Werders Trinks und sein "Tor des Monats": Fluch und Segen

Video vom 13. Juni 2021
Der 17-jährige Werder-Spieler Florian Trinks bei seinem Freistoßtor im U17-EM-Finale gegen die Niederlande.
Bild: DPA | Jens_Wolf
Bild: DPA | Jens_Wolf

Florian Trinks hatte auf eine große Fußball-Karriere gehofft. Doch der Erfolg kam zu früh. Er hob ab, ruinierte sich so seine Chancen. Heute ist er mit sich im Reinen.

Florian Trinks sitzt schon wieder zwischen Kartons, gepackten Taschen und Koffern. Doch dieses Mal geht es für den inzwischen 29-Jährigen nicht zum nächsten Fußball-Reiseziel, sein Nomadenleben ist seit zwei Jahren beendet.

"Vor zwei Wochen wurde unsere Tochter geboren und in zwei Wochen ist unser Haus fertig und der Umzug steht an", erzählt Trinks im Gespräch mit dem Sportblitz voller Vorfreude: "Jetzt ein Zuhause zu haben mit meiner Familie ist für mich das Allergrößte. Ich bin endlich angekommen."

Trinks ist endlich mit sich im Reinen

Ex-Fußballer Florian Trinks hält im Video-Interview seine "Tor des Monats"-Medaille lächelnd hoch.
Die Medaille der ARD-Sportschau für sein "Tor des Monats" im Jahr 2009 hat Florian Trinks natürlich aufgehoben. Bild: Radio Bremen

Trinks strahlt, als er von seinem neuen Leben ohne Fußball erzählt. Von seinem Studium auf Grundschullehramt mit Hauptfach Sport. Von seinen beiden Kindern. Vom Lebensmittelpunkt in der Nähe von Nürnberg. Von seinen neuen Prioritäten. "Das alles erfüllt mich", sagt er, "das hätte ich vor ein paar Jahren nicht gedacht." Trinks scheint endlich mit sich im Reinen zu sein. Nachdem es als hochgelobtes Talent mit seiner Karriere als Fußball-Profi nicht so gelaufen war, wie erhofft.

Dabei hatte alles mit einem furiosen Tor begonnen. Am 18. Mai 2009, Trinks war gerade 17 geworden und spielte bei der U17-EM mit Deutschland gegen die Niederlande im Finale. Verlängerung, ein Freistoß aus 30 Metern – und was für ein Treffer. Unhaltbar, direkt oben links ins Eck. Trinks hatte das Siegtor zum 2:1 erzielt, war der Held dieses EM-Titels. Und das war wohl das Fatale.

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Der erste Erfolg kommt zu früh für Trinks

Werder-Spieler Florian Trinks mit 17 Jahren beim Interview am Flughafen nach seinem "Tor des Monats".
17 Jahre jung und schon im Mittelpunkt: Florian Trinks nach seinem "Tor des Monats" 2009 im Interview. Bild: Radio Bremen

Fatal deshalb, denn "ich hatte danach einen Höhenflug, das muss ich zugeben", sinniert Trinks. Mit 14 Jahren war der gebürtige Geraer ins Internat von Werder Bremen gekommen, hatte auch beim DFB alle U-Mannschaften erfolgreich durchlaufen und immer wieder gehört, was für ein großes Talent im offensiven Mittelfeld er doch sei. Dann kam dieser grandiose Treffer, der zudem noch zum "Tor des Monats" gekürt wurde.

Die Medaille hat Trinks noch, auch wenn die Hülle ein wenig eingestaubt ist. Damals sei das "die Kirsche auf der Sahne" für ihn gewesen. Und wie er sich diese begehrte Medaille der ARD-Sportschau so betrachtet, kommt die Erinnerung an das Spiel in Magdeburg zurück. Das erste Mal vor so vielen Zuschauern. Eingewechselt. Sein entscheidendes Tor, als das Spiel eigentlich schon vorbei war.

Es war ein wunderbares Erlebnis, aber damals schwer für mich begreifbar. Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten.

Ex-Fußballer Florian Trinks im Gespräch mit dem Sportblitz

Höhenflug ruiniert die Karriere

Trinks verlor die Bodenhaftung, auch seine Eltern konnten ihn in dieser Zeit nicht erden. Er, der Überflieger, wollte auch so behandelt werden. Nur funktioniert der Fußball so nicht und das Leben auch nicht. Trinks dachte, es ginge immer nur aufwärts, konnte aber mit Rückschlägen nicht umgehen. Dass er bei Werder in der Regionalliga oder der 3. Liga spielen sollte, sah er als Affront. Und verbaute sich mit seiner Attitüde seinen Weg.

Ich habe das nie als Chance für mich gesehen, mich zu entwickeln, sondern als Bestrafung. Da habe ich mir relativ viel kaputt gemacht. Diese negative Energie hatte dann auch einen schlechten Einfluss auf meine Trainingsleistung in der ersten Mannschaft.

Ex-Fußballer Florian Trinks im Gespräch mit dem Sportblitz

Leichtes Bedauern, aber viel Dankbarkeit

In den insgesamt sieben Jahren Werder brachte es Trinks auf 14 Einsätze in der Bundesliga. Das hatte er sich anders gedacht. Auch bei Greuther Fürth, in Chemnitz und Schweinfurt lief es danach nie lange gut. Vor drei Jahren führte dann ein Foul zu einer schweren Verletzung im Sprunggelenk. "Danach merkte ich, dass Profisport nicht mehr möglich ist", sagt Trinks, "und es machte auch keinen Spaß mehr."

Karriereende mit 27 Jahren, wenn es bei anderen erst richtig los geht. "Genau zehn Jahre nach meinem EM-Tor habe ich mit dem Fußball aufgehört, so schließt sich der Kreis." Ein bisschen Wehmut ist da, über das, was vielleicht möglich gewesen wäre. "Klar, ist es schade, denn Werder Bremen war immer mein Traumverein. Aber heute bin ich trotzdem dankbar für die Erfahrungen, die ich machen durfte." Es lässt sich wohl leichter sagen, angekommen im neuen Leben.

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Autoren

  • Pascale Ciesla Redakteurin und Moderatorin und Autorin
  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Juni 2021, 18:06 Uhr