Bremer Polizei will Strategie bei Fußballspielen ändern

  • Auseinandersetzung begann vor einem Lokal
  • Ultras prügeln sich mit Kneipengästen
  • Polizei schlichtete Streit mit Großaufgebot
Polizeieinsatz im Steintorviertel
Der Polizei Bremen gelang es, den Streit schnell zu beenden. Bild: Andreas Gumz | Gumzmedia

Im Bremer Steintor-Viertel hatten linke Werderfans am späten Samstagnachmittag eine Kneipe angegriffen. Die Szene war selbst fürs Bremer Viertel alles andere als alltäglich. Da maschierten auf einmal rund hundert linke Ultras vom Steintor in Richtung Sielwall. Plötzlich fingen sie an zu rennen und vermummten sich. Dann flogen Flaschen, Dosen und Steine. Die Scheiben einer Kneipe gingen zu Bruch. Die Gäste des Lokals rannten wütend auf die Straße, bewaffnet mit Stühlen und Tischbeinen. Zwischen den beiden Gruppen gab es eine kurze Schlägerei. Dann ging die Polizei dazwischen.

Polizeifahrzeuge im abendlichen Bremer Steintorviertel
Mit einem Großaufgebot hat die Polizei dem Streit im Steintorviertel ein Ende gesetzt.

Elf Menschen wurden in Gewahrsam genommen, sind inzwischen aber wieder frei. Bei der Schlägerei wurden nach jüngsten Informationen mindestens fünf Menschen verletzt. Ob es sich bei den Verletzten um Gäste oder um Ultras handelte, ist noch unklar. Ein Verletzter wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Man kann durchaus sagen, dass die Werder-Fans dachten, sie hätten Leute aus diesen Lagern erkannt.

Sprecher der Polizei Bremen
Polizisten stehen neben auf dem Boden liegenden Menschen
Die Polizei hatte zunächst viele mutmaßliche Beteiligte festgesetzt.

Nach Polizei-Ermittlungen vom Wochenende ging es hier vermutlich mal wieder um eine Auseinandersetzung zwischen rechter und linker Szene. Die Ultras nahmen laut Polizei wohl an, dass rechte Hooligans in der Kneipe saßen. Für die elf Tatverdächtigen geht es unter anderem um schweren Landfriedensbruch. Um ihnen Verfehlungen nachweisen zu können, hat die Polizei eine spezielle Ermittlungsgruppe zusammengestellt. Einsatzleiter Rainer Zottmann sprach von rücksichtslosen Gewalttätern, denen es offenbar völlig egal sei, dass auch Unbeteiligte verletzt werden könnten. Er kündigte an, dass die Polizei ihre Einsatztaktik bei Fußballspielen ändern will.

Ob es sich aber auch wirklich um Leute aus dieser Szene gehandelt habe, müssten die Ermittlungen erst noch ergeben. Sicher sagen konnte die Polizei nur, dass es sich bei den Gästen in der Kneipe nicht um Mainzer Fans handelte. Diese waren bereits unter Polizeibegleitung aus Bremen abgereist. Die Polizei war nach Angaben des Einsatzleiters mit etwa hundert Beamten vor Ort. Mehrere Beteiligte wurden festgenommen.

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Polizei verhindert geplante Schlägerei am Stadtrand

Bereits am frühen Samstagnachmittag hatte die Bremer Polizei eine offenbar geplante gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen aus dem Umfeld der Fußball-Bundesligaszene verhindert.

Die eine Gruppe hatte unter dem Vorwand, einen Junggesellenabschied feiern zu wollen, einen Bus in Mainz angemietet. Um keinen Verdacht zu erregen, sicherten sie schriftlich zu, mit Fußball nichts zu tun zu haben, wie die Polizei mitteilte. Als sich die 37 Männer an einer Raststätte kurz vor der Bremer Landesgrenze umzogen, kamen dem Busfahrer Bedenken und er alarmierte die Polizei. Diese leitete den Bus in ein Industriegebiet und sprach ein sogenanntes Betretungsverbot der Stadt aus, bevor sie die Männer mit den Bus zurück nach Mainz schickte.

Gruppe aus Bremen bis Spielende in Polizeigewahrsam

Zeitgleich wurden Einsatzkräfte der Bremer Polizei im Industriegebiet Brinkum-Stuhr auf ein Auto-Corso mit bekannten Unterstützern aus der Bremer Fußballszene aufmerksam. Eine Überprüfung beider Gruppen bestätigte den Verdacht, einer zuvor vereinbarten körperlichen Auseinandersetzung der angeblichen Fußballfans. Die Bremer Gruppe wurde bis zum Spielende in Polizeigewahrsam genommen. Es wurden Verfahren wegen versuchten Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Waffengesetz eingeleitet.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 18. Dezember 2017, 7 Uhr