5 Abstiegskampf-Fernduelle, die Kohfeldt und Co. Mut machen

Werder hat nur noch geringe Chancen auf die Relegation. In der Bundesliga haben aber schon mehrere bereits abgeschriebene Teams das Wunder geschafft. Wir zeigen ein Best-of.

Florian Kohfeldt schreit seinen Jubel heraus
Seine Freude herausschreiben konnte Florian Kohfeldt in dieser Saison nur selten. Sollte Werder es doch noch in die Relegation schaffen, dürfte der Jubel groß ausfallen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ein Wunder von der Weser muss her: Um die Klasse zu halten, müssen die Grün-Weißen ihr Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Samstag in jedem Fall gewinnen. In der eigenen Hand haben sie ihr Schicksal aber nicht mehr, sondern sind auf Schützenhilfe von Union Berlin angewiesen. Denn die Eisernen treffen im eigenen Stadion auf Fortuna Düsseldorf, Werders Konkurrenten im Kampf um den Relegationsplatz, und müssen den Rheinländern mindestens ein Unentschieden abringen. Die Chancen im Fernduell um den Klassenerhalt stehen für die Grün-Weißen somit zwar alles andere als gut. Jedoch macht ein Blick in die Bundesliga-Historie Hoffnung, dass Werder das Wunder doch noch schafft.

1 Bundesliga-Saison 1972/73

Zwei Spieltage vor Saisonende schien die Abstiegsfrage geklärt: Eintracht Braunschweig hatte den direkten Konkurrenten Hannover 96 mit 3:2 besiegt und hielt alle Trümpfe in der Hand. Der Vorsprung der Eintracht auf den Erzrivalen betrug drei Zähler – angesichts der damals noch geltenden Zwei-Punkte-Regel ein ordentliches Polster. Weil aber die Braunschweiger in der Woche darauf ihre Partie verloren und Hannover gewann, kam es im Saisonfinale zum Fernduell um den Klassenerhalt. Die Braunschweiger hatten es selbst in der Hand, unterlagen im eigenen Stadion jedoch mit 1:2. Weil Hannover den Tabellendritten aus Wuppertal mit 4:0 abschoss, guckte Braunschweig in die Röhre. Hannover hingegen hielt die Klasse.

2 Bundesliga-Saison 1993/94

Rodolfo Esteban Cardoso führt den Ball am Fuß.
Der spätere Werder-Spieler Rodolfo Esteban Cardoso schaffte mit dem SC Freiburg in der Saison 1993/94 dank einer Siegesserie noch den Klassenerhalt. Bild: Imago | Kicker/Eissner, Liedel

Trotz seines attraktiven Offensivspiels befand sich der SC Freiburg die gesamte Saison über im Abstiegskampf. Drei Spieltage vor Schluss war das Schicksal des Aufsteigers so gut wie besiegelt: Nur mit drei Siegen hatten die Breisgauer eine Restchance auf den Klassenerhalt. Die Mannschaft von Trainer Volker Finke tat ihr Möglichstes und vertagte die Entscheidung immer weiter. Am letzten Spieltag löste das Team um seinen Starspieler und späteren Werder-Akteur Rodolfo Esteban Cardoso seine Pflichtaufgabe gegen den MSV Duisburg mit Bravour und siegte 2:0. Da Nürnberg, der direkte Konkurrent der Freiburger, seine Partie mit 1:4 verlor, mussten die Franken aufgrund des schlechteren Torverhältnis den Gang in die 2. Liga antreten.

3 Bundesliga-Saison 1997/98

Drei Punkte trennten Borussia Mönchengladbach vor dem letzten Spieltag vom Karlsruher SC, der den ersten Nicht-Abstiegsrang belegte. Die Fohlen-Elf musste also siegen und auf einen Patzer der Karlsruher hoffen. Angeführt von Kapitän Stefan Effenberg gewannen die Gladbacher beim VfL Wolfsburg mit 2:0. Parallel gingen im Ostseestadion in Rostock die Gäste aus Karlsruhe nach einer halben Stunde durch Nationalspieler Thomas Häßler in Führung. Noch vor dem Halbzeitpfiff lagen sie jedoch auf einmal mit 1:2 hinten. Auch nach der Pause brachten die Badener nur wenig zustande und unterlagen mit 2:4 – Gladbach freute sich und hielt die Klasse.

4 Bundesliga-Saison 1998/99

Frank Baumann spielt einen Pass.
Bevor er im Jahr 1999 zu Werder wechselte, war Frank Baumann fünf Jahre lang für Nürnberg am Ball. Bild: Imago | Kicker/Liedel

Zwei Absteiger standen bereits vor dem letzten Spieltag fest, ein Ticket war noch für die 2. Liga zu vergeben. Um das "stritten" sich gleich fünf Teams. Stuttgart verabschiedete sich mit einem 1:0-Erfolg gegen Werder früh aus dem Fünfkampf. Rostock hingegen kassierte gegen Bochum nach 1:0-Führung einen Doppelschlag, kämpfte sich aber wieder zurück und siegte 3:2. Frankfurt wiederum ging 20 Minuten vor Schluss mit 2:1 gegen den favorisierten 1. FC Kaiserslautern in Führung. Im Anschluss warfen die Hessen, die als 16. mit der geringsten Erfolgschance ins Abstiegs-Endspiel gestartet waren, alles nach vorne und gewannen mit 5:1. In Erinnerung blieb vor allem der letzte Treffer, den Jan Age Fjortoft nach einem Übersteiger erzielte. Nürnberg, vor dem Spieltag auf Platz 12 gelistet, verlor zeitgleich mit 1:2 gegen den Konkurrenten aus Freiburg und stieg ab. Bitter: Werders heutiger Geschäftsführer Frank Baumann hatte unmittelbar vor dem Abpfiff den rettenden Ausgleich für die Nürnberger auf dem Fuß, vergab aber aus kurzer Entfernung.

5 Bundesliga-Saison 2012/13

Aufsteiger Düsseldorf mischte zu Saisonbeginn die Liga auf, brach aber in der zweiten Saisonhälfte ein. Dennoch hatten die Rheinländer vor dem letzten Spieltag gute Chancen, im Dreikampf mit dem punktgleichen FC Augsburg und der abgeschlagenen TSG Hoffenheim die Klasse oder zumindest den Relegationsplatz zu sichern. Gegen Hannover aber war Düsseldorf chancenlos, unterlag mit 0:3. Augsburg siegte derweil, hatte somit den Klassenerhalt sicher. Da Hoffenheim gegen Borussia Dortmund auswärts schnell in Rücktand geriet, schien Düsseldorf immerhin die Relegation zu erreichen. Doch Hoffenheim schöpfte nach einem von Sejad Salihovic verwandelten Foulelfmeter in der 77. Minute wieder Hoffnung. Fünf Minuten später gab es erneut Strafstoß. Wieder trat Salihovic an, wieder traf er. Hoffenheim schaffte es in die Relegation und hielt über den Umweg die Klasse. Düsseldorf wiederum ging leer aus – vielleicht ja ein gutes Omen für Werder.

Unterstützung für Werder: Weltmeister und Vereine drücken die Daumen

Video vom 24. Juni 2020
Der Fussballspieler Felix Kroos im Trikot von Werder Bremen auf grünem Rasen.

Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Tag, 25. Juni, 23:30 Uhr