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Turn-Held Toba: "Das Pauschenpferd ist ein Teil von mir"

Andreas Toba war der tragische Olympia-Held, der "Hero de Janeiro". Derzeit gastiert er mit der Show "Feuerwerk der Turnkunst" in Bremen – und träumt schon wieder von Olympia.

Andreas Toba bei seinem Auftritt beim Feuerwerk der Turnkunst am Pauschenpferd.

Die Tränen nach seinem Kreuzbandriss in Rio de Janeiro im Sommer 2016 sind vielen noch präsent. Andreas Toba quälte sich trotzdem noch mit Schmerzen aufs Pauschenpferd – für seine Mannschaft. Sein tapferer Auftritt machte den Turner zum "Hero de Janeiro", dem tragischen Helden der Spiele. Doch ein Held wollte Toba gar nicht sein. Er will turnen, und das kann der 27-Jährige seit September endlich wieder.

Andreas Toba beim Sportblitz-Gespräch am Rande des Feuerwerks der Turnkunst.
Gut gelaunt: Andreas Toba beim Gespräch mit dem Sportblitz.

Drei Operationen hat Toba hinter sich, eine davon in Bremen. Im Interview mit dem Sportblitz zeigt er sich optimistisch und hofft auf sein Comeback in diesem Jahr bei der Europa- und Weltmeisterschaft und der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Herr Toba, was verbinden Sie mit Bremen?
Das war ganz lustig. Als wir nach Bremen reingefahren sind, da dachte ich "Ach, letztes Jahr war ich hier ein paar Mal zu oft" (lacht). Zu oft, weil ich es mir gerne unter einem anderen Aspekt gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz ist es alles in allem glimpflich abgelaufen, und ich bin fast wieder voll einsatzfähig. Dementsprechend verbinde ich jetzt mit Bremen nichts Negatives – außer die etwas ätzende Zeit im Krankenhaus. Irgendwann ist es einfach langweilig. Als Leistungssportler will man sich bewegen und das konnte man nicht.
Jetzt können Sie sich wieder bewegen, turnen seit September wieder – wie fühlen Sie sich?
Es wird immer besser. Am Boden und am Sprung habe ich schon wieder angefangen zu trainieren. Momentan auf der Show-Tour ist das natürlich etwas schwieriger, aber dafür geht es mit der Grundfitness voran. Ich kann es nicht in Prozente fassen, aber ich würde sagen, ich bin im letzten Viertel angekommen.
Andreas Toba turnt in Rio trotz eines Kreuzbandrisses seine Übung am Pauschenpferd.
Unter Schmerzen: Trotz seines Kreuzbandrisses turnte Toba am Pauschenpferd und bekam die höchste Wertung im deutschen Team. Bild: Imago | Eibner
Sie waren 2010 und 2011 schon einmal beim Feuerwerk der Turnkunst dabei, machen dieses Mal die Tour komplett mit. Wie ist es für einen Wettkämpfer in einer Show?
Es ist nicht vergleichbar mit einem Wettkampf. Es ist ein bisschen lockerer, man ist nicht ganz so angespannt. Trotzdem will man seine Sache ja so schön wie möglich präsentieren. Zum Schluss geht es eigentlich darum, einfach bei der Show Spaß zu haben und die Gefühle, die man beim Turnen hat, auf die Menschen zu übertragen.
Wenn wir gerade bei Gefühlen sind: Sie turnen auch erstmals gemeinsam mit ihrer Freundin Daniela Potapova. Wie ist das für Sie?
Das ist etwas ganz Neues für mich. Ich bin im Grunde als Turner immer alleine am Gerät und es steht höchstens mal ein Trainer am Rand. Daher ist es für mich eine Premiere, mit jemandem zusammen zu turnen. Es ist schön, weil wir jetzt diesen Monat bei den Shows die Zeit gemeinsam haben. Sonst bin ich auf Lehrgängen oder sie in der Uni, dann sehen wir uns gar nicht so oft. Deshalb ist es super und mit ihr als Krönung dann in der Show unsere Love-Story zeigen zu dürfen, unsere Gefühle, die wir füreinander haben, ist schon etwas ganz Besonderes.
Andreas Toba mit seiner Freundin Daniela Potapova bei der Sportlergala in Wiesbaden.
Andreas Toba mit Freundin Daniela Potapova bei der Spotlergala in Wiesbaden. Bild: Imago | Sven Simon
Das macht uns neugierig – was bedeutet denn Ihre Love-Story?
Wir erzählen, wie wir uns kennengelernt haben. Sie ist rhythmische Sportgymnastin, ich bin Turner. Dieses leichte Hin und Her am Anfang, das gegenseitige Helfen. Einfach, wie es in einer normalen Beziehung ist. Nur, dass wir eben Sportler sind und es auf unsere Geschichte zugeschnitten ist.
Jetzt turnen Sie die Love-Story mit ihr ausgerechnet am Pauschenpferd – Absicht oder Zufall?
Es ist eigentlich ganz lustig, dass mich alle nur noch mit dem Pauschenpferd identifizieren. Tatsächlich ist es aber so, dass ich gar kein besonderes Lieblingsgerät habe. Ich mag wirklich alle Geräte. Aber das ist nunmal die Geschichte aus Rio, sie ist ein Teil von mir geworden. Das Pauschenpferd und ich, das gehört jetzt irgendwie zu mir wie mein Name. Und hier passt es, weil es am Pauschenpferd möglich ist, dass wir beide darauf turnen. Am Reck oder dem Barren wäre es für meine Freundin sicher schwierig gewesen. Und dass es jetzt zu meiner Geschichte aus Rio passt, ist quasi das perfekte Komplettpaket.
Olympia hat eine große Bedeutung für Sie, die nächsten Spiele warten schon. In diesem Jahr finden noch eine EM und eine WM statt – fühlen Sie sich dafür schon fit genug?
Ich denke schon, das ist sehr realistisch. Alles bis zu den Spielen sind jetzt Meilensteine. Im nächsten Jahr ist die Heim-WM in Stuttgart, die ist dann die entscheidende für die Qualifikation der Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Daher ist es in diesem Jahr ein großes Ziel, bei der EM und der WM an den Start zu gehen. Bei der EM muss man noch sehen, ob es von der Konstellation passt, dass ich mit einem Sechskampf dabei sein kann oder nur ein paar Geräte turne. Aber bei der WM will ich auf jeden Fall den Sechskampf turnen. Und das große Ziel für mich ist Olympia.
  • Ariane Wirth

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. Januar 2018, 18:06 Uhr