Werders stiller Wirbelwind wird zum Orkan

Reden mochte der scheue Yuya Osako bisher nicht. Aber mit dem Doppelpack gegen Augsburg kam der Japaner so richtig aus sich heraus – auch weil Max Kruse weg ist.

Yuya Osako reckt kämpferisch die Arme nach vorne schreit seinen Jubel exzessiv hinaus.
Hat einen Lauf: Yuya Osako hat nun drei Tore nach drei Spielen auf dem Konto. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und dann lief Yuya Osako einfach weg. Nicht auf dem Spielfeld, obwohl er es dort auch ein ums andere Mal am Sonntagnachmittag zelebriert hatte. Dieses Mal aber wollte sich der 29 Jahre alte Japaner danach aus dem Medienbereich des Weser-Stadions davonstehlen. Kein Wunder, hier hatte Osako in den knapp anderthalb Jahren, in denen er bei Werder Bremen ist, noch nie Halt gemacht. Das ist einfach nicht seine Welt. "Bisschen peinlich", sagte Osako nun lachend und meinte damit sein bemühtes Deutsch, das jedoch kein Grund zur Scham ist.

Reden vor anderen Leuten behagt ihm trotzdem nicht. In der japanischen Kultur wird weiterhin zu absoluter Zurückhaltung erzogen. Man soll sich bloß nicht selbst in den Vordergrund spielen – doch genau das hatte Osako auf dem Rasen in furioser Manier getan. Er war Werders Matchwinner gegen Augsburg, steuerte zwei fulminante Tore zum 3:2-Sieg bei. Und beim Torjubel hatte Osako dann alle Emotionen herausgelassen, die man bisher nie von ihm gekannt hatte. "Ich habe einfach den Kopf frei, bin erleichtert", sagte er. Bisher war Osako bei Werder immer der stille Wirbelwind gewesen. Einer, dessen Qualität zwar oft aufblitzte, doch einfach nicht extrem auffiel. Geredet wurde eben meist über Max Kruse.

In der Mitte zu seiner Mitte gefunden

Yuya Osako reckt auf dem Spielfeld selbstbewusst die Faust hoch.
Ungewohnt selbstbewusst auf dem Spielfeld: Yuya Osako. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Aber seit der ehemalige Kapitän nun weg ist, blüht Osako richtig auf. Endlich darf er im offensiven Mittelfeld in der Mitte spielen, "das ist meine beste Position, das Zentrum". Das hatte er auch Trainer Florian Kohfeldt vor der Saison so gesagt, seinen Platz in der Mitte eingefordert. Schließlich ist Osako aktuell der beste Fußballer Japans. "Ich habe viel mit Yuya geredet, wie er sich seine Rolle vorstellt", meinte Kohfeldt, "ich wusste immer, dass er im Zentrum am stärksten ist." Aber dort war eben lange Zeit Kruses Stammplatz.

Wir hatten mit Max eine sehr prägende Spielerpersönlichkeit mit allen Vorteilen. Max war so wichtig für uns. Er ist ein überragender Spieler und Typ. Aber natürlich können wir unser Spiel auch erst so variabel aufziehen, seit er nicht mehr da ist.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Ohne Kruse ist Werder – und Osako – variabler

Zur Freude von Osako jedenfalls: "Max ist ein super Spieler, aber ich bin ich. Ich muss zeigen, was ich kann. Aber für mich ist es jetzt einfacher." So wirkte es auch, als Osako gleich in der sechsten Spielminute loslegte: Werder eroberte in der eigenen Hälfte den Ball, Niclas Füllkrug spielte den langen Pass in den Lauf des Japaners – und der entwischte an der Mittellinie seinen Gegenspielern und vollendete seinen Sololauf eiskalt mit dem trockenen Schuss unten ins rechte Toreck. 1:0 für Werder und auch den 3:2-Siegtreffer netzt Osako per Volleyschuss mit Wucht am langen Pfosten ein, nach schöner Flanke von Marco Friedl.

Zwei Tore für Osako – und Kohfeldt hatte es angesagt. "Ich wollte ihm etwas Motivierendes sagen und da habe ihn heute Morgen beim Spaziergang in den Arm genommen und gesagt: 'Heute Doppelpack.'" Ob das wohl sein bestes Spiel im Werder-Trikot gewesen sei, wurde Osako gefragt. "Ja, ich denke schon", sagte er und entschuldigte sich fast dafür. Der Orkan Osako wirbelt eben nur auf dem Spielfeld.

Yuya Osako schreit martialisch seinen Jubel heraus.
Emotionen pur: Yuya Osako traf in der 67. Minute gegen Augsburg und besorgte den Siegtreffer zum 3:2. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: NDR, Sportschau Bundesliga am Sonntag, 1. September 2019, 21:50 Uhr