Sieg gegen Köln bei "Sky"

Gegen Heidenheim zunächst auf der Bank?

Daraus ist aber nicht abzuleiten, dass Füllkrug auch am Donnerstag (20:30 Uhr) im Hinspiel der Relegation gegen Heidenheim in der Startelf steht, erklärte Kohfeldt. Klar ist, dass die Kräfte beim Bremer Angreifer nach seiner langen Pause noch nicht für 90 Minuten reichen. Gegen Köln entschied Kohfeldt sich dafür, Füllkrugs Torgefahr direkt ab Spielbeginn zu nutzen. Zur Halbzeit nahm er den derzeitigen Bremer "Teilzeitarbeiter" dann vom Feld. Nicht ausschließen will der Bremer Coach, dass es am Donnerstag andersherum laufen könnte. Überraschend käme dies aber schon. Füllkrug hat schließlich schon bewiesen, dass er für die Startelf genug Pfeile im Köcher hat. Zum Telefonhörer wird Kohfeldt daher in den kommenden Tagen wohl nicht noch einmal greifen müssen.

Relegation: Werder trifft auf Heidenheim

Video vom 28. Juni 2020
Ein Pullover-Ärmel mit dem Logo des FCH Heidenheim Fußballclubs.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 27. Juni 2020, 19 Uhr