Kommentar

Werders Verlängerung mit Baumann ist kein Signal des Aufbruchs

Frank Baumann steht neben einer Stange
Dass Werder nur noch gegen kleinere Kaliber spielt, liegt zu einem erheblichen Anteil an Baumanns Arbeit, findet unser Autor Karsten Lübben. Bild: Imago | Nordphoto

Frank Baumanns Bilanz bei den Bremern überzeugt unseren Redakteur Karsten Lübben nicht. Seiner Auffassung nach hätte im Sommer ein frischer Sportchef kommen müssen.

Im Erfolg, das ist eine alte Weisheit, werden die Fehler begangen. So verhält es sich meiner Auffassung nach auch mit der Verlängerung des Vertrags von Sportchef Frank Baumann bei Werder. Klar, momentan ist die Stimmung bei den Bremern super. Doch Siege gegen Erzgebirge Aue, Jahn Regensburg, den SC Paderborn oder Hansa Rostock können nicht der Anspruch des Klubs sein.

Dass Werder nur noch gegen diese kleineren Kaliber spielt, liegt zu einem erheblichen Anteil an Baumanns Arbeit. Als dieser im Mai 2016 den Job von Thomas Eichin übernahm, hatten die Bremer den Abstieg kurz zuvor noch einmal abgewendet. Nun, zur erneuten Verlängerung des Vertrags im Februar 2022, spielt der Klub in der 2. Liga. Wo hat Baumann Werder in den vergangenen sechs Jahren weiterentwickelt?

Junge Spieler mit hohem Wertsteigerungspotenzial fehlen

Sicher, es war nicht alles schlecht. Die Rückholaktion von Max Kruse im Sommer 2016 war ebenso ein Coup wie der Transfer von Davy Klaassen zwei Jahre später. Allein: Eine Handschrift, die den Klub voranbringt, ist nicht erkennbar. Der Weg für Werder muss es sein, junge Spieler mit hohem Wertsteigerungspotenzial zu verpflichten, um diese dann mit einem satten Gewinn weiterzuverkaufen. Klubs wie Eintracht Frankfurt und Mainz 05 machen es vor.

Baumann hingegen ging 2019 bei Werder "All In". Auch ohne Kruse sollten erfahrene Spieler wie Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak oder Niclas Füllkrug den Klub in den Europapokal führen. Das bittere Ergebnis ist bekannt. Auch Füllkrugs Verpflichtung sollte im Nachhinein nicht verklärt werden. Ja, gemeinsam mit Marvin Ducksch bildet er in der 2. Liga ein hervorragendes Sturm-Duo. In Anbetracht seiner schweren und häufigen Verletzungen und seiner zugedachten Rolle als Stammspieler im Sturm war der Transfer mit Blick auf die Höhe der Ablöse kein guter Deal.

Das Festhalten an Kohfeldt war ein katastrophaler Fehler

Für seine Arbeit nach dem Abstieg im Sommer hat Baumann wiederum auch Lob erhalten. Zurecht. Bereits vorab war es vernünftig, in den Verträgen der Spieler den Passus zu verankern, dass das Gehalt in der 2. Liga sinkt. Zudem ist es ihm gelungen, die im Sommer nötigen 30 Millionen Euro durch Spielerverkäufe einzunehmen. Der zusammengestellte Kader ist konkurrenzfähig, um im Kampf um den Aufstieg mitzumischen.

Letztlich hat Baumann jedoch nur die Suppe ausgelöffelt, die er sich und Werder zuvor eingebrockt hatte. Das viel zu lange Festhalten an Florian Kohfeldt war fahrlässig und ein katastrophaler Fehler, der Werder nicht nur den Klassenerhalt, sondern auch zahlreiche Millionen Euro gekostet. Dabei war längst erkennbar, dass mit Kohfeldt an der Weser kein Trainer des Kalibers Julian Nagelsmann oder Jürgen Klopp heranwächst.

Anfangs Verpflichtung war richtig

Dafür lag Baumann im Anschluss sowohl mit Markus Anfang als auch mit Ole Werner richtig. Ja, Anfangs Aus durch die Impfpass-Affäre hat Werders Image zwischenzeitlich beschädigt. Allerdings hat dieser nach dem Abstieg wichtige Aufbauarbeit geleistet, von der nun auch Ole Werner profitiert. Werner und Werder – das passt einfach. Allerdings war dessen Verpflichtung kein Coup von Baumann. Er hat diesen nicht in den Niederungen der Regionalliga entdeckt, sondern Werner hatte sich zuvor durch seine Arbeit bei Holstein Kiel in der 2. Liga bereits einen Namen gemacht.

Der neue Coach hat den Fans den Spaß an Werder zurückgebracht und lässt mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Für Baumanns Verbleib trifft dies nicht zu. Die Verlängerung seines Vertrages empfinde ich nicht als Signal des Aufbruchs, denn als Sportchef hat der Klub von seiner Arbeit bisher nicht nachhaltig profitiert. Es wäre daher besser gewesen, wenn Baumann sich im Sommer – im Optimalfall mit dem Aufstieg – verabschiedet hätte. Und Werder fortan nicht nur mit Werner, sondern ab dann auch mit einem frischen Sportchef an einer besseren Zukunft gearbeitet hätte.

Die Werder-Personalie Baumann: "Haben auch andere Namen diskutiert"

Bild: Radio Bremen

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