Von Bananen und Streichholz-Ärmchen: Werder verteidigt Platz 2

Sechster Sieg in Serie für die Tischtennis-Asse von Werder Bremen - doch das Team aus Grünwettersbach machte ihnen das Leben am Sonntag ziemlich schwer.

Mattias Falck breitet beide Arme weit aus bei einem Vorhandschlag.
Auf Werders Vizeweltmeister war erneut Verlass: Mattias Falck gewann beide Einzel gegen Grünwettersbach mit 3:1. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und da standen sie sich also gegenüber, Mattias Falck und Sathiyan Gnanasekaran. Der beste europäische Tischtennisspieler der Welt (Rang neun) gegen den besten Inder (Rang 30). Und das in der beschaulichen Klaus-Dieter-Fischer-Halle im Bremer Stadtteil Hastedt, am 13. Bundesligaspieltag. Beide hatten ihr erstes Spiel an diesem Sonntagnachmittag gewonnen, Werder führte gegen Grünwettersbach mit 2:1. Nun kam es zum Showdown der Nummer-eins-Spieler.

Und dass es keine ganz gewöhnliche Partie war, verriet schon die Optik. Falck, der blonde Schwede, misst 1,88 Meter und wiegt 80 Kilogramm. Der Inder Gnanasekaran dagegen ist 20 Zentimeter kleiner als Falck und bringt gerade einmal 49 Kilogramm auf die Waage. Und seine Arme sind dabei so unglaublich dünn, dass es mehr Streichholz-Ärmchen sind. Die Beine des 26-Jährigen wirken genauso zerbrechlich. Sieht so ein Tischtennis-Ass aus?

"Er trifft jeden Ball wie eine Maschine"

Sathiyan Gnanasekaran mit ausgestreckten Armen bei einem Vorhandschlag.
Der beste Inder der Tischtenniswelt: Sathiyan Gnanasekaran Bild: Imago | Agencia EFE

"Ja, er ist anders", sagte Falck nach seinem 3:1-Sieg und musste etwas schmunzeln, "aber er ist sehr gut." Das bekam Werders Vizeweltmeister besonders im zweiten Satz zu spüren. Falck hatte einen guten Auftakt geliefert, verlor im zweiten Durchgang aber ein wenig den Faden. "Eigentlich neige ich ja dazu, den ersten Satz zu verlieren", meinte mit einem Augenzwinkern, "aber gegen ihn muss man eine gute Taktik haben, sonst trifft er jeden Ball wie eine Maschine."

Also variierte Falck im dritten Satz wieder das Tempo, streute weiche Bälle ein, bevor er mit seiner wuchtigen Vorhand die Winner auf die Platte hämmerte. Es entwickelte sich eine rasante und hochklassige Partie mit teils spektakulären Ballewechseln - aber auch steigendem Frustpotenzial bei Gnanasekaran. Immer wieder verdrehte er genervt die Augen und verwickelte sich in kurze Selbstbeschimpfungen. Auch bei den Auszeiten machte er seinem Ärger mit vielen Worten und Gesten Luft. Während Grünwettersbach-Coach Joachim Sekinger beruhigend auf Gnanasekaran einredete, reichten ihm seine Teamkollegen jedes Mal erst eine Banane, dann ein Elektrolyte-Tütchen, dann die Wasserflasche und noch eine weitere Getränkeflasche. Immer in dieser Reihenfolge. Und dabei sah es fast so aus, als müssten sie den Inder mit den Streichholz-Ärmchen aufpäppeln.

Werder jetzt punktgleich mit Spitzenreiter Saarbrücken

Doch Gnanasekarans dünne Gliedmaße schienen aus reiner Muskelmasse zu bestehen, denn er ging jedes Tempo mit und machte Falck vor allem in der Schlussphase des vierten Satzes das Leben noch einmal richtig schwer. Der Schwede lag schon mit 5:2 vorne, als sich Gnanasekaran wieder herankämpfte. "Am Ende wurde es nochmal ein enger Fight", sagte Falck, "er ist wirklich gut und ich war wohl etwas hektisch am Schluss." Drei Matchbälle vergab Werders Nummer eins, machte dann aber doch mit 12:10 den dritten Punkt für die Bremer perfekt. "Es war ein gutes Match und ich bin sehr froh über meine Leistung", sagte Falck, "aber auch über das gesamte Team, es läuft bei uns allen gerade richtig gut."

Und wie, Werder festigt mit dem sechsten Sieg in Serie des zweiten Tabellenplatz und ist punktgleich (20:6) mit Tabellenführer Saarbrücken und Borussia Düsseldorf auf Rang drei. "Wenn wir dieses Level halten könnten, sind die Playoff natürlich ein Ziel", meinte Falck, schränkte aber sofort ein: "Wir konzentrieren uns lieber immer nur auf das nächste Spiel, erst die Hälfte der Saison ist vorbei."

SV Werder Bremen – ASV Grünwettersbach 3:1

Mattias Falck – Dang Qiu 3:1 (11:5, 6:11, 12:10, 11:6)

Hunor Szöcs – Sathiyan Gnanasekaran 0:3 (4:11, 6:11, 10:12)

Kirill Gerassimenko – Wang Xi 3:2 (7:11, 14:12, 11:4, 7:11, 11:8)

Mattias Falck – Sathiyan Gnanasekaran 3:1 (11:8, 8:11, 11:9, 12:10)

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 8. Dezember 2019, 19:30 Uhr