Anfang auf Abstand: Der Werder-Coach eckt an

Werder-Trainer Markus Anfang gestikuliert beim Training energisch in Richtung seiner Spieler.
Trainer Markus Anfang geht verbal auf Abstand zu seinen Werder-Spielern. Inwieweit das Verhältnis noch intakt ist, ist fraglich. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für das 0:3-Desaster in Darmstadt gab Werder-Trainer Markus Anfang seiner Mannschaft die Schuld. Die Stimmung bei den Bremern scheint intern langsam zu kippen.

Markus Anfang ist nicht Florian Kohfeldt. Seit dem vergangenen Wochenende dürfte diese Tatsache auch dem letzten Fan, Spieler und Mitarbeiter der Bremer bewusst geworden sein.

Nach zehn Spieltagen ist Werder Zehnter in der 2. Liga, der Auftritt beim 0:3 in Darmstadt war ein Desaster. Und Anfang hat sich danach nicht schützend vor seine Mannschaft gestellt, wie es Kohfeldt stets getan hatte. Anfang agiert mit deutlich härterer Hand und distanzierte sich nach dem Spiel gar von seiner Mannschaft.

Lerneffekt geht Anfang nicht schnell genug

Sein Spielplan sei richtig gewesen, die Spieler hätten ihn bloß nicht umgesetzt, monierte Anfang. Die Mannschaft habe die Niederlage also zu verantworten. Und sehr früh in der Saison scheint die Geduld des Trainers bereits am Ende zu sein.

Wir können immer wieder davon reden, dass wir etwas aufbauen wollen und junge Spieler haben. Aber wir müssen auch diese Entwicklung machen und daraus lernen. Und es muss irgendwann auch zu sehen sein, dass wir daraus lernen.

Werder-Trainer Markus Anfang am Sonntag

Der Lerneffekt geht Anfang offensichtlich nicht schnell genug. Doch wie das Internetportal "Deichstube" berichtet, soll Anfang mit seiner unnachgiebigen, bestimmenden Art bei manchen Spielern und Betreuern anecken. Der Sportliche Leiter Clemens Fritz betonte zwar gegenüber der "Deichstube", dass es "keine Spannungen zwischen dem Trainer und der Mannschaft" gäbe. Doch das scheint inzwischen schwer zu glauben.

Zahl der unzufriedenen Spieler wächst

Schließlich war Anfang mit einem klaren Plan von bedingungslosem Offensiv-Fußball im 4-3-3-System nach Bremen gekommen. Und nun, da dieser Plan ohne echte Außenstürmer gar nicht aufgeht, rückt Anfang dennoch keinen Zentimeter von seiner Philosophie ab.

Somit wächst die Zahl der unzufriedenen Spieler bei Werder, die wie Jiri Pavlenka oder Anthony Jung gar nicht mehr spielen oder wie Marco Friedl auf Positionen eingesetzt werden, die ihnen nicht liegen oder wie Niclas Füllkrug höchstens eingewechselt und danach vom Trainer öffentlich angezählt werden. Den Teamgeist, der in der Phase so dringend benötigt wird, stärken diese internen Spannungen sicherlich nicht.

Spieler wünschen sich Systemwechsel

Doch wenn der Umbruch bei Werder tatsächlich gelingen soll, dann braucht es wohl einen, der eben andere Töne anschlägt als der eloquente und allseits beliebte Kohfeldt. Und der dem Verein nicht mit einer tiefen Fußball-Romantik verbunden ist, sondern die Dinge pragmatisch und konsequent angeht, auch die unangenehmen.

Bleibt nur die Frage offen, ob die Mannschaft bereit ist, diesen Weg mit Anfang mitzugehen und ob dieser Weg tatsächlich der richtige ist. Einige Werder-Spieler sollen sich laut "Deichstube" dringend einen Systemwechsel wünschen. Anfang dagegen probiert, seiner Mannschaft "die Angst, Fehler zu machen" auszutreiben, genau wie das Mantra, das ihnen Kohfeldt zwei Jahre lang eingeimpft hatte vom "hinten sicher, sicher, sicher", in ein "Vollgas nach vorne" umzupolen. Fest steht nur, der Ton an der Weser ist rauer geworden.

Werder ernüchtert nach Darmstadt-Pleite

Video vom 18. Oktober 2021
Ilia Gruev, Lars-Lukas Mai und Michael Zetterer schauen frustriert.
Bild: Imago | Nordphoto
Bild: Imago | Nordphoto

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 18. Oktober 2021, 18:06 Uhr