Kohfeldts Fehler? Bei Werder wird nachgetreten

Werder-Trainer Florian Kohfeldt schaut beim Verlassen des Innenraumes im Augsburger Stadion etwas unsicher nach oben.
Der 38-jährige Florian Kohfeldt musste nach dem vorletzten Spieltag als Werder-Trainer gehen. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Zwei Wochen nach dem Abstieg hat Finanzchef Klaus Filbry Ex-Coach Florian Kohfeldt kritisiert. Mit den elf Punkten Vorsprung im März habe sich dieser zu sicher gefühlt.

Auch wer nicht so bibelfest ist, weiß, dass man sich lieber genau überlegen sollte, ob man den ersten Stein wirft. Denn nur wer frei von Schuld ist, so heißt es, der solle ihn werfen. Und wer kann das schon von sich behaupten?

Wenn es bei Werder Bremen um die Frage geht, wer die Schuld am Abstieg aus der Bundesliga trägt, dann ist es in den Reihen der Verantwortungsträger sicher ratsam, sich mit dem Steinewerfen zurückzuhalten. Es könnte sonst so einiges zu Bruch gehen. Denn sicherlich gibt es nicht den einen Grund, den einen ultimativ Schuldigen an Werders Misere. Es ist eher ein Gesamtwerk.

Kohfeldt ließ wieder offensiver spielen

Und doch hat Klaus Filbry nun den ersten Stein geworfen, um im Bild zu bleiben, und damit Florian Kohfeldt getroffen. Der Geschäftsführer Finanzen hat in der Sendung "Academy Talk" des süddeutschen Regionalsenders Regio-TV bemängelt, dass sich Ex-Coach Kohfeldt mit seinem Team Anfang März zu sicher gefühlt habe.

Damals hatte Werder das Nachholspiel gegen Arminia Bielefeld gewonnen und der Vorsprung auf den Relegationsplatz betrug scheinbar komfortable elf Punkte – wurde jedoch noch verspielt.

Das Schlüsselerlebnis war die Situation nach dem Bielefeld-Spiel, die so interpretiert wurde, dass man jetzt wieder einen anderen Fußball spielen kann, etwas offensiver ausgerichtet.

Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry in der Sendung "Academy Talk" bei Regio-TV

Defensive Stabilität ging verloren

Damit sei die Stabilität vernachlässigt worden, fügte Filbry hinzu, die zuvor dafür gesorgt habe, dass man im gesicherten Mittelfeld stand. Die Beobachtung ist nicht falsch, Kohfeldt hatte tatsächlich nach dem Bielefeld-Sieg angekündigt, wieder mehr wert auf spielerische Elemente legen zu wollen.

Funktioniert hatte das jedoch nicht und da hatte Kohfeldt seine Mannschaft wohlmöglich falsch eingeschätzt. Denn diese war entweder nicht bereit für die offensivere Ausrichtung oder sich ihrer Sache unbewusst schon zu sicher.

Das würde ich in der Rückschau anders machen – wirklich diese Sensibilität zu haben, erst durch zu sein, wenn man durch ist. Und bis dahin das Bewährte zu bewahren. Das war für uns die Stabilität über die gesamte Saison. Die haben wir nach dem Bielefeld-Spiel ein bisschen aufgegeben.

Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry in der Sendung "Academy Talk" bei Regio-TV

Kohfeldts Fehlentscheidung im Augsburg-Spiel

Am vorletzten Spieltag, nach der 0:2-Schlappe gegen Augsburg, musste Kohfeldt schließlich gehen. Diese Partie nennt Filbry nun "einen ganz elementaren Fehler". Werder hatte dort die lange Zeit in Überzahl nicht ausnutzen können, dann sah Werders Sechser Christian Groß in der ersten Halbzeit die Gelbe Karte.

Da hätten wir einfach reagieren müssen, weil es eine aufgeheizte Stimmung war in Augsburg. Dort hätten wir auswechseln müssen, um die Gelb-Rote Karte zu vermeiden.

Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry in der Sendung "Academy Talk" bei Regio-TV

Groß flog in der 54. Minute vom Platz und damit drehte sich die Partie vollends in Richtung der Augsburger. Dass Kohfeldt diese zweite Gelbe Karte als "dümmstes Foul der Saison" bezeichnete und Groß öffentlich anzählte, half seiner eigenen Situation sicher nicht. Fehler sind ihm passiert, doch Kohfeldt ist sicher nicht alleine Schuld an Werders Abstieg. Der Stein, den Filbry nun so selbstsicher warf, könnte sich noch zum Bumerang entwickeln.

Baumann zum Kohfeldt-Aus: "Hätte mir ein anderes Ende gewünscht"

Video vom 16. Mai 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann in einem Hotel-Zimmer bei einem Video-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 6. Juni 2021, 19:30 Uhr