Kommentar

Abstieg auf Dauer? Werder wird länger in der 2. Liga bleiben

Marco Friedl von hinten, der mit gesenktem Kopf auf dem Rasen steht.
Enttäuschung in Grün-Weiß: Werder Bremen ist nach 41 Jahren aus der Bundesliga abgestiegen. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Sportchef Frank Baumann ruft als Ziel den direkten Wiederaufstieg aus. Radio-Bremen-Reporter Heiko Neugebauer zweifelt daran, dass Werder das gelingen wird.

Der Abstieg der Mannschaft mit den meisten Erstligaspielen überhaupt ist im Grunde ein ganz normaler Abstieg. Keine dauerhaft gegen die Bremer getroffenen Schiedsrichterentscheidungen, kein unglaubliches Verletzungspech, Pfosten- oder Lattenpech, eigentlich gar kein besonderes Maß an Pech. Und auch keine Spieler, die urplötzlich keinen Ball mehr treffen und kein Trainer, der angekündigt hat, woanders sein Glück zu suchen und auch kein Hauptsponsor, der keine Kohle mehr locker machen will. Kurzum: Es ist beileibe nicht so, als hätten sich alle dunklen Mächte gegen den SVW verschworen.

In den letzten zehn Jahren hatte Werder gerade mal eine einzige Saison ohne Abstiegssorgen. In all den anderen Spielzeiten wurde stets – mal kürzer, mal länger – am Abgrund getanzt. Der Kampf um die Existenz ist längst in die Vereins-DNA übergegangen. Die Spieler gehen seit Jahren mit dem Gefühl auf den Platz, eigentlich der Außenseiter zu sein. Siege sind selten geworden, Niederlagen dagegen an der Tagesordnung. Wie sich ein entspanntes Fußballer-Leben anfühlt, weiß doch bei Werder schon lange kaum noch jemand.

Freude am Fußball? Nicht zu sehen

Und auch, wenn es sich ein wenig nach Küchenpsychologie anhören mag: Irgendwann trägt man eben auch selber dazu bei, dass die Dinge bleiben, wie sie sind, wie man sie kennt und mit denen man genau deswegen auch umgehen kann. Siegermentalität, alles auf den Platz zu bringen, was man hat, Leidenschaft und Kämpferherz – all das war zuletzt nur noch ganz vereinzelt zu sehen. Und vor allem nur dann, wenn den Bremern das Wasser bis zum Hals stand. Von Freude am Fußball, vom Spaß am Beruf brauchen wir hier gar nicht zu reden.

Natürlich wurden auch eine Menge Fehler gemacht. Seit Jahren sucht Werder beispielsweise einen defensiven Mittelfeldspieler. Eine Achse der Mannschaft, ein Gerüst, ist ebenso lange nicht erkennbar. Weil die geholten Spieler dann doch häufiger verletzt waren, als sie auf dem Platz standen. Irgendwann geht es dann einfach nicht mehr. Der Druck wird zu groß, das Geld wird zu knapp. Das ständige sich Auseinandersetzenmüssen mit der Abstiegsthematik kostet dann eben auch die letzte Kraft. Dass Siege in der 2. Liga nun wieder zur Werder-Gewohnheit werden, ist keineswegs ausgemacht. Der Klub scheint gut beraten, sich auf eine längere Verweildauer dort einzustellen. Ein sofortiger Wiederaufstieg wäre jedenfalls alles andere als ganz normal.

Werder-Präsident Hess-Grunewald: "Wir sind in der Verantwortung"

Video vom 22. Mai 2021
Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 22. Mai 2021, 15:30 Uhr