So schätzen Radio-Bremen-Reporter Werders Aufstiegschancen ein

Das Werder-Team bejubelt ein Tor.

Werder startet ins Jahr 2022 und kämpft um den Aufstieg

Bild: Imago | Joachim Sielski

"Klappt es mit dem Wiederaufstieg?" Über diese Frage diskutieren aktuell viele Werder-Fans. Auch in unserer Sportredaktion gehen die Meinungen auseinander.

Am Samstag (13:30 Uhr) geht es für die Bremer in der 2. Liga mit dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf weiter und die Ausgangslage sieht gut aus, denn durch die drei Siege in den ersten Spielen unter Ole Werner beträgt der Rückstand auf den 3. Rang nur noch einen Punkt. Allerdings gibt im Kampf um den Aufstieg auch harte Konkurrenz. Gelingt den Bremen die direkte Rückkehr in die Bundesliga? So schätzen einige unsere Werder-Reporter die Lage ein.

Dino Bernabeo

Dino Bernabeo
Aufstieg oder nicht? Das wird sich erst in den letzten fünf Spielen entscheiden, sagt Dino Bernabeo. Bild: Radio Bremen

Das Aufstiegsrennen bleibt bis zum Schluss spannend. Werder muss in den nächsten Wochen zusehen, dass sie erstmal dran bleiben. Ob es mit dem direkten Wiederaufstieg klappt, entscheidet sich in den letzten fünf Spielen. Dann muss Werder in Form sein und möglichst von Verletzungen und Corona-Fällen verschont bleiben. Bis dahin hat Coach Ole Werner noch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren. Werder darf auch Spiele gegen direkte Konkurrenten verlieren – alles kein Problem. Wenn die Bremer fünf Spieltage vor Schluss drei Punkte Rückstand haben und dann eine Serie starten, steigen sie auf.

Janna Betten

Janna Betten
Janna Betten glaubt an den Wiederaufstieg. Am Ende sei die Mentalität entscheidend. Bild: Radio Bremen | Marissa Kimmel

Werder schafft den Wiederaufstieg. Entscheidend wird sein, dass die Spieler nicht nur daran glauben, sondern "wirklich" daran glauben. Eine innere Stärke aufbauen. Und nicht bei verlorenen Zweikämpfen, Fehlpässen, Gegentoren ins Zweifeln geraten. Keine Entschuldigungen suchen oder auf St.Pauli, Darmstadt oder den HSV gucken. Die Mannschaft hat sich im System gefunden. Spieler wie Niclas Füllkrug, Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak oder Christian Groß wissen doch, dass sie Bundesliga können – Mentalität schlägt alles.

Jan-Dirk Bruns

Jan-Dirk Bruns
Jan-Dirk Bruns traut Werder den Aufstieg zu. Allerdings gebe es bis zum Saisonende noch viele Unwägbarkeiten. Bild: Radio Bremen | Marissa Kimmel

Mit Prognosen ist das so eine Sache. Ich weiß wovon ich rede, denn ich hatte Werder in der vergangenen Saison nach dem Sieg in Bielefeld schon zum Klassenerhalt gratuliert. Immerhin war ich nicht der einzige, der zehn Spieltage vor Schluss und bei neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang, die Bremer gerettet sah. Sei’s drum. Prognosen sind nun nach 18 Spieltagen aus zwei Gründen schwierig. Zum einen ist diese 2. Liga sehr ausgeglichen. Da wird keiner bis zum Ende durchmarschieren. Zum anderen wird Corona noch das ein oder andere durcheinander würfeln: Kaderplätze, Startelf-Einsätze, vermutlich sogar den Spielplan mit Nachholterminen und extremen Belastungen. Ole Werner hat das mit Kiel in der vergangenen Saison schon mal erlebt und trotz zahlreicher englischer Wochen einen bemerkenswerten Endspurt hingelegt, bei dem den Störchen am Ende (in der Relegation) dann doch die Puste ausging und Kiel wider Erwarten nicht aufstieg. Das muss für Werder kein schlechtes Omen sein. Die Tatsache, dass die Bremer überhaupt noch eine reelle Chance auf einen der drei Aufstiegsplätze haben, ist vor allem Werners Verdienst, denn er hat die langersehnte Ruhe in Verein und Mannschaft gebracht. Ich traue Werder mit Werner einen der ersten drei Plätze auf jeden Fall zu. Drauf festlegen, mag ich mich aber nicht. Das habe ich gelernt.

