Interview

Abschied von "Mister Volleyball": "Das war sehr emotional"

Frauen-Volleyball in Bremen und Gert Stürmer – das ist eine 42 Jahre lange Erfolgsgeschichte. Nun hat der Trainer des TV Eiche Horn aufgehört und wurde von seiner Mannschaft verabschiedet.

Volleyballtrainerlegende Gert Stürmer im Interview, im Hintergrund sind Volleyballspieler zu sehen.

Nach 42 Jahren ist Schluss. Gert Stürmer ist nicht mehr Trainer beim Volleyball-Drittligisten TV Eiche Horn. Über viele Jahre hat der mittlerweile 62-Jährige den Frauen-Volleyball in Bremen geprägt, erst beim TvdB in Findorff, seit mehr als 20 Jahren bei Eiche Horn. Er schaffte es mit seinen Teams zeitweise bis in die erste Liga. Nun wurde er am Rande des hochkarätigen Freundschaftsspiels von TV Eiche Horn gegen den deutschen Pokalsieger und Bundesliga-Vizemeister SSC Palmberg Schwerin verabschiedet – und davon selbst überrascht.

Gert Stürmer, haben Sie mit einem solchen feierlichen Abschied gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Ich war sehr berührt, und das zeigt die emotionale Bindung zur Mannschaft. Das habe ich immer geliebt und gelebt. Das war schon ein sehr schöner und emotionaler Abschied.
Sie haben dieses Spiel schon nicht mehr auf der Trainerbank verfolgt. Wie geht es Ihnen damit?
Mittlerweile genieße ich das. Ich kann jetzt viele Abende zu Hause verbringen. Die Arbeit wird allerdings nicht weniger, ich habe jetzt die Möglichkeit mehr im Umfeld des Vereins mit zu organisieren, um beispielsweise Sponsoren zu gewinnen und Sponsoren zu pflegen. Da steckt viel Arbeit drin.
Man kann sich Bremen und Volleyball ohne Gert Stürmer kaum vorstellen. War es eine spontane Idee aufzuhören oder eine lang geplante Entscheidung?
Der Ausstieg war ein bisschen heimlich, still und leise vorbereitet: mal ein Training weniger, mal ein Auswärtsspiel weniger. Jetzt habe ich den endgültigen Schritt vollzogen und das war auch gut so. Auf vielen Hochzeiten zu tanzen, ist schon sehr anstrengend und ich glaube, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, es ein wenig ruhiger angehen zu lassen.
Wie geht ihre Familie mit ihrer Entscheidung um?
Meine Familie hat schon länger gesagt: Hör doch auf, die Belastung ist zu groß. Man hat ja immer den Anspruch gehabt, sein Traineramt mit vollem Erfolg auszuüben und das kostet auch Kraft. Deswegen gab es den Rat meiner Familie, es jetzt einfach mal sein zu lassen.
Was war der Höhepunkt ihrer langen Karriere als Volleyball-Trainer in Bremen?
Ganz klar der Aufstieg in die erste Liga. Das war für uns alle damals ein sehr großes Ereignis. Rückblickend schaue ich auch sehr gern auf das Nationenturnier in Bremen zurück, das weltweit eine Bedeutung hatte. Da habe ich parallel zu meiner Entwicklung als Trainer auch sehr viel gelernt, was ich jetzt noch gebrauchen kann.

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 9. September 2019, 18:06 Uhr