Kohfeldt ruft offiziell den Abstiegskampf aus

Lange hatte sich Werder dem Wort Abstiegskampf strikt verweigert. Nach dem 1:6-Debakel gegen Bayern schwenkte Trainer Kohfeldt um und revidierte das Saisonziel.

Florian Kohfeldt brüllt von der Seitenlinie aufs Spielfeld.
Schluss mit Europa-Träumen: Für Werder-Trainer Florian Kohfeldt geht es in dieser Saison nur noch darum, den Abstieg zu vermeiden. Bild: Imago | Michael Weber

Es war ein schlimmer Samstagnachmittag für Florian Kohfeldt in der Münchner Arena. Der Werder-Coach musste mitansehen, wie sich seine Mannschaft nach dem 1:4-Rückstand "konfus" auflöste und die Bayern mit zwei weiteren Treffern die deftige "Watschn" für die Bremer perfekt machten. Dann humpelte auch noch Theodor Gebre Selassie vom Feld und wird wochenlang ausfallen.

Und wenn Fortuna Düsseldorf nicht am Abend nicht gegen Leipzig verloren hätte, stünde Werder nicht nur auf Rang 15 der Tabelle, sondern auf dem Relegationsplatz. Was für ein Tag. Und wohl genau der Moment, an dem es Kohfeldt reichte und er endlich Tacheles redete.

Ich sage es jetzt auch öffentlich: Es geht für uns darum, die Klasse zu halten. Darauf müssen wir alles ausrichten.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegenüber Bremer Medien in München

Keine Verweigerungshaltung mehr

Noch bis vor wenigen Tagen hatten sich die Bremer dem Wort Abstiegskampf strikt verweigert, wollten partout das ausgegebene Saisonziel vom Europapokal nicht revidieren. Obwohl die Talfahrt der Hanseaten längst nicht mehr wegzuleugnen war und selbst die Fans nur noch mit purem Existenzkampf rechnen. Nun nahm Kohfeldt also endlich auch das böse "A"-Wort in den Mund.

Wir haben das Wort Abstiegskampf bisher vermieden, weil wir gesagt haben, es geht nicht nur ums Kämpfen. Aber jetzt ist es die Haupttugend, es zu erzwingen. Das muss jeder merken.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Erzwingen muss es Werder noch zwei Mal bis Weihnachten, es wird Werders Woche der Wahrheit. Am Dienstag im Heimspiel gegen Mainz 05 und am Samstag beim 1. FC Köln müssen jeweils drei Punkte her – sonst wird es eine trübe Winterpause für die Bremer. "Es wird die Woche, in der man noch die Chance hat, dafür zu sorgen, dass wir in der Winterpause durchatmen können und uns finden können", zitiert die "Deichstube" Trainer Kohfeldt. Bereits nach der bitteren Pleite gegen Ligaschlusslicht Paderborn hatte er darüber sinniert, dass seine Mannschaft in der Hinrunde nie in ihren Rhythmus gekommen war. Auch der vielen Verletzten wegen.

"Das ist jetzt Abstiegskampf"

Doch um seinen prägnanten Spielstil, die offensive, attraktive und auch riskante Art zu spielen, geht es es Kohfeldt primär erst einmal nicht mehr. "Jetzt ist es wichtig zu punkten – egal wie", betonte Kohfeldt. Und das hat man von ihm bisher nicht gehört. "Das ist jetzt Abstiegskampf, da zählen andere Dinge als die feine Klinge", fügte er hinzu. Gegen Mainz müsse man es nun "erzwingen". Schön zu spielen, aber nicht zu gewinnen, wie es in dieser Saison öfter passiert war, soll nun passé sein.

Kohfeldt hatte das Minimalziel ausgegeben, dass bis Weihnachten mindestens 20 Punkte auf dem Konto stehen sollen. Das würde Werder nur noch mit zwei Siegen erreichen können, "und das ist auch noch möglich", betonte der Bremer Coach. Dann wäre zwar die Winterpause nicht mehr ganz so deprimierend, aber Kohfeldt wollte seine ehrliche Meinung trotzdem nicht verhehlen: "Das ist eine Scheiß-Saison..."

Florian Kohfeldt hält tröstend Fin Bartels im Arm und ist umringt von enttäuschten Spielern.
Enttäuschung pur: Werder-Trainer Florian Kohfeldt (rechts) musste nach der 1:6-Klatsche gegen Bayern seine Spieler trösten. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 14. Dezember 2019, 19:45 Uhr