Was Sie vor dem Kauf einer Werder-Anleihe wissen sollten

Um Schulden und Spielergehälter zu finanzieren, setzt Werder auf eine Mittelstandsanleihe. Der Club lockt mit einem festen Zinssatz, doch die Liste der Risiken ist lang.

Die Werder-Vernantwortlichen Klaus Filbry, Marco Bode und Frank Baumann unterhalten sich.
Die Führung des SV Werder Bremen setzt auf Einnahmen durch eine Mittelstandsanleihe. Anleger sollten sich allerdings über die Verlustrisiken im Klaren sein. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Pandemie und sportliche Flaute haben dem SV Werder Bremen zugesetzt. Um Schulden und Spielergehälter zu finanzieren, setzt der Club nun auf eine Mittelstandsanleihe. Mit anderen Worten: Werder leiht sich Geld von Anlegern. Sie können das grün-weiße Wertpapier noch bis Monatsende zeichnen – und zwar bei der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA, dem rechtlichen Gebilde, mit dem Werder Profifußball, Stadionbetrieb und Finanzgeschäfte abwickelt.

Und auf den ersten Blick klingt das Angebot Werders durchaus verlockend: Denn diejenigen, die bereit sind, die Anleihe zu zeichnen, sollen einen festen Zinssatz zwischen 6 und 7,5 Prozent erhalten, teilt der Verein mit. Die genaue Höhe wird voraussichtlich am 1. Juni festgelegt, also am Ende der Zeichnungsfrist.

1.000 Euro pro Wertpapier

Ab 1.000 Euro pro Stück können Anleger sich eine oder mehrere Werder-Anleihen ins Depot legen, wo sie, wenn sie nicht vorher an der Börse verkauft werden, bis zum 31. Juli 2026 Zinsen einbringen. Am Ende der Laufzeit würde die SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA die Rückzahlung des "geliehenen" Geldes, also 1.000 Euro, an die Anleger veranlassen – so der Plan.

Bis zu 30 Millionen Euro Einnahmen erhofft sich Werder durch die Anleihen.

Sie sind ein Instrument, mit dem wir uns in der jetzigen Situation etwas Beinfreiheit erarbeiten.

Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry

Fans, die über eine Investition in Werders Hochzins-Anleihen nachdenken, sollten sich allerdings auch mit den Risiken vertraut machen, die damit verknüpft sind. Der Klub selbst wirbt zwar auf seiner Website damit, dass Werder Bremen "zu den erfolgreichsten Vereinen der Bundesliga-Historie" zählt, in der ewigen Tabelle auf Platz 3 liege und vier Meistertitel errungen habe. An der Börse wird jedoch nur die Zukunft gehandelt.

Das weiß auch Werder. "Potenzielle Anleger sollten den Wertpapierprospekt lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen", schreibt der Verein daher selbst auf seiner Website. Wer diesem Rat folgt, stellt schnell fest, dass die Liste der Risiken lang ist.

Bankenverhandlungen, Transferflaute, Abstiegsgespenst

Die finanziellen Risiken der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA werden im Anleiheprospekt klar benannt. Die Kurzfassung: Sollte der Klub in der laufenden Spielzeit oder in folgenden Saisons deutlich weniger Geld einnehmen oder Vermögenseinbußen erleiden, könnte es "zu einer Insolvenz der Emittentin kommen". Die geliehene Anleihe könnte dann möglicherweise nicht an die Anleger zurückgezahlt werden.

Konkret zählt Werder folgende besonders wichtige Risiken auf, die den Bestand des Vereins gefährden könnten:

