Debakel gegen Bayern: Pavlenka ist Werders ärmste Sau

Werders Keeper Jiri Pavlenka hatte einen überragenden Tag. Seine Mitspieler dagegen leider einen desolaten. Sie ließen ihn allein, kassierten so sechs Gegentore.

Florian Kohfeldt umarmt tröstend Torhüter Jiri Pavlenka, der mit finsterer Miene schaut.
Trost gefällig? Keeper Jiri Pavlenka wirkte eher sauer, dass seine Glanzparaden nicht ausreichten und Werder trotzdem eine Klatsche gegen Bayern kassierte. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Am Ende war Florian Kohfeldt als Tröster gefragt. Oben auf der Videowand in der Münchner Arena leuchtete das katastrophale Ergebnis von 1:6 für Werder wie eine überdimensionale, hämische Leuchtreklame auf. Als wäre das Debakel, das die Bremer in den vergangenen 90 Minuten auf dem Rasen erlebt hatten, an sich nicht schon schlimm genug gewesen.

Kohfeldt ging zu seinen Spielern, tätschelte ihnen die Schulter oder nahm sie direkt in den Arm. Was sollte der Trainer in diesem Moment auch groß sagen? Seine Spieler wussten schließlich selber, dass sie sich von den Bayern hatten vorführen lassen und am Ende einfach wehrlos überrollen ließen.

"Pavlas hat gut gehalten"

Keeper Jiri Pavlenka pariert mit vollem Körpereinsatz einen Schuss von Robert Lewandowski.
Diese Chance von Robert Lewandowski (Mitte) konnte Jiri Pavlenka (rechts) noch furios vereiteln. Bild: Imago | Sven Simon

Dann ging Kohfeldt zu Jiri Pavlenka und drückte ihn an sich. Der tschechische Keeper mag das eigentlich gar nicht so gerne, er will lieber direkt wissen, was er falsch gemacht hat. Kein Betüdeln, kein übertriebenes Lob, wenn es nicht angebracht ist. Kein Süßholz raspeln. Ganz nüchtern. Aber dieses Mal war einfach der Moment für ein bisschen Trost, denn Pavlenka war am Samstag die ärmste Sau von Werder Bremen.

"Pavlas hat gut gehalten", sagte Kohfeldt später und das war sogar untertrieben. Obwohl Pavlenka ein halbes Dutzend Gegentreffer kassiert hatte, war er doch der stärkste Bremer auf dem Platz – und eben irgendwie auch der große Verlierer. Der Tscheche musste in dieser Saison schon viel Kritik einstecken, aber gegen die Bayern spielte Pavlenka überragend. Seine furiosen Paraden konnte man kaum zählen, mit denen er eigentlich sichere Treffer von Robert Lewandowski, Philippe Coutinho oder Serge Gnabry abwehrte.

"Haben richtig auf die Fresse gekriegt"

Dass er trotzdem sechs Mal hinter sich greifen musste war nicht Pavlenkas Schuld. Er hatte keinen Fehler gemacht und mehr noch, vielleicht ein zweistelliges Ergebnis der Münchner vereitelt. Doch das alles nützte Werders Nummer Eins nichts. Denn seine Vorderleute, die defensiv gar eine Fünferkette bildeten, hatten ihn ab dem Ende der ersten Halbzeit kläglich im Stich gelassen. "Wir haben das dumm verteidigt, ihnen zu viele Räume gelassen und es nicht hinbekommen, nach vorne zu verteidigen", meinte Verteidiger Michael Lang selbstkritisch. Auch Maximilian Eggestein haderte mit der desolaten Leistung seiner Mannschaft.

Insgesamt darfst du nicht sechs Tore kriegen. Wir müssen das besser verteidigen. Wir dürfen uns nicht so abschießen lassen. Heute haben wir richtig auf die Fresse gekriegt.

Werder-Profi Maximilian Eggestein

Kurz vor der Halbzeitpause hatten die Bayern die Partie mit einem Doppelschlag durch Coutinho und Lewandowski zum 2:1 gedreht, Werder verlor dabei Theodor Gebre Selassie verletzt. Obwohl sie mit einem fulminanten Kracher von Milot Rashica in Führung gegangen waren, erholten sich die Bremer nach der Pause nicht mehr. Im Gegenteil. "Am Ende war es konfus", bedauerte Kohfeldt. Nur Pavlenka behielt bis zum Abpfiff seine Sinne bei sich. Kaufen konnte er sich davon an diesem bitteren Abend nichts. Doch vielleicht würde seine furiose Leistung seine Mitspieler etwas anstacheln, sich am Dienstag im ersten Entscheidungsspiel gegen Mainz 05 auch etwas mehr zusammenzureißen.

Jiri Pavlenka und Philippe Coutinho rutschen aufeinander zu, um den Ball zwischen ihnen zu erreichen.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 14. Dezember 2019, 19:45 Uhr