Warum Baumann zeitnahe Millionentransfers für Werder ausschließt

Werders Geschäftsführer vermutet, dass frühestens ab Juli oder August wieder Bewegung in den Markt kommt. Die Grün-Weißen müssen dann jedoch kleinere Brötchen backen.

Frank Baumann trägt einen Mundschutz.
Die Werder-Verantwortlichen um Geschäftsführer Frank Baumann müssen bei zukünftigen Transfers Kreativität beweisen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Obwohl weltweit in den meisten Fußball-Ligen der Ball weiterhin ruht, hat Werders Scouting-Abteilung gut zu tun. Statt Spieler live im Stadion zu sichten, fokussieren sich Scouting-Chef Clemens Fritz und seine Mitarbeiter jedoch auf Videomaterial. Im Blick haben sie dabei auch Ligen und Spieler, die für gewöhnlich eher unter dem Radar bleiben. Der Grund: Werder muss mit einem überschaubaren Transferbudget planen. Schuld daran sind zum einen die finanziellen Belastungen aufgrund der Corona-Krise. Zum anderen aber ist weiter unklar, in welcher Liga die Grün-Weißen in der kommenden Saison auflaufen werden. Eine Situation, die es Geschäftsführer Frank Baumann schwierig macht, die Personalplanung anzugehen, wie er am Freitag in einer Pressekonferenz mitteilt.

Natürlich ist eine Ungewissheit vorhanden. Wir müssen in gewissen Szenarien denken und haben Ideen, wie wir unseren Kader besetzen. Die ein oder andere Personalie gehen wir auch schon an.

Werder-Geschäftsführer Frank Baumann

Weil im Zuge der Corona-Pandemie die Bundesliga die restlichen Saisonspiele vor leeren Rängen austrägt, fehlen Werder eigenen Schätzungen zufolge zwischen sieben und acht Millionen Euro an Ticketeinnahmen. Da wiederum auch einige wirtschaftliche Partner des Vereins von der Krise betroffen sind, könnten fest einkalkulierte Sponsor-Einnahmen wegfallen. Werder rechnet daher für das laufende Geschäftsjahr mit Mindereinnahmen von 20 Millionen Euro. Der Klub ist mit seinen Sorgen aber nicht alleine. Auch deswegen geht es bislang auf dem Transfermarkt verhältnismäßig eher ruhig zu.

Leonardo Bittencourt reckt nach dem Tor gegen Freiburg beide Zeigefinger in die Höhe.
Wechselt im Falle des Klassenerhalts für rund sieben Millionen Euro zu Werder: Leonardo Bittencourt. Bild: Pool/gumzmedia/nordphoto

Wenn es überhaupt etwas zu vermelden gibt, sind es überwiegend Gerüchte oder auslaufende Verträge, die nicht verlängert werden, wie etwa im Falle von Dortmunds Mario Götze. Baumann vermutet, dass es fürs Erste dabei bleiben wird. "Vielleicht wird es den ein oder anderen Transfer geben, aber ich glaube nicht, dass es in den nächsten zwei, drei Wochen losgeht", sagt der 44-Jährige. Dass sein Klub im Zuge dessen die Verpflichtung eines Hochkaräters bekanntgibt, ist mehr als unwahrscheinlich: "Einen Transfer im siebenstelligen Bereich würde ich zeitnah ausschließen", so Baumann. Die "große Masse" an Transfers werde seiner Einschätzung nach ohnehin erst im Juli oder August über die Bühne gehen.

Bei Nicht-Abstieg greifen zwei Kaufpflichten

Sollte Werder jedoch die Klasse halten, stünden zwei millionenschwere Zugänge definitiv fest – ob gewollt oder nicht. Denn in diesem Szenario greift bei den bislang ausgeliehenen Ömer Toprak (aus Dortmund gekommen) und Leonardo Bittencourt (Hoffenheim) jeweils eine Kaufpflicht. Ausgehandelt hat Werder die zu zahlenden Summen allerdings vor der Corona-Krise und mit der damaligen Zielvorgabe, im kommenden Jahr in Europa zu spielen. Während für Toprak dem Vernehmen nach 4,5 Millionen Euro fällig wären, müsste der Verein für Bittencourt sogar sieben Millionen Euro bezahlen. Geld, das Baumann und Co. vermutlich gerne an anderer Stelle verwenden würden.

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Video vom 27. Mai 2020
Der Himmel hinterm Weserstadion ist gelb. Einige Personen spazieren an der Weser.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. April 2020, 23:30 Uhr