Chaos in Katar: Und Bremer Tischtennis-Profis sind mittendrin

Der Tischtennis-Weltverband krempelt im Alleingang seine Sportart um. Auch zum Leidwesen der Stars wie Werders Mattias Falck. Die neue Turnierserie startet chaotisch.

Tischtennis-Profi Mattias Falck blickt mit ausgestrecktem Schlagarm nach oben, um den Ball vor dem Aufschlag zu fokussieren.
Mit dabei in der Doha-Blase: Vizeweltmeister und Weltranglistenachter Mattias Falck, der für Werder Bremen in der Bundesliga spielt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es ist wohl kein Zufall, dass in der kommenden Woche im Emirat Katar nicht nur die neue Tischtennis-Turnierserie startet, sondern parallel auch die Tennis-Turniere der Frauen und Männer in Doha stattfinden. Der Tischtennis-Weltverband ITTF hat gerade im Alleingang seine Sportart umgekrempelt, ohne Absprache mit nationalen Verbänden oder gar Spielern. Der Unmut in der Tischtennis-Welt ist groß.

Eigens wurde nun von der ITTF eine Tochter-Serie, die WTT, gegründet. Angelehnt am Vorbild der internationalen Tennis-Tour. Das Ziel: Die größten und wichtigsten Tischtennis-Turniere sollen besser und lukrativer werden. Und das bisher überschaubare Preisgeld steigt, doch das hat für die Spieler einen Preis.

Die Spieler haben keine Wahl mehr

Denn Mitmachen ist für die Besten der Besten ab jetzt Pflicht. Die Spieler müssen pro Jahr an mindestens zwölf WTT-Events teilnehmen, von denen acht in die Weltranglisten-Wertung eingehen. Wer nicht spielt, wird mit einer Null-Wertung bestraft, die nicht ausgeglichen werden kann. Die Topspieler wie Mattias Falck von Werder Bremen, derzeit Weltranglistenachter und bester Tischtennis-Profi Europas, können sich das Fehlen also gar nicht leisten. Sonst qualifizieren sie sich nicht für Welt- und Europameisterschaften oder Olympia.

Aber: Die schlechter platzierten Spieler haben teilweise gar keine Chance, bei diesen Hochglanz-Turnieren mitzumachen. Wie im Tennis konzentriert sich der Turnier-Zirkus künftig nur noch auf die Stars, der Rest muss sehen, wo er bleibt. Die nationalen Verbände auch – sollten diese den Alleingang der ITTF so hinnehmen.

Chinas Elite sagt nicht nur Doha ab

Der Weltranglistenerste im Tischtennis, Fan Zhendong, mit verbissenem Gesichtssausdruck beim einem Vorhandschlag.
Auch der chinesische Weltranglistenerste Fan Zhendong wird in Doha fehlen. Bild: Imago | China Images

Denn bei dem Umfang und Zeitaufwand, den die WTT nun beansprucht, wird es für die Tischtennis-Bundesliga auf lange Sicht schwer werden, ihre Stars zu halten. Auch die German Open, bisher ein fester Bestandteil der Turnierserie, wird in diesem Jahr nicht in Deutschland stattfinden. Der deutsche Tischtennis-Verband DTTB kann die Kosten der neuen WTT-Auflagen nicht tragen. Die Sorge ist da, dass die Turniere bald nur noch in Asien, Russland oder eben im Nahen Osten stattfinden.

Den ersten Dämpfer bekamen die Veranstalter der beiden WTT-Events in Doha direkt: China sagte geschlossen ab. Bis zu den Olympischen Spielen werden ihre Athleten pandemiebedingt nicht mehr reisen, erklärte der Verband. Das bedeutet, dass sich Falck und Co. nicht mehr mit jenen Spielern messen können, die das Maß der Dinge im Tischtennis sind. Auch in Doha nicht.

Verpatzte Auslosung und Gedränge in der Halle

Und anstatt das neue Hochglanzprodukt schillernd zu promoten, gaben die Organisatoren der sogenannten "Middle East Hub" bisher kein gutes Bild ab: Die Auslosungen fanden zu spät statt, bei den Frauen wurden gar Spielerinnen bei der Auslosung ganz vergessen, sodass diese wiederholt werden musste, und bei den Trainingseinheiten in der Halle herrscht nach besorgten Angaben des DTTB viel zu dichtes Gedränge.

Zwei Turniere sollen in der Doha-Blase gespielt werden, für Falck und seinen Bremer Teamkollegen Kirill Gerassimenko stand dabei zunächst die zweitägige Hotel-Quarantäne auf dem Programm. Ohne zwei negative Corona-Tests im Vorfeld hätten sie gar nicht erst in Doha einreisen können. Für den dritten Werder-Profi Hunor Szöcs war bei allem Aufwand bereits in der ersten Qualifikationsrunde wieder Schluss.

Falck hat bereits im vergangenen November den Neustart der internationalen Turniere in der China-Blase mitsamt den strikten Vorgaben mitgemacht und der 29 Jahre alte Schwede hofft, dass auch Doha ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen wird. Dafür werden sich die Organisatoren nach dem chaotischen Auftakt noch ordentlich strecken müssen. Ohne die übermächtige Konkurrenz aus China sind die Karten beim WTT-Event neu gemischt und hier zählt jeder Punkt für die Setzliste bei Olympia. Ob die Spiele im Juli tatsächlich stattfinden, steht immer noch in den Sternen – wie so vieles in diesen Tagen in der Tischtennis-Welt.

Blick bei Sonnenuntergang auf die Skyline von Doha.
Treffpunkt der besten Tischtennis-Spieler der Welt: In der "Middle East Hub" in Doha beginnt die neue WTT-Turnierserie. Bild: Imago | Agefotostock

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. März 2021, 23:30 Uhr