Bei Werder heißt es jetzt: weiter so

Video vom 22. Mai 2021
Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Viele Fans sind nach dem Abstieg wütend auf den Vorstand. Doch die Werder-Verantwortlichen denken nicht an Rücktritt. Ein Neuanfang ist so schwer möglich.

Nach dem Abpfiff im Weser-Stadion war es am Samstag zunächst mucksmäuschenstill. Alles schien für einen Moment ein wenig unwirklich, obwohl es ein Abstieg mit Ansage war. Und so wurde es draußen vor den Toren dann auch sehr schnell sehr laut. Etwa 2.000 Werder-Fans machten ihrem Frust vor der Ostkurve Luft und skandierten "Vorstand raus" und "Baumann raus".

"Natürlich habe ich Verständnis für die Enttäuschung der Fans", sagte Werder-Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald bei buten un binnen. Doch was er danach weiter ausführte, dürfte die erhitzten Gemüter wohl kaum beruhigt haben. Denn die Botschaft, die Hess-Grunewald und auch Sportchef Frank Baumann nach dem ersten Abstieg seit 41 Jahren verkündeten, war: Wir machen weiter so. Personelle Konsequenzen auf Führungsebene? Keine Option.

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"Wer soll sonst die nötigen Gespräche führen?"

"Man muss nüchtern betrachtet sagen, dass uns das im Moment überhaupt nicht helfen würde", betonte Hess-Grunewald weiter: "Wir müssen jetzt diese Situation, so enttäuschend sie ist, auch annehmen." Denn der Grund sei aus seiner Sicht völlig klar: "In zwei Monaten startet die 2. Liga. Da müssen wir aufgestellt sein, sowohl in sportlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht."

Der knappe Zeitplan also mache es unmöglich, beispielsweise einen neuen sportlichen Verantwortlichen auszuwählen und sich vom stark in die Kritik geratenen Baumann zu trennen. "Wenn wir über Wechsel oder 'Vorstand raus' diskutieren würden", meinte Hess-Grunewald, "wer soll denn dann die notwendigen Gespräche führen, wenn nicht die Verantwortlichen?"

Neuer Werder-Trainer bis Ende Mai

Hubertus Hess-Grunewald lächelt bei einer Rede der Werder-Mitgliederversammlung.
Werder-Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald will seinen Posten nicht räumen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für sich selbst wollte der Werder-Präsident, der nicht wie die anderen Geschäftsführer vom Aufsichtsrat bestimmt wurde, sondern vom Präsidium, auch nicht ans Aufhören denken. "Ich schmeiße nicht hin und laufe nicht weg. Wir sind jetzt in der Verantwortung." Und das bedeute, so schnell wie möglich einen neuen Trainer zu verpflichten für die Mission schneller Wiederaufstieg.

"Das ist eine ganz zentrale Personalie", so Hess-Grunewald, "wir werden Ende Mai, Anfang Juni die Entscheidung verkünden." Und diese Suche wird erneut Sportchef Baumann durchführen. Genauso wie die Zusammenstellung des Kaders für die 2. Liga.

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Hess-Grunewald stützt Baumann demonstrativ

Werder dreht sich weiterhin um sich selbst, der nötige, klare Schnitt für einen richtigen Neuanfang wird wieder vermieden. Schon nach der knappen Relegation im Vorjahr hieß es bei Werder: Wir machen weiter so. Gleiches Personal, gleiche Probleme waren die Folge. Und das hatte sich an diesem Wochenende nun endgültig zum Abstieg kanalisiert.

Aber in Werders Führungsetage hält man zusammen, so stärkt auch Hess-Grunewald Baumann demonstrativ den Rücken. Man tue ihm Unrecht, ihm die alleinige Schuld für den Abstieg anzulasten, erklärte er, "Frank hat das getan, was man tun konnte, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ich habe großes Vertrauen und halte große Stücke auf ihn."

Keine Zeit für tiefgehende Selbstkritik

Baumann selbst sagte zwar: "Ich habe die Gesamtverantwortung." Doch für tiefgehende Selbstkritik oder echte Reflektion war eben einfach nicht der richtige Moment. Die Zeit drängt ja schließlich, bereits am Tag nach dem Abstieg soll ja die Mission Wiederaufstieg starten. Werder bleibt sich treu. Bleibt nur die Frage, wie viele treue Fans man auf diesem Weg verlieren wird.

Das, was in den letzten zehn Spieltagen passiert ist, war so nicht zu erwarten in dieser Dimension. Dieser Verantwortung müssen wir uns alle stellen. Ich bin aber keiner, der vor schwierigen Situationen wegläuft und deswegen packe ich das auch ab morgen mit an.

Werder-Sportchef Frank Baumann bei Sky

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Video vom 22. Mai 2021
Zwei Werder-Fans hocken tief enttäuscht vor dem Weserstadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Mai 2021, 19:30 Uhr