Kämna verpasst hauchdünn 1. Etappensieg der Karriere

Video vom 11. September 2020
Lennard Kämna nach seinem knapp verpassten Etappensieg mit Mundschutz und Helm beim Interview.
Bild: Radio Bremen

Es hätte der sportlich größte Moment seiner Karriere werden können. Doch Radprofi Lennard Kämna aus Fischerhude brachte die 13. Tour-Etappe am Ende kein Glück.

Radprofi Lennard Kämna aus Fischerhude verausgabte sich im Bergsprint völlig und hat den Sieg auf der 13. Etappe der Tour de France hauchdünn verpasst. Als Kämna am Puy Mary die Wiederholung seines Radsport-Krimis auf den TV-Bildschirmen erblickte, ärgerte sich der junge deutsche Radprofi gleich ein zweites Mal. "Jetzt sehe ich es...", sagte Kämna nach dem deutschen Drama im Ziel der 13. Etappe der Tour de France, "ahh... Mist... aber es ist wie es ist. Ich kann es nicht mehr ändern."

Der Ärger war da, auch weil er als Zweiter und der tapfer kämpfende Maximilian Schachmann als Dritter der deutschen Mannschaft Bora-Hansgrohe nicht den ersehnten Sieg beschert hatten.

Max hat mir das so schön vorbereitet. Ich habe das quasi auf dem Silbertablett präsentiert bekommen.

Radprofi Lennard Kämna

Nur vier Sekunden trennten den 24-Jährigen vom bislang größten Triumph seiner vielversprechenden Karriere. Vier Sekunden, die er erst auf den letzten Metern der 191,5 km langen Bergetappe im Zentralmassiv auf den Kolumbianer Daniel Martinez (EF Education First) verlor. Doch sowohl bei Kämna, als auch bei Schachmann überwog insgesamt der Stolz über das Erreichte. Das gute Abschneiden gab beiden neue Zuversicht.

"Die Tour ist noch nicht vorbei"

"Es kommen noch ein paar Etappen. Ich hoffe, dass ich eine andere gewinnen kann", sagte Kämna. Schachmann, der sich zwei Wochen vor dem Tour-Start das Schlüsselbein gebrochen hatte, meinte: "Am Ende wäre es schön gewesen, wenn wir den Sieg nach Hause gefahren hätten. Aber die Tour ist noch nicht vorbei."

Vorbei ist die Tour auch für die Favoriten im Kampf um das Gelbe Trikot nicht. Dennoch zeigte sich am bis zu 15 Prozent steilen Schlussanstieg Pas de Peyrol, wer die derzeit stärksten Fahrer im Feld sind. Die Antwort: Jumbo-Visma-Kapitän Primoz Roglic und sein junger slowenischer Landsmann Tadej Pogacar (Slowenien/UAE-Team Emirates). Roglic baute seine Führung in der Gesamtwertung auf 44 Sekunden aus, neuer Zweiter ist Pogacar. "Ich bin super glücklich, wie es gelaufen ist", sagte Roglic. 

Titelverteidiger Egan Bernal (Ineos-Grenadiers) zählte dagegen zu den Besiegten, der Kolumbianer liegt als Dritter nun 59 Sekunden zurück. Im Ziel beugte sich Bernal völlig entkräftet über sein Rad.

Schwierigste Etappe mit 7 Bergwertungen

Die Aussicht auf die wohl schwierigste Etappe mit sieben Bergwertungen hielt das Feld nicht von einem Schnellstart ab. Früh wurde ein hohes Tempo angeschlagen, für die Sprinter begann schon nach wenigen Kilometern der Kampf gegen das Zeitlimit. Nach dem ersten Renndrittel bremste das Peloton aber vorübergehend ab. Zu den vielen Fahrern, die sich in die Flucht wagten, zählte der bislang unauffällige Simon Geschke (CCC Team). Später stießen auch die beiden Bora-Profis Schachmann und Kämna dazu. 

Die große Gruppe um das deutsche Trio, die nach rund 60 km den Zusammenschluss fand, wurde vom Hauptfeld ein Vorsprung gewährt, der ihr die Chance auf den Etappensieg ermöglichte. Rund 35 km vor dem Ziel fand die harmonische Zusammenarbeit an der Spitze ein Ende. Als erster Ausreißer attackierte der US-Amerikaner Neilson Powless (EF Education First), wenig später suchte Schachmann das Weite. Mit vereinten Kräften baute das Duo den Vorsprung auf den Rest der Fluchtgruppe auf knapp eine Minute aus, dann zog Schachmann erneut davon und nahm das überaus steile Finale als Solist in Angriff.

Packendes Finish – mit Pech für Kämna

Der Vorsprung schmolz, als Martinez das Tempo erhöhte. Nur Kämna konnte folgen, 1,6 km vor dem Ziel war Schachmann eingeholt. Im Finale musste Schachmann dann abreißen lassen. Auf der Zielgeraden forcierte Kämna eine letzte Attacke – sie war vergeblich. Nach zwei Tagen im Zentralmassiv biegt die Große Schleife am Samstag in die entscheidende Phase in Richtung Alpen ein.

Vor den Prüfungen im Hochgebirge können die Favoriten auf das Gelbe Trikot aber nochmals durchatmen. Die 194 km lange 14. Etappe von Clermont-Ferrand nach Lyon ist als Flachetappe deklariert - auch wenn das angesichts von fünf gewerteten Bergen eine ziemliche Mogelpackung ist.

Kämna kommt bei der Tour de France noch nicht in Tritt

Video vom 3. September 2020
Lennard Kämna angestrengt auf dem Rad bei einem Berganstieg.
Bild: DPA | Roth/Augenklick

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 11. September 2020, 18:06 Uhr