Baumann erwartet Einsicht: Hat Füllkrug noch eine Werder-Zukunft?

Video vom 20. Oktober 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann in der Nahansicht bei einer Pressekonferenz auf dem Podium.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
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Für drei Tage hat Werder Niclas Füllkrug nach einem Disput mit Clemens Fritz suspendiert. Am Donnerstag wird in einem Gespräch über Füllkrugs Zukunft entschieden.

Schon im Spielertunnel war er losgegangen, der Streit zwischen Niclas Füllkrug und Clemens Fritz. Der Werder-Stürmer Füllkrug war am vergangenen Sonntag nach dem Abpfiff stinksauer. Über die 0:3-Klatsche in Darmstadt, seine erneute, späte Einwechslung, seine penetrante Torflaute, seine ganze vermaledeite Gesamtsituation eben.

Der Frust musste raus und Füllkrug ließ ihn auch direkt raus – der Sportliche Leiter Fritz bekam es ab. Bis in die Kabine zog sich der hitzige, lautstarke Disput und Füllkrug überzog es dabei wohl so arg, dass ihn Werder für drei Tage suspendierte bis zu diesem Mittwoch. "Wir konnten danach nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Sein Verhalten war einfach zu viel", sagte Sportchef Frank Baumann am Mittwoch.

"Niclas muss Einsicht bekommen"

Erst mit diesem Tag machte Werder Bremen die Suspendierung von Füllkrug öffentlich und Baumann begründete die Entscheidung des Vereins und erklärte zudem, was man sich nun von Füllkrug erwarte.

Niclas hat sich entschuldigt, aber das Wichtigste ist, dass er eine grundsätzliche Einsicht bekommt. Über seine Situation, seine Reaktion, über sein Verhalten nach dem Spiel. Über seine Rolle in der Mannschaft, seine Pflichten. Darüber werden wir morgen mit ihm nochmal sprechen.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Mittwoch

Sollte es Füllkrug im Gespräch am Donnerstag gelingen, die Vereinsverantwortlichen zu überzeugen, dass er reuig und einsichtig ist, dann betonte Baumann, werde man den Stürmer wieder in die Mannschaft integrieren und weitermachen.

Baumann über Füllkrug: "Von Niclas muss Einsicht kommen"

Video vom 20. Oktober 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann gestikuliert bei einer Pressekonferenz.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
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Schicksals-Gespräch am Donnerstag

Doch wenn Füllkrug, der sich am Sonntagabend bereits bei Fritz, dem Trainerteam und der Mannschaft entschuldigt hatte, nicht genügend Einsicht zeigt, dann dürften sich die Wege wohl bald trennen.

Wenn wir das bei Niclas nicht spüren, wenn das nicht deutlich genug ist, dann macht es keinen Sinn. Dann müssten wir dementsprechend reagieren. Wie das dann aussieht, werden wir morgen besprechen.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Mittwoch

Für Füllkrug ist die Gesamtsituation bei Werder schon lange frustrierend. Eigentlich sollte er eine Hauptrolle im Angriff spielen, gibt aber seit der Verpflichtung von Marvin Ducksch nur den glücklosen Joker. Nach dem Darmstadt-Spiel wurde Füllkrug dann auch noch von Trainer Markus Anfang öffentlich kritisiert: "Auch der, der reinkommt, kann mal einen Akzent setzen und eine Partie drehen."

"Niclas ist ein sehr emotionaler Mensch"

Baumann dagegen sah die Kritik Anfangs an Füllkrug als viel nebensächlicher im Nachgang des Darmstadt-Debakels, sie sei lediglich von den Medien aufgebauscht worden. Doch Füllkrugs völlige Verunsicherung ist unübersehbar, zudem hatte er sich zuletzt öffentlich als Verlierer bei Werder bezeichnet. Seine Probleme scheinen tiefgreifender zu sein.

Niclas ist ein sehr emotionaler Mensch. Das entschuldigt nicht diese Reaktion. Aber er ist auch ein Mensch, der sich reflektiert.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Mittwoch

Füllkrug spielte bereits seit 2006 bei Werder in allen Jugendmannschaften, zu dieser Zeit war Clemens Fritz noch bei den Profis aktiv. Und so lange kennen sich beide bereits. Baumann wundert es daher nicht, dass sich Füllkrugs Frust gerade an Werders Ehrenspielführer entlud.

Besonderes Verhältnis zu Fritz – bis zum Disput

"Niclas hat ein besonderes Verhältnis zu Clemens, die beiden kennen sich seit Jahren", sagte Baumann: "Vielleicht ist das auch mit ein Grund gewesen, dass die Hemmschwelle da ein bisschen geringer war."

Baumann glaubt nicht, dass von diesem Disput etwas zwischen den beiden nachbleiben wird. Nichtsdestotrotz hörte in der Kabine nach dem Darmstadt-Spiel die Freundschaft aber offenbar auf und es wurde ein offizielles Delikt im Verein, das hinter Füllkrugs Zukunft nun bis zum Donnerstag ein dickes Fragezeichen setzt.

Werder-Experte zu Füllkrugs Zukunft: "Da ist ein ziemlich tiefer Riss"

Video vom 20. Oktober 2021
Sportreporter Axel Pusitzky als Talkgast im Sportblitzstudio.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. Oktober 2021, 18:06 Uhr