Wiederaufbau statt Wiederaufstieg: Werder tritt auf die Euphoriebremse

Video vom 20. Juni 2021
Werder-Trainer Markus Anfang und seine Spieler stellen sich um eine Taktitafel auf.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Bevor die Bremer die Rückkehr in die Bundesliga anpeilen, muss der Verein sich neu aufstellen. Erst danach folgt die Zielsetzung, sagt Werder-Coach Markus Anfang.

Für gewöhnlich gehört ein Klub, der absteigt, automatisch zu den Favoriten auf den Aufstieg. Auch rund um den Osterdeich ist der Anspruch klar: Der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte kann nur die Rückkehr ins Oberhaus nach sich ziehen. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag hat Werder-Coach Markus Anfang jedoch klargestellt, dass sein Fokus fürs Erste woanders liegt.

Die Zielsetzung ist erst einmal, einen Wiederaufbau zu machen. Wenn wir den Wiederaufstieg vor den Wiederaufbau stellen, haben wir etwas verpasst. Der Wiederaufstieg ist der Schritt, der erst dann irgendwann erfolgt.

Werder-Trainer Markus Anfang bei einer Pressekonferenz am Sonntag

Erst Kaderplanung, dann Zielsetzung

Der neue Trainer der Bremer tritt also auf die Euphoriebremse. Mehr noch: Nach Anfangs Worten dürfte klar sein, dass die Rückkehr in die Bundesliga alles andere als sein Selbstläufer wird. Ob der Aufstieg schon im ersten Jahr nach dem Umbruch gelingt, erscheint fraglich. Auch weil noch überhaupt nicht abzusehen ist, mit welchen Spielern die Grün-Weißen in die Saison gehen.

"Wir müssen zuerst eine Kaderstruktur schaffen, mit der wir den Zielen, die wir uns stellen, auch gerecht werden können", so Anfang. Kurzum: Um angreifen zu können, brauche das Team erst einmal ein Gerüst. Im Nachgang könne man dann über das sprechen, was für Werder möglich ist.

Natürlich wünschen wir uns den kurzfristigen Erfolg und verschließen uns dem auch nicht. Wir wollen so erfolgreich wie möglich spielen, keine Frage. Aber wir müssen uns erst wieder gut aufstellen – gerade nach dem, was in den letzten zwei Jahren war.

Werder-Trainer Markus Anfang bei einer Pressekonferenz am Sonntag.

Anfang will einen anderen Werder-Weg gehen

Werder-Trainer Markus Anfang lächelt bei einer Pressekonferenz.
Ist zufrieden mit seinen ersten Werder-Eindrücken: Neu-Coach Markus Anfang. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Immerhin konnte sich Anfang inzwischen einen ersten Überblick von seiner neuen Wirkungsstätte verschaffen. Die Atmosphäre im Klub empfand Werders erster externer Trainer seit acht Jahren als zielführend. "Ich habe schon das Gefühl, dass viele bereit sind, einen anderen Weg zu gehen – ohne zu sagen dass der Weg vorher schlecht war", so Anfang. Viele Leute im Verein seien empfänglich dafür, nach vorne zu kommen, was wichtig sei. Schließlich sind die Forderungen, die der 47-Jährige und sein Trainerteam an ihr Umfeld stellen, hoch, wie Anfang betont.

Auch die ersten Eindrücke, die er von den Spielern gewonnen hat, waren trotz erst zweier absolvierter Trainingstage positiv. "Die Mannschaft ist sehr willig und hat die Trainingseinheiten richtig gut angenommen", erzählte Anfang. Jedoch bleibt abzuwarten, welche Akteure mit Werder in die 2. Liga gehen. Zumal die Bremer auch noch auf Transfergewinne angewiesen sind: So muss der Klub allein bis Ende Juni noch fast zehn Millionen Euro durch Spielerverkäufe erzielen. Er ist also steinig, der weite Weg bei Werders "Projekt Wiederaufbau".

So lief Werders erstes Training unter Markus Anfang

Video vom 19. Juni 2021
Werder Trainer Marcus Anfang beim Training.
Bild: DPA | Michael Bahlo
Bild: DPA | Michael Bahlo

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Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. Juni 2021, 19:30 Uhr