"Man kann nicht alles so schwarzsehen"

Werder-Verteidiger Milos Veljkovic hat bei der WM-Quali in Belgrad gerade erlebt, was Siege im Fußball in einem Land bedeuten können, das immer noch zerrissen ist.

Werder-Profi Milos Veljkovic durch das Display der TV-Kamera betrachtet beim Pressegespräch.
Einmal mehr im Mittelpunkt: Milos Veljkovic spielt seit dem Sommer 2016 bei Werder Bremen, der Verteidiger kam von den Tottenham Hotspurs. Bild: Andreas Gumz

Milos Veljkovic ist eher ein zurückhaltender Typ, der mit seinen großen braunen Augen seine Umgebung noch mit einer gewissen Scheu beobachtet. Mit seinen 22 Jahren gehört er zu den jungen Fußball-Profis. Er sucht seinen Platz im rauen Bundesligageschäft, und auch Medientermine sind noch ungewohnt für ihn. Doch als Veljkovic am Donnerstag in den Katakomben des Weser-Stadions erscheint, strahlt er wie ein Kind an Weihnachten, und es sprudelt nur so aus ihm heraus.

Werders WM-Fahrer Milos Veljkovic
Gegen Georgien nur auf der Bank, aber trotzdem mittendrin: Milos Veljkovic (rechts) neben Nemanja Maksimovic. Bild: Imago | Aleksandar Djorovic

"Das war so eine super Erfahrung", schwärmt er. Am Montag qualifizierte er sich mit der serbischen Nationalmannschaft durch den 1:0-Sieg über Georgien für die Weltmeisterschaft 2018. "Das war ein Riesen-Erfolg für unser Land", sagt Veljkovic, und der leichte Schweizer-Akzent verrät immer noch, dass er in Basel aufgewachsen ist. Aber Serbien, das ist Heimat für ihn. "Ich spiele definitiv für Serbien und bin stolz darauf."

Serbien sehnt sich nach Sport-Helden

Die Reise nach Belgrad hatte ihm sichtlich gut getan, obwohl Nationalcoach Slavoljub Muslin ihn nicht einsetzte. Doch Veljkovic durfte erstmals im A-Kader dabeisein, konnte die Atmosphäre im Stadion von Roter Stern Belgrad aufsaugen. Und er erlebte mit, was dieser Erfolg seinen Landsleuten bedeutet, die sich so sehr nach Sport-Heroen sehnen. Das Land ist nach wie vor zerrissen, doch diese Siege verbinden.

In Serbien geht es nicht allen Menschen gut, wir sind Vorbilder für viele. Wir haben schon einen gewissen Druck gehabt, zur WM zu fahren. Auch die Fußball-Nationalmannschaft hatte in den letzten Jahren nicht so viele Erfolge, bei der letzten WM waren wir nicht dabei. Darum war es so wichtig, dass wir uns qualifizieren.

Milos Veljkovic, Werder-Profi

Dass die Serben nun erstmals seit 2010 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, wurde in Belgrad bis tief in die Nacht mit Autokorsos frenetisch gefeiert. Es war ein großer Sieg und ein so wichtiger für die serbische Seele. Denn die Narben des Balkankrieges sind längst nicht verheilt, auf keiner Seite. Unweit des Stadions stehen immer noch zahlreiche Häuser mit Einschusslöchern. Aber Reparaturen können sie sich nicht leisten, genausowenig wie einen Tisch im Nobelrestaurant von Tennis-Superstar Novak Djokovic, das nur ein paar Straßen entfernt und doch unerreichbar liegt. Trotzdem vergöttern sie Djokovic in Serbien. Die Sehnsucht nach Helden ist groß, nach Hoffnung auf bessere Zeiten. Die soll ihnen auch die WM im Sommer in Russland bringen.

Veljkovic entspannt – sogar, falls die Bank droht

Und so setzt die Reise nach Belgrad für Veljkovic vieles bei seiner Rückkehr an die Weser in ein anderes Licht. "Man kann nicht alles so schwarzsehen", sagt er angesichts von Werders 17. Tabellenplatz und null Siegen auf dem Konto. Nun erwarten die Bremer am Sonntag die Gladbacher "Fohlen" im Weser-Stadion.

Wir können zuversichtlich sein, wir spielen gut. Es fehlt uns einfach ein bisschen Glück und Effektivität – wir sind keine Verlierertypen.

Milos Veljkovic, Werder-Profi

Zuletzt hatte Veljkovic in der Bremer Dreierkette seinen festen Platz gehabt, war sogar zeitweilig Abwehrchef. Gegen Gladbach melden sich allerdings alle Verteidiger einsatzbereit zurück – Veljkovic könnte ein Platz auf der Ersatzbank drohen. Doch er sorgt sich nicht, der Verteidiger vertraut darauf, was ihm Serbiens Nationalcoach Muslin mit auf den Weg gab. "Er sagte: 'Bleib geduldig und spiele weiter, dann bekommst du schon deine Chance.'"

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. Oktober 2017, 18:06 Uhr