Rechenspiele mit Rotstift: Was kostet Werder der Abstieg?

Video vom 24. Mai 2021
Aufsichtsratvorsitzender Marco Bode im Weserstadion.
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Nordphoto

Die Gefahr der Insolvenz hängt wie eine dunkle Wolke über dem verschuldeten SVW. Mit dem Abstieg in die 2. Liga sinken die Einnahmen weiter. Droht der totale Absturz?

Der Lack ist längst ab beim einst so ruhmreichen SV Werder Bremen. Rings um das Weser-Stadion werden seit dem Abstieg am Samstag die Scherben aufgekehrt, der Verein steht vor den Trümmern seiner ehemals soliden Existenz.

Für einen wie Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer ist das nur schwer mitanzusehen, hatte er die Grün-Weißen doch als Vize-Präsident durch die goldenen Jahre geführt. Aber jetzt sorgt sich Fischer nicht nur um Werder – er hat Angst.

Ich bin unendlich traurig, aber auch entsetzt – und ich habe Angst. Ich habe Angst, weil wir ja erst den ersten Teil des Abstiegskampfes verloren haben – den sportlichen Abstieg. Aber der vielleicht genauso schwierige zweite Teil kommt erst noch und das ist die wirtschaftliche Situation. Und das ist fast nicht auszuhalten, wenn man so lange dabei ist.

Ehrenpräsident Fischer vor dem Weser-Stadion im Interview.
Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer bei buten un binnen

Filbry bestreitet 75-Millionen-Euro-Verbindlichkeiten

Droht Werder durch den Abstieg nun der endgültige Kollaps? Finanzchef Klaus Filbry wehrt sich gegen diese düstere Prognose. Am Sonntagabend bestritt er in der NDR-Sendung "Sportclub" gar, dass Werder mit 75 Millionen Euro verschuldet sei.

Wir haben keine Verbindlichkeiten in Höhe von 75 Millionen Euro. Das ist faktisch falsch, da muss ich ein paar Dinge gerade rücken.

Werder-Finanzchef Klaus Filbry in der NDR-Sendung "Sportclub"

Doch der Verein hatte diese Zahlen selbst veröffentlicht, im Wirtschaftsprospekt, der verpflichtend bei der Ausgabe von Anleihen ist. Filbry möchte aber eine andere Lesart der Zahlen und rechnet den Kredit mit Landesbürgschaft in Höhe von 20 Millionen Euro dagegen, ebenso die Mittelstands-Anleihe, die eine ähnliche Summe einbringen soll. Dann haben "wir Verbindlichkeiten oder Schulden in Höhe von 35 Millionen Euro", betont Filbry.

Werder-Etat schrumpft um 40 Prozent

Es wirkt jedoch eher wie eine Milchmädchenrechnung, denn Werder muss die Anleihen plus Zinsen innerhalb weniger Jahre zurückzahlen. Fest steht jedoch, dass die Einnahmen der Grün-Weißen durch den Abstieg um geschätzte 40 Millionen Euro einbrechen werden. Etwa 30 Millionen Euro weniger erhält Werder an TV-Geldern, um circa zehn Millionen Euro reduzieren sich die Sponsorenverträge. Der Gesamt-Etat schrumpft um etwa 40 Prozent.

Filbry hält dagegen, dass "sich die Kaderkosten dramatisch reduzieren werden". Denn die Gehälter der Spieler sind im Abstiegsfall um "40 bis 60 Prozent" heruntergeschraubt. Zudem sei da laut Filbry "eine große Investition, die jetzt nicht zum Tragen kommt: Wir müssen Davie Selke nicht verpflichten." Das hätte Werder im Sommer etwa zwölf Millionen Euro gekostet, ist durch den Abstieg jedoch hinfällig geworden.

Hoffen auf lukrative Spielertransfers

Werders Hoffnungen stützen sich nun auf den lukrativen Verkauf vieler Spieler und die Einsprarung der teils üppigen Gehälter. Doch mit dem Ausverkauf der Mannschaft droht auch der sportliche Wertverlust. Die Bremer müssen eine kostengünstige, aber schlagkräftige Zweitliga-Truppe zusammenstellen, zudem einen neuen Trainer engagieren.

Doch umsonst sind auch Zweitliga-Profis nicht zu haben. Zudem ist es noch fraglich, ob der coronabedingt eingebrochene Transfermarkt im Sommer überhaupt wie erhofft wieder anspringt. Werder wird auch aufgrund schwacher Leistungen in dieser Saison sicherlich keine Bestpreise für seine Profis erzielen. Vor einem Jahr gab es für Milot Rashica ein 30-Millionen-Euro-Angebot aus England. Jetzt bekommen die Bremer vielleicht nicht einmal mehr eine zweistellige Millionensumme für den Flügelflitzer. Und Verkaufen ist ein Muss bei den wertvollsten Profis: Denn die meisten wären in einem Jahre ablösefrei und Werder stünde mit leeren Händen da. Noch leereren als ohnehin schon.

Werder-Präsident Hess-Grunewald: "Wir sind in der Verantwortung"

Video vom 22. Mai 2021
Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. Mai 2021, 18:06 Uhr