Exklusiv

Werders Leitwolf Jung: "Viele hätten uns gerne stolpern sehen"

Wie Anthony Jung zu Werders Führungsspieler wurde

Bild: Imago | Nordphoto

Bei den Bremern fehlen fünf Stammkräfte, doch das fällt kaum auf. Auch, weil erfahrene Spieler wie Verteidiger Anthony Jung die Führungsrolle nahtlos übernehmen.

Das glückliche Lächeln ist zurück bei Anthony Jung, und vielleicht schwingt auch eine Spur Genugtuung mit. Nur eine kleine. Doch dieser 1:0-Sieg am vergangenen Samstag gegen Darmstadt 98 hat gut getan.

Denn Werders zweite Reihe musste einspringen, weil Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt, Marco Friedl, Marvin Ducksch und Mitchell Weiser ausfielen. Die jungen Spieler mussten ran. Und viele Zweitliga-Konkurrenten hatten gehofft, dass Werder nun Punkte lassen würde.

Ich denke, es war auch ein Zeichen an die Liga. Der Großteil hätte uns gerne stolpern sehen. Aufgrund der Ausfälle war es für uns eine Chance zu zeigen, dass die Qualität des Kaders auch in der Breite gut ist.

Werder-Verteidiger Anthony Jung im Sportblitz

"Er ist unbestritten Leistungsträger"

Dass gerade jene Spieler, die unter Trainer Ole Werner lange nicht zum Zuge gekommen waren, ihre Chance genutzt hatten, sieht Jung im Gespräch mit dem Sportblitz nicht als selbstverständlich. Der 30-Jährige hatte jedoch seinen Anteil daran.

"Aufgrund meiner Erfahrung kommt es auf mich oder auch Christian Groß an, mit denen zu sprechen, die jetzt reingeworfen werden", betont Jung: "Man hat eben schon das ein oder andere erlebt." Jung war im Sommer vom dänischen Meister Bröndby IF als erster Neuzugang nach Bremen gekommen, fügte sich sofort ein. Der Verteidiger ist kein Lautsprecher, aber einer der Leitwölfe bei Werder.

Er ist unbestritten Leistungsträger. Er zeigt sehr stabile Leistungen und bringt viel Erfahrung mit. Auch wenn er nicht im Mannschaftsrat ist, gehört er zu denen, die die Mannschaft mit führen.

Werder-Trainer Ole Werner über Anthony Jung

"Ömer zu ersetzen, ist gar nicht möglich"

Werder-Kapitän Ömer Toprak im gelben Leibchen im Gespräch mit Trainer Ole Werner am Rande des Trainings.
Kapitän Ömer Toprak (links) wird Werder mit einer Muskel-Sehnen-Verletzung vermutlich länger fehlen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

In diesen Tagen ist Jung besonders gefordert, denn es gilt vor allem den Abwehrchef und Kapitän Toprak eine Weile zu ersetzen. Geht das? "Ömer eins zu eins zu ersetzen, ist gar nicht möglich", gibt Jung offen zu: "Das ist ein herausragender Spieler. Vor dem Spiel war er in der Kabine, versucht sich außerhalb des Platzes weiter einzubringen, so gut es geht." Doch auf dem Platz fehlt Werders Chefanführer.

"So etwas fängt man als Team gemeinsam ab und das haben wir auch gut gemacht und werden es weiterhin machen", betont Jung. Er selbst hat seine Wohlfühlrolle inzwischen gefunden, nachdem er im Mittelfeld, als Innenverteidiger und linker Verteidiger flexibel eingesetzt worden war.

Wohl fühle ich mich ganz außen. In der Formation, die wir gerade gespielt haben, auf der linken Flügelposition. Da habe ich jetzt den Rhythmus und die Balance gefunden zwischen mitangreifen und verteidigen.

Werder-Verteidiger Anthony Jung im Sportblitz

Sein Fehlpass ärgert Jung immer noch

Werder-Spieler Anthony Jung fasst sich mit hängendem Kopf vors Gesicht nach dem Gegentor.
Bitterer Moment: Anthony Jung unterlief gegen Hoffenheim ein folgenschwerer Fehlpass. Bild: Imago | Nordphoto

Jung ist ein reflektierter Typ, steht als junger Familienvater mitten im Leben und erwartet als Fußballer viel von sich. Umso schlimmer war es für ihn, dass sein Fehlpass vor zwei Wochen gegen Heidenheim das 0:2 bedingte und die bittere Niederlage für Werder einläutete. Er nahm die Schuld sofort auf sich, doch damit ist es für Jung nicht erledigt.

Ich ärgere mich unheimlich über den Fehlpass. Es soll jetzt nicht so rübergekommen sein, als hätte ich salopp gesagt: 'Ja, war meiner' und das war's dann. Ich ärgere mich unheimlich. Meine schlechte Entscheidung hat zum Gegentor geführt. Deshalb muss ich gar keine Ausreden suchen.

Werder-Verteidiger Anthony Jung im Sportblitz

Trainer Werner hatte sich sofort hinter ihn gestellt und Jung "weiß es zu schätzen, dass mir der Trainer Rückendeckung gibt", sagt er: "Aber ich habe einfach hohe Ansprüche an mich selber." Jung versuchte, sich zu erinnern, wann ihm zuletzt ein solcher Fauxpas unterlaufen war. "Zum Glück ist es schon sehr sehr lange her."

"Gas geben, es geht in die heiße Phase"

Die Länderspielpause ist auch für ihn ein guter Moment, um etwas runterzufahren, Kräfte zu sammeln. "Und dann Gas geben, denn es geht in die heiße Phase", betont Jung. Sandhausen, St. Pauli, Nürnberg und Schalke, es geht für Werder nun Schlag auf Schlag im Saisonendspurt. Und jeder Punkt ist wichtig im Rennen um den Aufstieg.

Es ist unheimlich eng, jedes Spiel ist hart umkämpft. Die Liga wird ihrem Ruf gerecht und es fühlt sich wirklich an, wie die stärkste 2. Liga aller Zeiten.

Werder-Verteidiger Anthony Jung im Sportblitz

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 25. März 2022, 18:06 Uhr