Keine Chance für Robert Bauer?

Unter Alexander Nouri mauserte sich Robert Bauer zum variabel einsetzbaren Stammspieler. Unter Florian Kohfeldt hat der Verteidiger aber bisher keine Minute gespielt.

Werder-Profi Robert Bauer schaut kess in eine Kamera in Vogelperspektive.
Derzeit nur auf der Bank: Robert Bauer wechselte im Sommer 2016 vom FC Ingolstadt an die Weser und absolvierte bisher 36 Bundesligapartien für Werder. Bild: Andreas Gumz

Trainerwechsel bringen immer Gewinner, aber auch ein paar Verlierer mit sich. Mancher längst aussortierte Spieler bekommt plötzlich eine neue Chance. Doch andere, die eigentlich eine feste Rolle in der Mannschaft spielten, finden sich auf der Bank wieder. Robert Bauer gehört zu den Verlierern. Unter Florian Kohfeldt hat der 22-Jährige noch keine Minute Einsatzzeit bekommen.

Unter Alexander Nouri spielte Bauer die ersten acht Partien dieser Saison noch durch, mal als Verteidiger und manchmal im Mittelfeld. Nouri gefiel Bauers Variabilität. Auf der rechten Außenverteidiger-Position wird nun aber regelmäßig Theodor Gebre Selassie eingesetzt, der bei Nouri nicht immer erste Wahl war. Und Kohfeldt ist zufrieden mit Gebre Selassies Leistung: "Theo hat funktioniert, da tut man sich schwer, etwas zu verändern. Und wir sind nicht in einer Situation, in der wir Geschenke verteilen müssen."

"Robert muss sauer sein"

Das klingt zwar hart, aber Werder steckt im Abstiegskampf, und Konkurrenz gehört eben zum Profi-Geschäft. Spieler wie Florian Kainz, Izet Hajrovic oder Ishak Belfodil zählen derzeit auch nicht zum Stammpersonal, doch Kohfeldt möchte die bisherigen Personalentscheidungen nicht als in Stein gemeißelt verstanden wissen. "Wer spielt, hängt von den Trainingsleistungen und den Gegnern ab", betont der Werder-Coach, "auch, wenn der ein oder andere noch nicht eingewechselt wurde, ist das auf keinen Fall eine Schublade. Keiner ist bombenfest Stammspieler."

Robert Bauer mit einem Rechtsschuss während des Trainings.
Voller Einsatz im Training: Das fordert Trainer Kohfeldt von allen Spielern – auch von den Reservisten wie Bauer. Bild: Andreas Gumz

Doch bei Bauer sitzt der Frust tief. Auch gegen Stuttgart durfte er sich im Weser-Stadion nur 90 Minuten lang an der Seitenlinie aufwärmen – und wurde wieder nicht eingewechselt. Und natürlich wird dann genau hingeschaut, wenn Bauer verärgert sein Leibchen hinwirft. "Natürlich ist er sauer darüber, dass er nicht spielt", zeigt Kohfeldt Verständnis: "Wenn er nicht sauer wäre, wäre es auch falsch. Er muss sauer sein." Stress mit Bauer habe er aber nicht, betont der Trainer. Er sei mit allen Spielern im Austausch, spreche über die Trainingsleistungen und Taktisches. "Wir wollen jeden Spieler besser machen", sagt Kohfeldt: "Ich kann ja nicht immer sagen: Jeder Spieler ist wichtig. Und ihn dann links liegen lassen. Das wäre der falsche Weg."

Raus aus der Schmollecke

Am Samstag muss Werder gegen Dortmund ran, da wären etwas defensivere Qualitäten, wie Bauer sie besitzt, eigentlich gefragt. Doch ob er endlich mitspielen darf, ist offen. "Versprechen kann ich keinem was. Das wäre fahrlässig", stellt Kohfeldt klar, "ich will mich nicht festlegen und die Trainingswoche abwarten." Bauer bleiben bis Samstag also noch ein paar Einheiten Zeit, um den Trainer von sich zu überzeugen. Und der fordert von seinen Spielern, sich nicht in die Schmollecke zu verkriechen.

Robert ist frustriert. Aber ich empfinde ihn nicht so, dass er sich zurückzieht, bockig ist und nichts macht. Sondern er versucht, seine Leistung zu bringen. Und das ist genau der richtige Weg.

Florian Kohfeldt, Werder-Trainer
  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. Dezember 2017, 18:06 Uhr