Werder rockt den Spitzenreiter und bleibt auf Playoff-Kurs

Was für ein Tischtennis-Krimi am Sonntagnachmittag: Das Bremer Team um Vizeweltmeister Mattias Falck bezwang in einem packenden Duell den 1. FC Saarbrücken TT mit 3:1.

Mattias Falck reckt nach dem Sieg jubelnd die Faust empor.
Starker Auftritt von Werders Bestem: Vizeweltmeister Mattias Falck steuerte zwei Siege zum 3:1-Erfolg bei. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Auf den Sitzen hielt es längst schon niemanden mehr in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle in Hastedt. "Den Tatort heute Abend können wir uns sparen", meinte eine Zuschauerin zu ihrem Mann: "Spannender als hier wird es nicht!" Und das lag vor allem an Mattias Falck. Werders Vizeweltmeister zeigte eine der mitreißendsten Partie der vergangenen Wochen und spielte in diesem entscheidenden fünften Satz nun wie im Rausch. Und das, obwohl der Gegner auf der anderen Seite des Netzes Shang Kun war, Topspieler von Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken TT und der Bundesliga-Profi mit der besten Sieg-Bilanz der Saison (18:3).

Mit irrwitzigem Tempo droschen die beiden die Bälle über das Netz und das in für Tischtennis-Verhältnisse fast schon epischen Rallyes. Die gut 400 Zuschauer hielten die Spannung kaum noch aus, denn sie hatten bereits das erste Krimi-Match durch Werders Kirill Gerassimenko hinter sich. Nun legte Falck mit seiner packenden Partie nach – und sollte das hochklassige Duell schließlich mit 3:2 (11:6, 7:11, 14:12, 9:11, 11:3) gewinnen. Trainer Cristian Tamas schloss den 1,90 Meter großen Schweden glücklich in die Arme, die ganze Anspannung fiel von ihnen ab im tosenden Jubel der Halle. Falcks Sieg besiegelte den so immens wichtigen 3:1-Erfolg gegen das dominierende Team der Bundesliga. Und es brachte Werder als Tabellenvierten zwei Spieltage vor Schluss wieder klarer auf Playoff-Kurs.

"Ein tolles Comeback für uns heute"

Mattias Falck nach seinem Sieg beim Shakehands mit Shang Kun neben der Tischtennisplatte.
Revanche geglückt: Im Hinspiel hatte Mattias Falck (rechts) noch mit 2:3 gegen Shang Kun verloren.

Da Mühlhausen parallel gegen Bad Königshofen verlor, konnte Werder Mühlhausen nun mit vier Punkten auf Distanz halten. Dabei hatten die Bremer am vergangenen Sonntag noch eine besonders bittere 0:3-Schlappe gegen den Tabellenfünften kassiert. "Das war eine harte Niederlage gegen Mühlhausen letzte Woche – es ist ein tolles Comeback für uns heute", freute sich Falck. Der Weltranglistenachte wirkte noch fokussierter, noch heißer als er es ohnehin für gewöhnlich ist. Falck fühlte sich in der Bringschuld, machte sich selbst noch mehr Druck, das Team wieder auf Playoff-Kurs zu führen. Und er begann mit einem souveränen 3:0-Sieg über Cristian Pletea, den Falck so entnervte, dass dieser frustriert völlig das Konzept verlor. So stark hatte man den Schweden länger nicht gesehen.

Ich hatte in den vergangenen Wochen nicht richtig gut gespielt, weil ich seit November durch den ganzen Turnierstress kaum zum Trainieren kam. Aber die Bundesligapause war wichtig. Es hat gut getan, ich konnte Zuhause eine Woche trainieren und jetzt merke ich, dass ich wieder besser spiele.

Werders Vizeweltmeister Mattias Falck

Gerassimenko behält die Nerven im Fünfsatz-Krimi

Tischtennis-Spieler Kirill Gerassimenko schaut nach dem Sieg nach oben und ballt die Hand zur Faust.
Kirill Gerassimenko rang mit Patrick Franziska den Weltranglisten-14. nieder. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Gegen Mühlhausen war das Bremer Team noch angeschlagen gewesen, Marcelo Aguirre musste nach einem Satz aufgeben und Hunor Szöcs war gar nicht erst mitgekommen. "Ich muss unserer medizinischen Abteilung wirklich ein Riesen-Kompliment machen", lobte Tamas: "Am Mittwoch wussten wir noch nicht, ob die beiden heute spielen können, aber unser Arzt und unser Physio haben sich so reingehängt und es geschafft." Nun also trat Werder in voller Mannstärke gegen Saarbrücken an und wieder einmal gelang dabei Gerassimenko ein Fünfsatz-Krimi – dieses Mal endlich wieder mit Erfolg, er bewahrte die Nerven. Am Ende wurde der Kasache von seiner ganzen Mannschaft geherzt, ein Sieg gegen den formstarken Patrick Franziska, die deutsche Nummer drei, gelingt eben auch nicht jede Woche.

"Dieses Mal hatten wir mal ein bisschen das Glück auf unserer Seite", meinte Tamas erleichtert: "Zuletzt lief es gerade bei den Heimspielen oft gegen uns, aber jetzt sind wieder in einer guten Position. Das war ein Vier-Punkte-Spiel für uns." Zwei Spiele bleiben Werder noch, gegen Grenzau und Fulda. Eines von beiden zu gewinnen, sollte für die Playoffs reichen. "Wir haben richtig gute Chancen, es zu schaffen", betonte Falck, "und wir werden mit voller Energie darum kämpfen." Am Sonntag war ihnen das schon gelungen.

SV Werder Bremen – 1. FC Saarbrücken TT 3:1

Mattias Falck – Cristian Pletea 3:0 (11:8, 11:6, 11:3)
Marcelo Aguirre – Shang Kun 0:3 (7:11, 8:11, 6:11)
Kirill Gerassimenko – Patrick Franziska 3:2 (11:6, 7:11, 7:11, 11:8, 12:10)
Mattias Falck – Shang Kun 3:2 (11:6, 7:11, 14:12, 9:11, 11:3)

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 24. Februar 2020, 18:06 Uhr