Jahresrückblick: Abstieg und Anfang-Affäre prägten Werders 2021

Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Der Abschied aus der Bundesliga im Mai schockte die Bremer genauso wie das plötzliche Aus von Markus Anfang im November. Immerhin verlief das Jahresende versöhnlich.

Am 10. März war die Werder-Welt noch in Ordnung. Mit 2:0 gewannen die Bremer dank der Treffer von Joshua Sargent und Kevin Möhwald das Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld und schienen den Klassenerhalt bei elf Punkten Vorsprung auf Rang 16 schon so gut wie sicher zu haben. 53 Tage und zehn Niederlagen aus elf Sielen später hingegen herrschte nach dem Abpfiff der 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach Stille im Weser-Stadion. Nach 40 Jahren in der Bundesliga waren die Bremer abgestiegen.

Bereits die Wochen zuvor verliefen turbulent. Coach Florian Kohfeldt stand lange nicht zur Disposition, musste nach dem 1:3 bei Union Berlin am 31. Spieltag aber doch um seinen Job bangen. Schon damals machten Gerüchte die Runde, dass Werder-Legende Thomas Schaaf von ihm für den Schlussspurt der Saison übernehmen könnte. Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat berieten sich zwei Tage lange, ehe Kohfeldt das Halbfinale im DFB-Pokal gegen RB-Leipzig als Endspiel erhielt. Dieses verloren die Bremer zwar mit 1:2 nach Verlängerung, doch weil die Mannschaft kämpferisch überzeugte, durfte Kohfeldt trotzdem weitermachen. Nach einem 0:0 gegen Bayer Leverkusen und einem enttäuschenden 0:2 beim FC Augsburg am 33. Spieltag musste er dann aber doch gehen.

Der Abstieg brachte Werder in die Bredouille

Schaaf sollte Werder mit einem erneuten "Wunder von der Weser" nochmal retten, doch beim 2:4 gegen die Mönchengladbacher war die Mannschaft heillos unterlegen. Spätestens nach dem 0:3 in der 58. Minute gingen die Blicke der Fans ins Müngersdorfer Stadion, wo der 1. FC Köln gegen die bereits abgestiegenen Schalker einen Sieg brauchte, um Werder zu überholen und sich den Relegationsplatz zu krallen. Die Kölner taten sich lange schwer, doch Sebastiaan Bornauw traf in der 86. Minute per Kopf und schickte Werder damit in die 2. Liga. Für die Bremer Fans trat damit der Super-Gau ein. Viele von ihn hatten sich vor dem Weser-Stadion versammelt, um gemeinsam zu bibbern. Einige schenkten sich nach dem Abstieg gegenseitig Trost, andere protestierten lautstark.

Nach dem Abstieg standen die Bremer vor einem Scherbenhaufen. Sie brauchten einen neuen Trainer und mussten den Kader für die 2. Liga umbauen. Der Aufsichtsrat hielt deshalb trotz der anhaltenden Kritik an Sportchef Frank Baumann fest. Dieser stand den Sommer über vor der Aufgabe, durch Spielerverkäufe 30 Millionen Euro einzunehmen. Vorher musste allerdings ein neuer Coach her. Zehn Tage nach dem Abstieg verkündete der Klub die Verpflichtung von Markus Anfang, den Werder von Darmstadt 98 an die Werder lotste.

Schwacher Start in die Saison

Der neue Coach sprach bei Werder stets vom "Wiederaufbau" und vermied das Wort "Wiederaufstieg". Die Aufgabe in Bremen ging er als längerfristiges Projekt an. Kurzfristig bereitete ihm in der Vorbereitung der Kaderumbau Probleme. Anfang wusste lange nicht, mit welchen Spielern er in der Saison noch zählen kann. Keiner war unverkäuflich. Schnell war klar, dass Akteure wie Ludwig Augustinsson, Milot Rashica oder Maximilian Eggestein nicht zu halten sein werden. 17 gingen, neun Neue kamen bis zum Stichtag am 31. August. Werder legte deshalb einen Stotterstart hin und musste einige bittere Niederlagen einstecken.

Gegen den SC Paderborn verloren die Bremer mit 1:4, gegen Dynamo Dresden und Darmstadt mit 0:3. Auch im Nordderby setzte es gegen den HSV eine 0:2-Niederlage. Anfang nahm mit der Zeit Anpassungen vor und gab im Tor wieder Jiri Pavlenka den Vorzug vor Michael Zetterer. Am wichtigsten war allerdings, dass er im Sturm nun auf eine Doppelspitze setzte und Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch gemeinsam spielen ließ.

Anfangs Impfausweis stellte die Werder-Welt auf den Kopf

Die Ernte dieser Entscheidungen konnte Anfang aber nicht mehr einfahren, weil seine Zeit als Werder-Coach am 20. November nach nur wenigen Monaten abrupt endete. Der Grund hierfür war die Affäre um seinen möglicherweise gefälschten Impfausweis, der nach dem positiven Corona-Test von Marco Friedl aufgefallen war. Nachdem buten un binnen am 18. November aus zuverlässigen Quellen von den Ungereimtheiten bei Anfangs Impfzertifikat erfuhr, wurde der Klub um eine Stellungnahme gebeten.

Markus Anfang schaut im Weser-Stadion auf den Boden und schlägt sich mit der flachen Hand vor den Kopf.
Bitteres Aus bei Werder: Markus Anfang stolperte über die Impfpass-Affäre. Bild: Imago | Kirchner Media

Am späten Abend veröffentlichte der Klub auf seiner Homepage eine "Stellungnahme zum Impfstatus von Markus Anfang", in der Anfang die Vorwürfe zurückwies. Einen Tag später stärkte Baumann seinem Coach den Rücken, ehe am Abend die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss für Anfangs Privatwohnung am Weser-Stadion auftauchte. Dieser gab seinen Impfausweis freiwillig ab und bot nach einem Gespräch mit den Polizisten gemeinsam mit seinem Co-Trainer Florian Junge seinen Rücktritt an.

4 Trainer in 4 Spielen

Anfangs Aus war wie ein Erdbeben für Werder. Das ganze Land sprach über die Impfpass-Affäre und auch im Ausland wurde über die spektakulären Vorgänge in Bremen berichtet. Für die Mannschaft brachen unruhige Zeiten an. Beim 2:1-Sieg in Nürnberg saß noch Anfang auf der Bank. Nach dessen plötzlichem Ende übernahm beim 1:1 gegen Schalke 04 Danijel Zenkovic. Der wurde wenig später allerdings positiv auf Corona getestet, sodass sich beim 1:2 gegen Holstein Kiel U19-Coach Christian Brand um das Team kümmerte. Auf ihn folgte wiederum Ole Werder, für den das 4:0 gegen Erzgebirge Aue am 3. Dezember der perfekte Einstand als Werder-Coach war.

Mit ihm lief es für die Bremer im Dezember. Seine ersten drei Spiele hat der erst 33 Jahre alte Cheftrainer mit Werder allesamt gewonnen. Der Rückstand auf Platz drei beträgt nun nur noch einen Punkt. Der Schlussspurt im Jahr 2021 macht den Bremern Hoffnung, dass 2022 doch die direkte Rückkehr in die Bundesliga gelingt.

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Autoren

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor
  • Yannick Lowin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 27. Dezember 2021, 18:06 Uhr