  • Schulden: Das wohl größte Bestandsrisiko ist der hohe Schuldenstand des Vereins. So wies Werder im Zwischenkonzernabschluss zum 31. Dezember 2020 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von rund 30,6 Millionen Euro aus. Dieses Geld fehlt und muss in den kommenden Jahren an die Gläubiger zurückgezahlt werden. Das setzt jedoch entsprechende Einnahmen voraus.
  • Liquidität: Der Prospekt weist auch darauf hin, dass Werder Bremen derzeit zwar noch über Kontokorrentlinien in Höhe von 10,4 Millionen Euro verfügt, was vereinfacht bedeutet, dass der Verein seine Konten kurzfristig bis zu diesem Betrag überziehen darf. Die Laufzeit dieser Regelung ist aber bis zum 30. Juni 2021 begrenzt. Bis dahin müsste der Verein neue Kontokorrentlinien verhandeln. Ereignisse wie ein Abstieg aus der Bundesliga könnte diese Verhandlungen erschweren. Dann drohten Liquiditätsengpässe.
  • Abstieg: "Vermögens-, Ertrags- und Liquiditätsrisiken mit dem Risiko einer Insolvenz bestehen außerdem verstärkt, wenn die Emittentin als Ergebnis der laufenden Spielzeit 2020/21 aus der Bundesliga absteigt", teilt der Verein im Anlegerprospekt mit. Der aktuelle Relegationsplatz 16. macht deutlich, wie nahe ein solches Szenario ist. Ob der Verein im Falle eines Klassenerhalts angesichts leerer Kassen in den kommenden Jahren den Abstieg wird verhindern können, sollten Anleger ebenfalls genau abwägen. Für den Fall eines Abstiegs beziffert Werder die Umsatzverluste auf bis zu 40 Prozent. Eine Rückzahlung der Mittelstandsanleihe könnte so zum Kraftakt werden.
  • Transfererlöse: Die Bemühungen Werders, Transfererlöse zu erwirtschaften, haben sich zuletzt als schwierig erwiesen. Die Marktwerte von Leistungsträgern wie Milot Rashica sinken angesichts der sportlichen Flaute an der Weser. Die "geplante Erzielung von weiteren Transfererlösen in diesem Geschäftsjahr 2020/21 sind noch nicht erfolgreich abgeschlossen", heißt es daher auch im Anleiheprospekt. Und weiter: "Falls das Ziel zur Erzielung eines Transferüberschusses während der Laufzeit der Schuldverschreibungen dauerhaft verfehlt wird und diese fehlenden Erlöse nicht durch andere Ereignisse und Maßnahmen ausgeglichen werden, so wird die Emittentin möglicherweise nicht dazu in der Lage sein, sämtliche Zins- und Kapitalrückzahlungsansprüche der Anleihegläubiger bei Fälligkeit aus Eigenmitteln zu erfüllen."

Die oben genannten Risiken sind nur ein Bruchteil derer, die Werder im Anlegerprospekt aufzählt. Hart treffen würde den Verein beispielsweise auch eine Fortführung der Corona-Maßnahmen in Bezug auf Stadionbesuche in der kommenden Saison. Die Corona-bedingten Mindereinnahmen durch Spielbetrieb und Ticketverkäufe beziffern die Grün-Weißen allein für die noch laufende Saison 2020/21 auf 33 Millionen Euro. Als weiteres Risiko wird zum Beispiel die drohende Übernahme von Kosten für Polizeieinsätze genannt.

Vorbilder Bielefeld und Schalke?

Zu sehen ist das Bielefelder Stadion von außen. Auf einem Absperrgitter klebt ein Sticker mit dem Bielefelder Vereinslogo.
In Bielefeld verzichteten Anleger einer Fan-Anleihe 2016 auf Zinsen und einen Teil der eigentlich fälligen Rückzahlung. Bild: Imago | Kirchner-Media

Was mit Fan- oder Mittelstandsanleihen geschieht, wenn Vereine ihre Ziele nicht erreichen, zeigen im Übrigen auch Beispiele anderer Fußballklubs.

Im Falle Alemannia Aachens sprang 2010 erst die Stadt Aachen mit einer Bürgschaft ein, damit der Klub eine ausgegebene Anleihe über 5,5 Millionen Euro zurückzahlen konnte. Zwei Jahre später folgte die Insolvenz. Arminia Bielefeld war 2016 nur in der Lage eine so genannte Fan-Anleihe zurückzahlen, weil Fans auf Zinsen und einen Teil ihres Kapitals verzichteten. Und Bundesliga-Absteiger Schalke hat seinen Fans erst im April dieses Jahres angeboten, auf die Rückzahlung einer im Juli 2021 fälligen Anleihe zu verzichten. Sie sollten ihre Anteile stattdessen in eine neue Anleihe umschichten, die der Verein in einigen Jahren zurückzahlen will.

Werders Finanzkrise: 40 Millionen Euro weniger Einnahmen

Video vom 22. Februar 2021
Grüne Sitzreihen auf der Tribüne des Weser-Stadions, die mit rot-weißem Absperrband umwickelt sind.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Mai 2021, 18:06 Uhr