Helge Hommers

Helge Hommers
Helge Hommers glaubt, dass den Bremern noch die Puste ausgeht. Im Sommer 2023 werde dann aber der Aufstieg gelingen. Bild: Radio Bremen | Christian Bordeaux

Werder wird aufsteigen – aber noch nicht jetzt. Denn so hart es auch klingt, auch die grün-weiße Siegesserie unter Ole Werner hat irgendwann ein Ende. Mehr noch: Die Bremer werden unter Werner sogar das ein oder andere Mal verlieren. Zwar spielen die Grün-Weißen in der Rückrunde einen schöneren und erfolgreicheren Fußball als im alten Jahr. Allerdings geht den Bremern in den entscheidenden Aufstiegsduellen und im Saison-Endspurt die Puste aus – was aber kein Beinbruch ist. Erst recht nicht in Anbetracht des Wahnsinns, der hinter dem Klub liegt: Abstiegs-Nachwehen, Pokal-Aus in Osnabrück, immer neue Tiefpunkte (1:4 gegen Paderborn, 0:3 gegen Dresden) und als Krönung der Impfpass-Skandal um Markus Anfang. Kurzum: Sowohl der Verein als auch seine Anhänger werden mit einem vierten oder fünften Platz gut leben können. Auch weil die Bremer nach dem angeblich schweren zweiten Zweitliga-Jahr souverän dorthin zurückkehren, wo sie hingehören. Nämlich ins Oberhaus.

Stephan Schiffner

Stephan Schiffner
Wenn Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug verlässlich treffen, kann es mit dem Aufstieg klappen, sagt Stephan Schiffner. Bild: Radio Bremen | Marissa Kimmel

Es bleibt spannend. Werder hat rechnerisch alle Chancen, ja. Aber die Bremer brauchen mehr Konstanz, müssen vor allem in den Spitzenspielen zulegen. Nur zwei Punkte gegen die "Top 4" der Liga. Das ist mickrig. Tabellenführer St. Pauli hat eine gute, eingespielte Truppe. Zweitliga-Top-Stürmer Guido Burgstaller ist in der Form seines Lebens. Trainer Timo Schultz hat gerade verlängert. Das ist stimmig. Darmstadt auf Platz zwei hat ebenfalls gute Chancen und die beste Offensive. Torjäger Philipp Tietz und Luca Pfeiffer mit bereits 24 Toren. Zehn mehr als Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug. Treffen die beiden aber für Werder so wie zuletzt, ist der Wiederaufstieg möglich.

Heiko Neugebauer

Heiko Neugebauer
Heiko Neugebauer rechnet erst in der kommenden Saison mit einem Bremer Aufstieg. Dann werde es aber ein souveräner Durchmarsch. Bild: Radio Bremen | Thorsten Springer/Winkler Studios

Ich halte es schon für einen Erfolg, dass man in Bremen und umzu überhaupt noch bei der Musik dabei ist – nach allem, was Werder so überstehen musste. Mit Ole Werner scheint nunmehr der richtige Steuermann an Deck zu stehen, und Werder wird auch auf jeden Fall mit ihm aufsteigen. Fraglich scheint mir aber, ob das schon in diesem Jahr der Fall sein wird. Die Mannschaft hat sich meiner Ansicht nach noch nicht wieder ausreichend an das Siegen gewöhnt. Wie auch nach zehn Jahren Abstiegskampf? Diese Mentalität ist es ja aber, die in der entscheidenden Phase der Saison darüber entscheidet, wer hoch geht – und wer drin bleiben muss. Wenn dann im kommenden Sommer der Kader sinnvoll ergänzt wird (vor allem auf der Sechser-Position) und das Team sich noch mehr an den ja immer noch recht neuen Trainer gewöhnt hat, sehe ich die Chancen deutlich besser. Dann wird es einen gnadenlosen Durchmarsch von Werder geben, bei dem der Aufstieg schon zu Ostern feststehen wird. Und Werder wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein!

Karsten Lübben

Karsten Lübben
Für Karsten Lübben ist Werder ein Kandidat, aber kein Favorit auf den Aufstieg. Bild: Radio Bremen

Der Hype um Werder und Ole Werner ist aktuell groß, denn der neue Coach passt nicht nur als Typ in die Stadt, sondern gewinnt bisher auch noch sämtliche Spiele. Dennoch sollte die Lage realistisch betrachtet werden. Mit Aue, Regensburg und Hannover gab es für Werner zum Auftakt machbare Gegner. Zum Lackmustest werden erst die Partien gegen die Topteams St. Pauli, Darmstadt, Schalke und den HSV. Da holte Werder in der Hinrunde nur zwei von zwölf Punkten und wird sich in der Rückserie deutlich steigern müssen. Wichtige Stammspieler wie Ömer Toprak und Niclas Füllkrug sind verletzungsanfällig, können aber nicht adäquat ersetzt werden. Sie müssen bis zum Saisonende fit bleiben, damit es für die Plätze ganz oben reicht. Am Ende kann es mit dem Aufstieg klappen, doch Werder ist in diesem Rennen nur ein Underdog.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 13. Januar 2022, 9:05 Uhr