Abstieg, Ausverkauf, Ängste – wie geht's bei Werder weiter?

Davie Selke verlässt nach dem Spiel mit Kapuze auf dem Kopf und besorgtem Blick den Innenraum des Weserstadions.
Die horrende Ablöse entfällt: Stürmer Davie Selke kehrt durch Werders Abstieg wieder zu Hertha BSC zurück. Bild: Reuters | Fabian Bimmer

Der Schock ist noch nicht verdaut, aber die Zeit drängt bereits: Wer wird neuer Werder-Trainer, welche Spieler gehen? Und bleibt die Führungsetage so bestehen?

Wer trägt die Schuld an der Werder-Misere? Diese Frage haben viele Fans schon längst für sich beantwortet. Der Bremer Klub selbst fremdelt noch etwas mit der schonungslosen Aufarbeitung der sportlichen und wirtschaftlichen Talfahrt, die im ersten Bundesliga-Abstieg seit 41 Jahren gipfelte und Werder vor einer ungewissen Zukunft stehen lässt.

Dennoch, die Verantwortung übernahmen schon viele in den vergangenen zwei Tagen bei Werder: Aufsichtsratchef Marco Bode, Sportchef Frank Baumann, Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Aber Konsequenzen, mit denen tun sich die Grün-Weißen in der Chefetage eben noch schwer.

Nur 8 Wochen bis zum Saisonstart

Wieder nimmt man sich Bedenk- und Besprechungszeit bei Werder, Stunden oder Tage, man weiß es nicht. Aber inzwischen hat sich jedoch der Eindruck verfestigt, es würde eher ausgesessen statt aufgearbeitet werden.

Dabei tickt die Uhr seit dem Abstieg am Samstagnachmittag bereits gnadenlos runter. Und Hess-Grunewald erinnerte bei buten un binnen dann auch sofort daran, dass in genau acht Wochen bereits die Saison in der 2. Liga beginne.

Werder-Präsident Hess-Grunewald: "Wir sind in der Verantwortung"

Video vom 22. Mai 2021
Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Welcher Trainer tut sich das an?

Bis dahin muss ein neuer Trainer gefunden, ein neuer Kader zusammengestellt und die äußere, atmosphärische Störung idealerweise beseitigt werden. Also liegt der Schluss nahe, dass die bereits handelnden Personen bei Werder auch weiter handeln werden.

Die Frage bleibt jedoch: Wer macht bei diesem Werder-Wagnis künftig mit? Welcher Trainer hat Lust auf einen Job bei einem Verein, der bisher nur auf Protagonisten mit Werder-DNA vertraute, der mit 75 Millionen Euro latent insolvenzbedroht ist und der sich einen langen Aufenthalt in der 2. Liga gar nicht leisten kann und deshalb den ganz schnellen Erfolg braucht?

Horrende Selke-Ablöse fällt weg

Und welche Spieler wollen sich freiwillig von der Bundesliga-Bühne verabschieden und dann "40 bis 60 Prozent weniger Gehalt" einstreichen, wie Baumann vorrechnete? Verträge für die 2. Liga haben alle Werder-Spieler mit Ausnahme von Kapitän Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie, die den Verein so oder so verlassen.

Und Davie Selke, dessen Kaufpflicht im Sommer an die Bundesliga geknüpft war und der deshalb zu Hertha BSC zurückkehrt. Dass Werder die geschätzte Ablöse von zehn bis 15 Millionen Euro nun einspart für einen Spieler, dessen Qualitäten nicht mit dem horrenden Preisschild vereinbar war und der sich als Bremer Fehlgriff erwies, ist wohl einer der wenigen positiven Aspekte des Abstiegs.

Welche Spieler bleiben?

Theodor Gebre Selassie winkt nach dem Spiel gegen Gladbach zum Abschied lächelnd in Richtung Tribüne.
Bye bye, Werder: Theodor Gebre Salassie muss sich nach neun Jahren mit dem Abstieg von den Bremern verabschieden. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Werder braucht für die Lizenz zwingend einen Nettoüberschuss bei den Sommertransfers, also dürfte der Ausverkauf wohl beginnen. Jiri Pavlenka, Milot Rashica, Ludwig Augustinsson, Leonardo Bittencourt, Maximilian Eggestein, Marco Friedl, Joshua Sargent und Milos Veljkovic – für sie kann Werder Geld bekommen. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Aber es summiert sich.

Yuya Osako wollte schon mit Köln nicht in der 2. Liga spielen, auch er ist Wechselkandidat. Und die Grün-Weißen müssen den schwächelnden Besserverdiener dringend von der Gehaltsliste bekommen. Beim wiedererstarkten Abwehrchef Ömer Toprak ist noch nicht raus, was er macht. Dass der 31-Jährige Lust auf einen Neuaufbau in der 2. Liga hat, ist zumindest fraglich. Genauso, ob Niclas Füllkrug und Kevin Möhwald die Gesichter der neuen Mannschaft werden oder auch gehen.

Fest steht bisher nur eins: Egal mit welchem Trainer und mit welchen Spielern – das geplante Trainingslager im Zillertal von 14. bis 23. Juli muss definitiv vorgezogen werden. Denn da ist Werders ungewisse Zukunft schon im vollen Gange.

Werder-Aufsichtsratchef Bode: "Laufe vor der Verantwortung nicht weg"

Video vom 23. Mai 2021
Werder-Aufsichtsratchef Marco Bode beim TV-Interview im Innenraum des Weserstadions.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Mai 2021, 19:30 Uhr