Baumann: Das Transfergeschäft wird sich verändern

Werder ist optimistisch, selbst bei Saisonabbruch in der Bundesliga zu bleiben. Geschäftsführer Frank Baumann erwartet wegen der Corona-Krise mittelfristig weniger Einnahmen.

Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann schaut etwas verlegen bei einer Pressekonferenz
Auch wenn der Ball aktuell ruht: Langeweile kommt bei Werder-Geschäftsführer Frank Baumann nicht auf Bild: Imago | foto2press

Auch wenn der Fußball in den vergangenen Wochen eher in den Hintergrund gerückt ist, hat Werder-Geschäftsführer Frank Baumann gut zu tun. Obwohl Homeoffice das Gebot der Stunde ist und der Verein alles versucht, seinen Mitarbeitern das mobile Arbeiten zu ermöglichen, macht sich Baumann nahezu täglich auf den Weg in die Geschäftsstelle. Vor allem die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise beschäftigen die Werder-Verantwortlichen rund um die Uhr. Es sei eine "sehr herausfordernde und schwierige Situation“, sagte Baumann in einem Gespräch mit Medienvertretern am Montag. Dennoch sei der Verein auf alle Eventualitäten, sprich: selbst auf einen vorzeitigen Abbruch der Saison vorbereitet.

Wir sind nach wie vor optimistisch, notfalls auch im Wort-Case-Szenario weiter Bestandteil der Bundesliga zu sein.

Frank Baumann, Werder-Geschäftsführer

Obwohl der Ball augenblicklich ruhen muss, geht auch die Kaderplanung weiter. Spieler live zu sichten ist zwar nicht mehr möglich, doch der Verein decke die Scoutingarbeit über Videos und Datenbanken ab. "Wir sind intensiv dabei, über unser Netzwerk aktiv zu bleiben“, sagt Baumann. Grundsätzlich gestalte sich die Planung schwierig. Nicht nur, weil unklar ist, in welcher Liga Werder in den nächsten Saison spielt, sondern auch, weil die finanziellen Folgen der Corona-Krise noch nicht abzusehen sind.

Irrwitzige Transfersummen nicht mehr zu erwarten

Erhebliche Auswirkungen auf den Transfermarkt habe die Corona-Krise in jedem Fall, so Baumann: "Dafür muss man kein Prophet sein.“ Schließlich seien alle Klubs von den Auswirkungen der Krise betroffen. Soll heißen: Die massiven Einnahmen durch Spielerverkäufe in den vergangenen Jahren werde es in der Form in diesem Sommer – oder wann auch immer die Vorbereitungen für die kommenden Spielzeit beginnen – nicht mehr geben. Dies habe auch Auswirkungen auf Gehälter und Berater-Provisionen, die in der jüngsten Vergangenheit immer schneller angestiegen waren.

Jetzt haben wir eine Situation, wo wir uns kurzfristig, aber vielleicht auch mittelfristig mit weniger Einnahmen auseinandersetzen müssen. Dann muss man eben auch davon ausgehen, dass Gehälter, Transfersummen und so weiter reduziert werden in den nächsten Jahren.

Frank Baumann, Werder-Geschäftsführer

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bereits feststehende Ablösesummen, die in der Zeit vor Corona festgelegt wurden, nach der Krise einen womöglich wesentlich höheren finanziellen Wert haben. Was vor allem Werder betrifft, da der Verein bei Nicht-Abstieg die bislang ausgeliehen Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt fest verpflichten muss. Für Toprak werden in diesem Fall stolze fünf, für Bittencourt gar sieben Millionen Euro fällig.

Im Gegenzug ist zu bezweifeln, dass Summen wie etwa die kolportierten 38 Millionen für Milot Rashica in der Nach-Corona-Ära noch gezahlt werden. Auf solche Einnahmen ist Werder aber angewiesen, erst recht angesichts zumindest teilweise wegfallender Gelder aus den Bereichen TV und Spielbetrieb.

Keine Spiele mehr vor Ende April

Nach jetzigem Stand pausiert die Fußball-Bundesliga bis zum 2. April, heißt: Tags darauf ginge es weiter. Daran glauben mag aber fast niemand mehr. Auch Baumann nicht: "Ich gehe davon aus, dass wir vor Ende April auf keinen Fall spielen werden."

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Tag, 24. März 2020, 23.30 Uhr